Ein ganz, ganz hartes Brett, das Stuart Gordon hier immer wieder mit voller Wucht auf den Zuschauer niedersausen lässt...
(Wer einen Spoiler findet, darf ihn behalten.)
Dabei beginnt doch alles so freundlich, so normal: Gelegenheitsarbeiter Sean trifft den gewichtigen Duke, der ihm im Namen seines Bosses Ray einen kleinen Beschattungsauftrag verschafft. Das Problem an der ganzen Sache ist natürlich, dass mehr dahintersteckt: Ray ist ein Baulöwe, der Beschattete ist aber auf einer Spur, die den nicht ganz so einwandfreien Untenehmer zu Fall bringen könnte. Der Arme (nebenbei Familienvater) muss folglich beseitigt werden und schon in dieser Standard-Genreszene vermittelt der Film eine Ahnung davon, was er noch zu bieten haben wird: Der Mord im Heim des Unglücklichen ist nicht so einfach, wie man ihn sich vorstellt; diverse Haushaltsgegenstände werden in schmerzhafter Deutlichkeit am Opfer zerschmettert, bis der Kühlschrank den mittlerweile nur noch Unverständliches Brabbelnden zermalmt.
So brachial, wie sich "King of the Ants" hier zeigt, wird es weitergehen, denn nun beginnen die Probleme für Sean: Keiner will den Mord beauftragt haben und das Geld gibt es sowieso nicht. Stattdessen soll der wegen seiner Schuld von Albträumen Geplagte schnellstens die Stadt verlassen. Als dieser sich aber nicht einschüchtern lässt und sogar noch durchblicken lässt, dass er gewisse belastende Dokumente versteckt habe, ist Schluss mit lustig.
In einem Bretterverhau bei einer kleinen Villa mitten in der Wüste (der Schauplatz ist nicht nur budgettechnisch gut gewählt, sondern unterstreicht auch hervorragend den aufkommenden nihilistischen Unterton des Films) wird Sean festgehalten. Da dieser sich nach eigener Aussage nicht vor dem Tod fürchtet, haben die (mittlerweile drei) Handlanger Rays eine besondere Freundlichkeit in peto: Sie wollen ihm mit einem 4er Eisen Tag für Tag wortwörtlich das Gehirn aus dem Schädel prügeln, damit am Ende von seinem Verstand nicht mehr übrig ist als das Fleckchen Wüste, das von nun an für einige Zeit sein Gefängnis sein wird. Mit jedem Schlag gleitet Sean mehr in den Wahnsinn, der sich zum Einen in immer widerwärtigeren Traumsequenzen, zum Anderen in seiner zunehmend apathisch werdenden Geisteshaltung ausdrückt: Dies geht sogar soweit, dass er den täglichen Schlag fast herbeisehnt. Als er jedoch (aus verständlichen Gründen) krank wird und Ray zur Unterstützung herbeigerufen wird, ändert sich alles...
Der Rhythmus, mit dem der Film bis zu diesem Zeitpunkt auf den Zuschauer einschlägt, ist in seiner minimalistischen Gleichmäßigkeit äußerst brutal und stellt die Hilflosigkeit des Opfers vor der Umwelt erschreckend gut dar. Der Nihilismus, der sich in der völligen Zerstörung des Ichs abzeichnet und "King of the Ants" deutlich von sonst vergleichbaren Filmen abhebt, wird im Folgenden noch einmal aufgehoben, als Sean nämlich auf die Frau des von ihm Ermordeten trifft und mit ihr zusammenkommt. Was sie dann sinngemäß sagt, nämlich dass das Alleinsein den Menschen vergessen mache, wie das wirkliche Leben sei, darf als Essenz des Films gelten, die daraufhin in aller Klarheit verdeutlicht wird: Das Finale in der Wüste, wo schließlich alles zu Asche vergeht und auch Sean nur noch eine ausgebrannte Hülle, der König der immer wuselnden Ameisen ist, verkehrt sich der Triumph in Leere.
Ein exzellenter Streifen, den Stuart Gordon uns hier präsentiert und der sich so deutlich von seinen sonstigen Werken abhebt, die zwar von ähnlicher Güte sind, aber auf Grund ihrer Thematik die Tiefe vermissen lassen, die sich hier auftut. Mehr davon!