Review

iHaveCNit: How To Have Sex (2023) – Molly Manning Walker – Capelight Pictures

Deutscher Kinostart: 07.12.2023

gesehen am 09.12.2023 in OmU

Arthouse-Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 4, Platz 7 – 21:00 Uhr

Das Filmjahr 2023 neigt sich so langsam dem Ende zu, es sind nur noch wenige Wochen und Tage bis zum Jahresende, aber filmisch gesehen gibt es für mich noch genug interessante Kinostarts, die durchaus das Potential dazu haben könnten, ein weiteres, spätes Highlight des Jahres sein zu können. Schön, dass es hier dann „How To Have Sex“ von Molly Manning Walker geschafft hat, kurzfristig seinen Platz in meinem Filmkalender zu bekommen, denn dieser Film gehört mit zu den großen Highlights des Kinojahrs 2023.

Im Zeitraum ihres Abschlusses fliegen die jungen Britinnen Tara, Skye und Em für eine Partywoche nach Malia auf Kreta. Inmitten der Reizüberflutung aus Musik, Alkohol und freizügiger Partygesellschaft soll es vor allem für die noch jungfräuliche Tara zur ersten sexuellen Erfahrung kommen. In ihrer Hotelanlage treffen die Britinnen dann auch noch auf das Trio aus Paddy, Badger und Paige, mit denen sie fortan die Partywoche verbringen. Bis eines Morgens Tara nicht aufzufinden scheint.

Vor 2 Jahren Anfang 2021 hat mich bereits im Arthouse-Bereich das schwedisch-amerikanische Drama „Pleasure“ von Ninja Thyberg mit Sofia Kappel in der Hauptrolle begeistern können, in dem eine junge Schwedin als Pornodarstellerin in der Hochburg Los Angeles berühmt werden möchte und hier durch den Druck der Branche zu immer härteren, sexuellen Grenzerfahrungen getrieben wird. Auch wenn hier bereits die sexuelle Erfahrung vorhanden ist, so sehe ich ähnliche Parallelen zwischen Ninja Thybergs Film und auch nun Molly Manning Walkers Debüt. Mit einer unfassbar großartigen Mia McKenna-Bruce in der Hauptrolle der Tara, die sich erst im Laufe des Films aus dem erst gleichwertig präsentierten Trio aus noch Lara Peakes „Skye“ und Enva Lewis „Em“ herauskristallisieren wird, erleben wir aus ihren Augen mit einer sehr vielseitigen, meist nonverbalen Darstellung durch feinste Nuancen heraus einen Blick auf die moderne Party-Kultur aus britischer Perspektive, die mitunter eine der härtesten Party-Kulturen zu sein scheint mit all dem gesellschaftlichen Druck, bei allem mitzumachen, mit zu trinken, mit zu feiern und auch möglichst schnell erste sexuelle Erfahrungen zu machen, sowohl bei jungen Männern, die sich hier durch das gesellschaftliche Umfeld eine toxische Macho und Fuckboy-Attitüde aneignen (müssen), aber vorrangig bedient der Film hier die weibliche Perspektive und wie sich dieser Druck auf junge Frauen auswirkt, die Erwartungshaltung von Außen, die eigene Erwartungshaltung und auch die Auswirkung der fehlenden Erfahrung und Unsicherheit darin und wie sehr genau auch das im vieldiskutierten Bereich des Konsens auch eine Rolle spielt, so dass Konsens weitaus mehr als nur das klassische „Nein heißt Nein“ als auch „Nur ein Ja heißt Ja“ umfasst und dass es selbstverständlich ist, dass dieser auch immer wieder erneuert werden muss. In der Darstellung und dem empathischen Gefühl des Zuschauers gegenüber Tara erleben wir spürbar auch, wie selbst aus den ersten sexuellen Erfahrungen, die selbst unter Konsens – auch wenn natürlich der Einfluss Alkohols darauf diskussionswürdig ist – erfolgt sind im Nachhinein eine Form des „Regrets“, der Reue entsteht und die ersten Erfahrungen nicht so gut gewesen sind und man eigentlich lieber noch etwas „auf den richtigen Moment“ gewartet hätte. Und dann verhandelt der Film natürlich auch nachfolgende Coping Mechanismen und in Ansätzen Formen einer Competition Anxiety innerhalb des Trios vor allem aus Richtung von Skye gegenüber Tara – bis zu einem erschütternden und beiläufigen Moment, den ich an dieser Stelle unerwähnt lassen möchte. Man erkennt, dass „How To Have Sex“ ein trotz knapp 90-minütiger Laufzeit ein thematisch und auch inszenatorisch sehr vielschichtiges Werk ist, dass es schafft in seinem Kontrast aus sehr leisen und sehr lauten Momenten eine gewisse nachhallende Faszination auszulösen, so dass es für mich nichts gibt, was ich dem Film negativ ankreiden könnte.

„How To Have Sex“ - My First Look – 10/10 Punkte. 





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