Ein Hindernis, sich auf den Film „Body Snatch“ des Regisseurs Francois Hanss einzulassen, ist sicherlich erst einmal der ärgerliche „internationale“ Titel, der nicht gerade feinfühlige oder stimmungsvolle Kost erwarten lässt – dann doch lieber den Originaltitel „Corps a Corps“ heranziehen, der auch ohne Übersetzung besser und weniger abgedroschen klingt. Da ich vom Fantasy Filmfest 2003 noch recht positive Kritiken im Ohr hatte und viele gute Gruselfilme in letzter Zeit aus Frankreich auf den Markt gekommen waren, entschied ich mich nach der deutschen Veröffentlichung, dem Film auf DVD mal eine Chance zu geben…
Es geht um Laura (Emmanuelle Seigner), die ihren Job als Stripperin und Prostituierte aufgeben will, um mit dem Landschaftsarchitekten Marco (Phillipe Torreton) ein neues Leben zu beginnen. Zwar kennt sie ihn kaum, doch sie sieht sein Angebot, mit ihm in seinem Haus auf dem Lande zu leben, als vielleicht letzte Chance, den Ausstieg aus ihrem Milieu zu schaffen – außerdem scheint er sie wahrlich und aus tiefstem Herzen zu lieben. Am Vorabend ihres Aufbruchs hat Laura jedoch einen schlimmen Autounfall, den sie zwar schwer verletzt überlebt, aber für einige Monate in ein Koma fällt…
Als sie wieder zu sich kommt, ist Marco immer an ihrer Seite. Ihn stören ihre Verbrennungen, Operationsnarben sowie die Tatsache, dass sie die Fähigkeit zu sprechen verloren hat, nicht – seine Gefühle haben sich in keiner Weise verändert, und bald vollenden sie ihren Plan und ziehen in sein Haus abseits der Stadt. Anfangs will Laura ihm ihre Naben nicht zeigen, weshalb er sich beim Sex immer die Augen verbinden muss, doch durch seine romantische und liebevolle Art gewinnt Marco schließlich vollends ihr Vertrauen, worauf beide ein gemeinsames Wunschkind (ein Junge) zeugen und glücklich das Leben genießen.
Alles wirkt wie die Erfüllung eines Traumes, bis ihr Sohn merkwürdiges Verhalten an den Tag legt – er scheint sich mehr als ein Mädchen zu fühlen (wünscht sich seinen Penis weg, geht nur im Sitzen auf die Toilette, weil „es Mädchen doch so tun“ etc), weshalb Laura mit ihm einen Kinderpsychologen aufsucht, der zufällig Marco als einen angeblichen Kollegen auf einem Foto wieder erkennt. Darauf angesprochen, verneint der das vehement und reagiert aggressiv, doch Laura stellt weitere Nachforschungen an – Marco war tatsächlich mal ein angesehener Arzt, der seine Familie (Frau und Tochter) bei einem Autounfall verlor (beide liegen seitdem im Koma).
Damit konfrontiert, sperrt Marco sie zuhause ein und unterbindet jeden Kontakt zur Außenwelt, doch ihr gelingt die Flucht, worauf sie zur Polizei geht – dort aber gibt es nicht einmal Unterlagen über ihren Unfall, und es stellt sich heraus, dass sie nie in einem Krakenhaus behandelt wurde. Als dann noch ans Licht kommt, dass Marcos erste Frau und Tochter schon vor Monaten aus dem Krankenhaus verschwunden sind, sowie dass er in Wahrheit erfolgreicher Transplantationsarzt ist, der sich nach dem Unfall zurückgezogen hatte, kommt Laura ein schrecklicher Verdacht, der mit ihr, ihrem Sohn und einem geheimen Kellerraum unterm Gartenhäuschen zutun hat…
Eigentlich haben wir es hier mir der recht bekannten Geschichte eines fast zu perfekten Ehemannes zutun, dessen (liebevoll-romantische) Fassade mit der Zeit langsam Risse bekommt und schließlich in Aggressionen mündet, sobald die Frau anders als gewünscht handelt und gar irgendwelche Nachforschungen anstellt (siehe „Sleeping with the Enemy“ etc). Da der Mann in diesem Fall jedoch ein Transplantationschirurg ist, der auch ein physische „Verbindung“ zwischen seiner „alten“ und „neuen“ Familie schaffen will, kommen einige Gruselelemente ins Spiel, die aber zum Glück bestenfalls nur angedeutet werden.
Der Film bemüht sich um das Aufzeigen einer menschlichen Seite Marcos, der alles nur aus Trauer und Liebe macht – das Klischee des „Mad Scientist“ kommt erst gegen Ende etwas hervor, wenn Marco aus Verzweiflung mit der Axt den Familien-Pkw zerstört und mit der Todesspritze in der Hand hinter Laura und ihrem Sohn herjagt…
Das Hauptproblem von „Corps a Corps“ liegt darin, dass Regisseur Hanss trotz Bemühen um Seriosität und Tiefgang der Geschichte keine neuen Impulse verleihen kann. Die sachliche Herangehensweise mag die Geschehnisse zwar etwas glaubwürdiger erscheinen lassen, doch sonderlich aufregend oder spannend ist das nicht unbedingt (wenn auch teilweise recht hübsch anzusehen).
Etwas verwundert war ich über die Tatsache, dass sich Emmanuelle Seigner („the 9th Gate“ / „Nirvana“) in diesem Film derart freizügig zeigt – sei es beim Sex, Strippen, Duschen und so weiter. Natürlich habe ich prinzipiell nichts dagegen, doch gerade weil der Film so seriös wirken will, waren viele dieser Szenen einfach überflüssig (wie als Laura auf der Polizeiwache ihren nackten Oberkörper entblößt, nur um die anwesenden Beamten von ihrem Unfall (anhand der Narben) zu überzeugen).
Insgesamt wurde die Geschichte gut besetzt und solide umgesetzt, aber etwa nur auf besserem Fernsehfilm-Niveau, wozu auch die (eigentlich überflüssige und daher etwas nervige) Erzählstimme aus dem Off passt, die am Anfang und Ende Gedanken, Gefühle und Einblicke ins Seelenleben der Protagonisten offenbart – das passt eher in einen „großen Fernsehroman“ (ganz so schlecht ist er jedoch nicht!) als in ein „höheres“ Psychodrama.
Fazit: „Body Snatch – Corps a Corps“ ist ein solides, aber recht spannungs- und ideenloses Psychodrama mit Thriller- und Grusel-Elementen auf gutem TV-Film-Niveau – für Leute zu empfehlen, die sich entweder sehr leicht gruseln lassen oder Emmanuelle Seigner gern ausgiebig nackt sehen wollen … 3 von 10.