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„Diese Mischung aus duzen und Herr Lehmann ist echt scheiße, Leute!“
Frank Lehmann lebt in Westberlin kurz vor der Wende, wird bald 30 und alle nennen ihn nur Herr Lehmann. Zwischen seinem Job hinter der Theke einer Bar, bierseligen Nächten und seinem Kumpel Karl – einem verkannten Künstler, der bald eine Ausstellung bekommt - gibt es nicht viel. Bis eines Tages eine widerspenstige Köchin in sein Leben tritt…

„Herr Lehmann“ ist die wohl versponnendste und absurdeste deutsche Komödie seit langem. Der Film von Leander Haußmann („Sonnenallee“) hat sowohl absurde Wortgefechte über den (buchstäblichen) Lebensinhalt als auch skurrile Typen zu bieten. Anders als bei „Goodbye, Lenin“ ist die Wende hier nicht das Hauptthema, sondern geschieht nur nebenbei. Das hat auch mit dem hohen Bierkonsum (Beck`s zahlte angeblich kein Geld für das allzu offensichtlich betriebene Product-Placement) der Akteure zu tun, die ohnehin nicht viel mitbekommen. Herrlich schräg ist auch der „Dialog“ zwischen Lehmann und einem Hund über Alkoholkonsum gleich am Anfang des Films sowie Mutmaßungen über „Kristall-Rainer“, der so aussieht wie „Schneider-Jürgen“.

Detlev Buck als übernächtigter Künstler überzeugt wie immer in seinen Rollen, aber auch Christian Ulmen in der Hauptrolle – bekannt aus seiner MTV-Lästershow „Unter Ulmen“ – offenbart nicht geglaubtes schauspielerisches Talent.
Während „Goodbye, Lenin“ der Wende fröhnte, steht bei „Herr Lehmann“ die Trinkkultur im Mittelpunkt, was eine wohltuend originelle Abwechslung zu üblichen Ostalgie- und Wiedervereinigungs-Komödien mit sich bringt.

Aufgrund der äußerst charmant-kauzigen Gestalten und des unverbrauchten Humors vergebe ich „Herr Lehmann“ für die Originalität 9 von 10 Punkten.

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