Als sie in einer regnerischen Nacht um ein paar Dosen Bier am Kiosk ansteht, erinnert eine schmalzige Radiowerbung für den bevorstehenden Muttertag die alleinstehende Nina (Agnieszka Grochowska) kurz daran, daß sie ja eigentlich auch eine kleine Familie hätte - doch der gerade 17 Jahre alt gewordene Max (Adrian Delikta) ist bei Pflegeeltern aufgewachsen und Nina offiziell sowieso bei einem Einsatz getötet worden. Lange kann sie diesen Gedanken allerdings nicht nachhängen, denn als sie zugunsten eines Mädchens bei einer Gruppe junger Leute interveniert, bekommt es die toughe ex-Geheimagentin mit einem halben Dutzend rechtsradikaler Burschen zu tun, die sie jedoch im Handumdrehen auf die Bretter befördert.
Nichts Besonderes also für Nina, doch kurze Zeit später erfährt sie, daß ihr Sohn gerade entführt worden ist. Die Kidnapper wollen übrigens speziell sie als zurückgezogene Agentin wieder auf die Spielfläche locken, wie ein befreundeter Ex-Kollege über seine Kanäle bei der Polizei erfährt und ihr mitteilt. Und so muß die drahtige Mittvierzigerin noch einmal alle Register ihrer miltärischen Ausbildung ziehen, um ihren Sohn aus der Gewalt der Gangster zu befreien. Ein blutiger Trip durch die Unterwelt der polnischen Großstadt beginnt...
Der griffige Titel der polnischen Netflix-Produktion Muttertag ist eher sarkastisch gemeint, denn in Regisseur Mateusz Rakowicz´ Actioner ist so gar nichts familienfreundlich oder beschaulich, stattdessen schickt er seine Hauptdarstellerin vorwiegend nachts durch teilweise grell ausgeleuchtete schmutzige Settings, in denen sie Hackfleisch aus bösen Buben macht.
Der Plot um die rächende Mama, die ihren Nachwuchs schützen/befreien muss (erstaunlicherweise derselbe wie in dem ebenfalls kürzlich von Netflix publizierten The Mother mit Jennifer Lopez) dient dabei als Leitmotiv und roter Faden, um eine neue weibliche Heldin loszuschicken. Die unterkühlt wirkende Agnieszka Grochowska tritt dabei jedoch eher als Anti-Heldin auf, zumal die Regie ihr drei stark überzeichnete Bösewichter gegenüberstellt und ihr polizeilicher Helfer Igor (Dariusz Chojnacki) als ehemaliger Regiments-Faulpelz, der sich andauernd die Nase putzen muß, ebenfalls wie eine Karikatur daherkommt.
Darüber hinaus zeichnet Dzien Matki auch ein Faible für technische Spielereien aus, was sich schon in der Anfangsszene ankündigt, als Nina die testosterongetriebenen Burschen mit Hilfe von Bierdosen ausschaltet, was teilweise in Slow Motion geschieht. Der öfters herauszuhörende spöttische Unterton bei der Charakterisierung der einzelnen Mitspieler (so ist der Boss der agil auftretenden Gangster ein stiller Russe, der mit sich selbst Schach spielt, während die "böse Hexe" eine offiziell auftretende Politikerin ist, die im Hintergrund die Fäden zieht) verleihen dem Streifen eine unwirkliche Atmosphäre, die es dem Zuseher allerdings ermöglicht, eine Distanz zu dem teilweise grotesken und blutigen Treiben zu bewahren.
Fazit: Der polnische Muttertag variiert ein bekanntes Thema um eine weitere Facette, bietet dabei jedoch trotz einiger skurriler Figuren und eines speziellen Humors nichts wirklich Innovatives, was man im Gedächtnis behalten könnte. 6 Punkte.