iHaveCNit: Die Unschärferelation der Liebe (2023) – Lars Kraume – Warner
Deutscher Kinostart: 29.06.2023
gesehen am 30.06.2023
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema – Lumiere – Reihe 5, Platz 12 – 20:00 Uhr
Dieses Jahr gibt es sicherlich keinen, anderen deutschen Regisseur, der gleich mit 2 absolut unterschiedlichen Filmen in den Kinos kommt wie Lars Kraume. Ende März war er mit dem historischen Drama über die Aufarbeitung deutscher Kolonialverbrechen „Der vermessene Mensch“ in den Kinos vertreten und nun 3 Monate später hat er mit „Die Unschärferelation der Liebe“ eine Verfilmung des Theaterstücks „Heisenberg“ auf die Leinwand gebracht, das quasi eine Liebesgeschichte zu bieten hat – und eigentlich darüber hinaus noch weitaus mehr.
Die Bushaltestelle Hallescher Platz in Berlin. Ein älterer Mann steigt aus dem Bus, nur wenige Augenblicke kommt es zu einem unerwarteten, schockierenden Kuss in den Nacken von einer Frau, die zufällig neben ihm steht und ihm nun trotz seiner etwas ablehnenden Haltung nicht mehr von der Seite weicht. Eigentlich denkt sich der einsame, introvertierte, geordnet lebende Alexander nach dieser Zufallsbegegnung, dass es nur eine einmalige Zufallsbegegnung bleibt. Bis die sehr engagierte, laute, unberechenbare und einnehmende Greta in der Metzgerei von Alexander auftaucht.
„Die Unschärferelation der Liebe“ ist natürlich mit seinen doch recht limitierten Schauplätzen und dem Fokus auf 2 Personen neben der natürlich offensichtlichen Verfilmung eines Theaterstücks auch so etwas wie ein Kammerspiel, dass auch durch seine Außenaufnahmen von Berlin und auch im späteren Verlauf einer amerikanischen Großstadt schon sehr groß wirkt in seiner doch recht kompakten und kleinen Form. Das ist natürlich nicht nur der einzige Widerspruch und Gegensatz, den der Film liefert und auch in seinem Verlauf teilweise unbestimmbar bleibt, so ähnlich wie es bei der Heisenbergschen Theorie der Unschärferelation der Fall ist. Genauso gegensätzlich sind dann auch die Charaktere von Alexander und Greta, die vom Leinwandpaar Burghart Klaussner und Caroline Peters mit routiniertem Leben gefüllt werden, weil Beide bereits ihre Rollen auf der Bühne gespielt haben. Gegensätze ziehen sich an – selten hat das auf der Leinwand besser gepasst als bei den Beiden. Beide entwickeln eine unfassbar unterhaltsame Dynamik und Sogwirkung, der man sich schwer entziehen kann. Die Dialoge sind spritzig, schlagfertig und geben sehr viel über beide Charaktere her, ihr bisheriges Leben, ihre Gefühle, das was diese Zufallsbegegnung mit ihnen gemacht hat bis hin zu sehr tiefsinnigen, philosophischen Themen ist alles enthalten und das gibt dem doch sehr kompakten, kurzen Film von knapp 90 Minuten die Luft zum Atmen. Mir hat er sehr gut gefallen.
„Die Unschärferelation der Liebe“ - My First Look – 8/10 Punkte.