Miles Morales spinnt nach seinem letzten großen Abenteuer sein Leben weiter, wobei er seine Mitstreiterin Gwen Stacy irgendwie nicht aus dem Kopf bekommt. Für Ablenkung sorgt dann aber so ein komischer Typ mit schwarzen Flecken, die wie kleine Portale funktionieren und der Gedanke dieses sich „Spot“ nennenden Typs nach Rache. Denn er macht Spider-Man für sein Schicksal verantwortlich, wobei dieser wiederum davon fasziniert ist, dass es eine ganze Organisation voller durch die Dimensionen springender Spideys geben soll.
In diesen knapp 140 Minuten bekommt es diese Fortsetzung des Animationsfilms von 2018 von allen Seiten. Schon die ersten Sekunden zeigen, worauf man sich einstellen darf. Denn das Aushängeschild dürfte die Präsentation sein – und diese ist durchaus zwiespältig. So sind die hier verwendeten Stilistiken vielfältig und an sich ein spannender Mix aus Form, Farbe und Animation. Zumindest dann, wenn all dies Zeit bekommt, auch mal zu wirken. Das ist nicht immer der Fall, mitunter steht man hier unter hyperaktivem Dauerfeuer, was das Zusehen auch mal anstrengend macht. Im weiteren Verlauf findet das Ganze zwar eine gewisse Balance, stressfrei geht das hier dennoch nicht über die Bühne.
Die Geschichte selbst spinnt den Vorgänger gut weiter, baut auf ihm auf und verweist immer wieder mal auf ihn. Hinzu wird hier der Multiversums-Aspekt stärker betont und bietet ein paar ansprechende Ideen. So gibt es beispielsweise variierende Farbspielereien in Gwens Welt, das Thema wird kreativer genutzt als es das MCU bislang hinbekommen hat. Manches wirkt dann aber auch einfach einfach. Lego. Indien. Wie transdimensional.
Dazu gibt es wie jedes Mal das übliche coming-of-age-Drumherum und die Eltern-Teenager-Momente. Ohne diese kommt man nicht aus und ja, es gehört irgendwie zu Spidey dazu, aber es wirkt einfach nicht mehr so, wenn man es nun schon in zig Variationen gesehen hat.
Interessanteres bekommt man in Gestalt des Antagonisten „Spot“. Leider vergisst das Skript diesen auf einmal für eine recht lange Zeit zugunsten einer Bedrohung aus dem Inneren, die nicht halb so spannend ist wie der Typ mit den schwarzen Flecken. Dieser bietet nicht nur visuell und mechanisch einiges an Potential, seine ganze Art ist eine angenehme Abwechslung zum Schurken-Einheitsbrei. Schade, dass man ihn so lange aus dem Spiel nimmt. Dafür bekommt man wieder einiges an Interaktion zwischen Miles, Gwen und den anderen Kontakten, was immer wieder gut konstruierte Einschübe bietet.
Allerdings muss man damit leben, dass „Across the Spider-Verse“ ziemlich geschwätzig ist. Nun ist die Spinne nun einmal ein Plappermaul, aber hier potenziert sich das eben aufgrund der Masse an spinnerten Gesellen. Da feuert manche Sequenz Sprüche und Spielereien im Sekundentakt und manches davon bleibt kleben, anderes geht unter oder verpufft in der Masse und Rasanz. Witzig ist es allemal, dass es hier eine Erklärung für die immer gleichen Plotpunkte gibt, die eintreten müssen. Selbstreflexion des Comic-Genres mit ins Auge gefasstem Ausbruch? Wohl kaum, trotzdem ein Schmunzeln wert. Und Miles darf sich figurativ anhören, dass er Peter Parker gekillt hat. Also aus Publikumssicht, weil das hier so erfolgreich ist. Across the Metaverse.
Zum Ende hin zerfasert die Erzählung dann doch noch, macht zu viele Fässer auf und lässt sie liegen – für die Fortsetzung. So ist das Ende unbefriedigender als es sein sollte und lässt erinnern, dass die letzten zwei Stunden erzählerisch zwar mit einigen guten Ideen daherkamen, die sich aber oft dem Stil und dem Fanservice unterordnen durften. Es bleiben somit die Bilder, die mal toll wirken und mal nur um einen herumballern.
Unterm Strich alles ganz nett und unterhaltsam. Aber eben auch überladen, geschwätzig und schlusslich zu bemüht um einen (vorerst) ins Leere laufenden Aufbau. Die ganze Kirmes ist auch einen Tacken zu lang geraten, aber wo sollen die ganzen Eastereggs denn sonst auch hin? Es bleibt interessant, wohin das in „Beyond the Spider-Verse“ führen mag. An insbesondere visueller Kreativität wird es sicherlich nicht mangeln.