Holla, Herr Horror, es geht doch!
Nachdem die Teenslasherwelle ausgelaufen war, bevölkert ja zunehmend wieder Direct-to-DVD-Schrott unsere Mediatheken, abgesehen von sauberer Handwerksware aus Spanien oder dem fernen Osten.
Schön zu sehen, dass es auch anders geht.
„Dead End“ ist einer von diesen kleinen, bösen Filmen, wo man nicht sofort nach irgendwelchen Klassikern schreien muss, die sichtlich als Einfluss haben herhalten müssen. Mit nur 75 Minuten Lauflänge auf das Nötigste komprimiert, bietet dieser französische Geheimtipp neben reichlich unheimlichen Grusel nur wenige wirklich grobe, aber dafür umso effektivere Effekte, eine Bomben-Atmo, hervorragend motivierte Darsteller und reichlich Drive.
Natürlich ahnt man nach dem Anfang mit dem Beinaheunfall und dem Endlosschicksal auf einer Landstraße durch einen unendlich scheinenden Wald relativ schnell, wo die Reise hingeht. Rätselhaft natürlich, warum alle Beteiligten dieses Weihnachts-Familien-Reiseausflugs nie hinterfragen, wie oder wieso sie in diese unnatürliche Lage geraten sind. Aber das Skript beharrt auf der schier ausweglosen, unheimlichen Situation einer endlosen Nacht und einer jungen Dame in Weiß, die offenbar ihr totes Kind rächt, indem sie nach und nach die ganze Familie weghäckselt.
„Dead End“ ist gespickt mit gruseligen Eindrücken: die immer wieder aufblitzende Frau, der bizarr-jenseitige Wald, das plötzlich auftauchende schwarze Auto (aka Leichenwagen), der die Delinquenten dann immer abtransportiert, ehe ihre verstümmelten Leichen gefunden werden, das simple Bild eines quer auf der Fahrbahn stehenden Kinderwagens.
So viel Frische hätte man den produzierenden Franzosen gar nicht zugetraut, die dazu noch ein Auge für besonders absurden Humor haben, wenn sich die vom Schock gebeutelte Mutter plötzlich wie eine Achtjährige aufführt, bis sie in diesem Zustand eine Schrotflinte in die Hände bekommt...
Auch der kiffende Sohn ist so fein überzeichnet, dass gerade realistisch wirkt, Ray Wise als Familiendaddy gelingt ein Bravourritt durch alle Emotionslagen. Aber bei aller Unterhaltung (das am Handy hängende Ohr dürfte für Lachsalven sorgen) wird das Geschehen nie albern, sondern kehrt immer wieder zur Grimmigkeit zurück.
Minuspunkte bringt nur die etwas banale Auflösung, die so gar keine Überraschungen mehr zu bieten hat, da sich alles so auflöst, wie es aufmerksame Zuschauer sich sowieso schon zurechtgelegt haben. Da rückt der Film in die Nähe einer verlängerten Twilight-Zone-Episode, was aber den Gesamteindruck nicht mehr schmälert.
Ein durch und durch feines Teil: 8,5/10.