Review

Deutsche Pubertätskomödie dritter Teil, ursprünglich Anfang der Nullerjahre durch amerikanische Werke um American Pie (1999) und Co. ausgelöst, als Trittbrettfahrer mit nationalen Einschlag gehalten und durchaus erfolgreich im Sinne der Sichtbarkeit an einheimischen Kinos und Gängigkeit; hier nun für ein verjüngtes Publikum aufbereitet und damit für neue Zuschauer, für die Nachgewachsenen und weniger die Älteren und jetzt selber Die Ältern (2026) gewordenen. Entsprechend neu die Besetzung und die Zielrichtung, eine Wiederholung schlecht möglich aufgrund anderer Sehgewohnheiten und selbst und/oder von der Gesellschaft gesetzter Grenzen, zumindest ist die Ausgangsidee von dem plötzlich sprechenden Penis und seinem nicht nur dadurch verunsicherten Träger, die Talk to Me, Dicky (1992) - Prämisse, das Ich und Er (1988) - Konstrukt gleich und wird hier zusätzlich variiert, das feminine Gegenstück dazu auch gezeigt:

Charly [ Tobias Schäfer ] und Paula [ Cosima Henman ] kennen sich seit der Kindheit und sind seitdem auch beste Freunde, die alles miteinander teilen und sich vor allem auch gegenseitig unterstützen; gerade Charly ist in der Abiturklasse um Direktorin Voigt [ Jasmin Shakeri ] weitgehend alleine, spätestens nach einem frühen Vorfall im Schwimmbad, als ihm vor aller Augen die Badehose heruntergezogen wurde. Eines Morgens sollen noch weitere Probleme auf ihn zukommen, fängt nach einem Blitzschlag sein Glied [ Stimme: Tom Beck ] doch plötzlich an mit ihm zu reden und auf das erste Mal zu drängen, gerade die Klassenkameradinnen Marlene [ Samirah Breuer ], die eigentlich mit dem Star der Schule Constantin [ Louis Jérôme Wagenbrenner ] zusammen ist, gefällt dem Störenfried zwischen den Beinen, also auch die Austauschschülerin Francoise [ Vivien König ]. Charlys Vater [ Axel Stein ] ist aufgrund einer Ehekrise nur wenig Hilfe in dem anstehenden Trubel, und auch Paula scheint plötzlich in mehrerer Hinsicht eine Andere zu sein.

Eine sexuelle Offensive in den ersten Bildern, Jungs und Mädels vereint im Freizeitvergnügen, im Badespaß, im Schwimmunterricht, ein Nicken unter Jugendlichen mit der Erinnerung unter Kindern, ein böser Streich und ebenso das Trauma davon. Der Lehrer schreitet nicht ein, nicht richtig zumindest, der Erwachsene hier keine Unterstützung, der schadenfrohen Masse zugehörig, ein Außenseitertum des Protagonisten, welcher hier eine andere Funktion und Position einnimmt als in Harte Jungs (2000) oder Knallharte Jungs (2002), dort offensiv und zielstrebig und mit im Mittelpunkt, hier eher an der Seite und das als Verlierer. Von Bikiniaufnahmen weg in die Umkleidekabine, es werden die üblichen Männergespräche hier schon im jüngeren Alter geführt, dafür immerhin ein gleichgeschlechtlicher Kuss, eine erste Offenbarung, die Neuzeit ruft. "Alter ist doch nur eine Zahl" heißt es hier, man hat eine Freundin, man hat einen sozialen Kontakte, es stehen Veränderungen bevor und eine Geschichte, die bereits angefangen hat, das Abitur kommt bald und eine Chorprobe, die Probleme demnach zusätzlich zu den schon existierenden, die Handlung läuft.

Das Areal ist nicht unwichtig, das Elternhaus im lieblichen Vorort gelegen und weiß getüncht, die Erzeuger und Erzieher mit eigenen Diskussion, auch wenn oder weil die sich um andere Dinge und dies meist banaler Natur drehen. Um den Joghurt im Kühlschrank zum Beispiel und anderes Wichtiges, auch die Hauptfigur sucht ihren Platz im Leben noch und zukünftig, ebenso ist der Kenner der alten Filme und ihrer 'Nebenbuhler' wahrscheinlich vorübergehend irritiert, spielen hier doch neben Stein auch die Titelrolle aus Mädchen Mädchen! (2001) und beide als "Mama" und "Papa" von fast zwanzigjährigen Sprösslingen mit. Die Zeit geht voran und vorbei, außerhalb des an die Teenies gerichteten Filmes und vom Film und im Film, die Erzählung teilt sich entzwei, beide Jugendfreunde in und unter der Beobachtung, das Mädchen wie der Junge, mal zusammen und mal getrennt. Um 'Spätzünder' geht es hier, um Jungfrauen, eine recht stolz noch drauf und der andere nicht, es geht um unverlangt gesendete "Schwanzbilder" und Internetschikane und Mobbing generell, eine erst relativ solide Herangehensweise an die Jugend und dann ein Fantasyaspekt und letztlich die Penisgags. Um Masturbieren in der offenen Badtoilette geht es hier, um Selbst- und Zwiegespräche, um "kleine Tittenmäuse" und Weglaufaktionen, um verbalen Ulk vor allem auch und Stress und Hektik, um Stürze mit dem Fahrrad, um die beste Freundin und die einzige obendrein, ein leidiges Problem, das Dilemma romantischer Komödien, der Heilige Gral, der Glorreiche Schrein.

Ein Schulgeschehen findet zumeist statt auch, die Penne-und-Paukerfilme um Die Lümmel von der ersten Bank (1967), hier mit einem anderen Lümmel im Visier und einem anderen Quälgeist, es wird das "Ficken" viel ausgesprochen und dann auch auf der Schultoilette onaniert. Die Pointen durchaus gross, natürlich in der Andeutung nur, dazu schnelle Sprünge in der Zeit, schnelle Ortswechsel auch, rapide Übergänge, dazu mehrere unscheinbare Beteiligte, die personelle Begleitung einer wie der andere und nebensächlich, keine aktive Inszenierung dessen. Auf Sketche wird sich orientiert, auf Peinlichkeiten, auf willkommene oder hier eher unwillkommene Erektionen, die dem "Charly Schwanzlos" zwar den unrühmlichen Spitznamen, den Mitschülern und Mitschülerinnen aber nicht die Schadenfreude, die Gehässigkeit und das große Lachen austreiben. Gespielt ist das von den Darstellern durchaus gut und locker vor allem auch und überzeugend auch in der Emotionalität, die Stimme vom Penis einmal ausgenommen, die unangenehm lautstark wirkt und obszön tatsächlich, als Beigabe unnötig aggressiv auch und eher abtörnend in der Wirkweise, auch eine Kunst für sich; im Englischen ist die übrigens ebenso, Abhilfe gibt es in der Veränderung der Wiedergabe nicht.

Eine "1-A-Übungsmuschi" wird also gesucht, außerdem eine Krise der Eltern angedeutet, eine internetaffine Ära hier, die Mutter ist auf Tinder, der Vater wirkt (aufgrund des wenig ausgeprägten tatsächlichen Alters der Schauspieler) eher wie der große Bruder, ansonsten werden Soziale Medien hier en masse und dessen Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit en gros eingespeist, was dem Generation TikTok - Film leider ebenso eine Flüchtigkeit beigibt, eine Kurzlebigkeit, wie ein schlechter Urlaubsflirt, wie eine grelle Albernheit, die Witze erst auf Beckenhöhe und dann deutlich darunter liegend gehalten, "No Shaming". Das jeweilige Vorgehen und Erfahrungen sammeln und das möglicherweise Annähern der beiden Hauptfiguren funktioniert dann irgendwie dennoch, ein seltener Glücksfall, der vor allem den (nicht mehr ganz so) jungen Schauspielern (gerade auch den beiden männlichen, und dem Extra von Stein) zugute kommt, dort einer zuweilen angenehmen Natürlichkeit geboten, ein Verdienst von Drehbuch und Regie ist es eher nicht, oft zu plump gehalten das Ganze und zu direkt, zu derb und drüber, zu gewollt und nicht gekonnt, zu sehr auf die ganz billige Schiene gehend und dem leidigen Thema nur Steigerung abgewinnend und keine Modalitäten. So wird zwischen Sexshop und Wachsstudio gependelt, das jeweilige Geschlechtsteil bloßgestellt und malträtiert, gerne komplett gegen vorherige Prinzipien gehandelt und die Witze wiederholt und dies mit falschem Timing auch, dazu figürliche Karikaturen, die Austauschschülerin u.a., die Mutter des Jungen, die Zickenclique auch, die zunehmend ungelenken Dialoge, das späte Drama samt Moralpredigt, selbst vorübergehende Optionen der Verbesserung nicht erkannt oder zu selten, die Anekdote mit dem "Hosenwurm" und der unfreiwillig frühzeitigen Ejakulation zum Beispiel.







Details
Ähnliche Filme