Review

iHaveCNit: Perfect Days (2023) – Wim Wenders – DCM

Deutscher Kinostart: 21.12.2023

gesehen am 13.12.2023 in der Spotlight-Sneak OmU

Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie - Parkett – Reihe 4, Platz 9 – 21:00 Uhr

gesehen am 22.12.2023

Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema – Lumiere – Reihe 5, Platz 12 – 20:15 Uhr

Öffentliche Toiletten können durchaus von interessanten Designs geprägt sein, wenn sie jetzt nicht unbedingt mit dem verranzten und teils klinisch stets optisch ähnlichen Designs von Sanifair und Serways auf Bahnhöfen und Raststätten rüberkommen. Während meines Urlaubs in diesem Jahr auf der Hochseeinsel Helgoland waren zum Beispiel die öffentlichen Toiletten auf Insel und Nebeninsel von einem Detail geprägt – einer gefliesten Bordüre in den Farben der Flagge Helgolands Grün, Rot und Weiß. Dennoch gibt es eine Personengruppe, der zu wenig Beachtung geschenkt wird und das sind die Personen, die sich der Pflege und der Reinigung dieser Toiletten widmen. Der deutsche Regisseur hatte eigentlich eine Filmprojekt über kurze Dokumentationen über ein paar öffentliche Toiletten in Shibuya, Tokio, Japan geplant, aber sich dann aufgrund der gegebenen Zeit und des Budgets entschieden, daraus einen kompletten Spielfilm zu drehen, für den Wim Wenders sogar die seltene Ehre Japans erhielt, als Beitrag für die kommenden Oscars ausgewählt zu werden, womit sich „Perfect Days“ in eine Reihe mit Filmen wie zuletzt „Drive My Car“ und „Plan 75“ gesellen kann. Und „Perfect Days“ ist ein kleines Arthouse-Highlight zum Ende des Jahres.

Hirayama ist ein einfacher, schweigsamer Mann, der geregelt seinem Alltag und auch seines Berufs nachgeht. So ist er im Bezirk Shibuya der japanischen Metropole Tokio unterwegs und reinigt die öffentlichen Toiletten des Bezirks. Aber auch alte Musikkassetten mit Klassikern der 70er und 80er, sowie abgegriffene Literatur als auch Schattenspiele der Bäume sowie das Pflegen von kleinen Setzlingen und ein paar andere Kleinigkeiten üben eine Faszination im ruhigen, meditativen Leben von Hirayama aus. Doch auch er hat eine Vergangenheit und Persönlichkeit, die sich durch viele kleine Momente und Begegnungen in den Tagen, die wir ihn begleiten, offenbaren wird.

„Perfect Days“ ist ein schönes, meditatives, ruhiges Wohlfühldrama geworden, bei dem vor allem der von Koji Yakusho gespielte Hirayama eine großartige Performance liefert und sich die Sympathien spielend leicht erarbeitet. Damit hat er sich auch den Preis beim Cannes Film Festival 2023 zurecht erarbeiten können. Mit fein nuanciertem Witz und Humor aber auch einem feinen, respektvollen Ton für tragische Momente konnte mich „Perfect Days“ unterhalten und berühren – und auch auf komische Art und Weise begeistern, wie kreativ doch das Design von öffentlichen Toiletten sein kann. Nicht zu vergessen die Liebeserklärung an die Stadt, die einfachen Leute und auch die Personen, die sich um die Reinigung und Pflege der Anlagen kümmern. Dahingehend erinnert mich der Film auch an das französische Sozialdrama „Wie im echten Leben“ bzw. „Ouistreham“ mit Juliette Binoche in der Hauptrolle, auch wenn wir hier nur erleben wie sich eine Schriftstellerin im Rahmen von Recherchezwecken als Reinigungskraft anstellen lässt um die harte Arbeit und die Menschen dahinter kennen zu lernen und zu würdigen. Wohldosiert wie die passende Menge an Reinigungsmittel bekommen wir über kleine Details, Momente und auch ganze elementare Handlungsstränge auch viel über den Charakter, das Wesen und auch die Vergangenheit des schweigsamen Hirayamas vermittelt. Das geht auch teilweise zu Herzen, berührt und unterhält, auch wenn die Konflikte hier ein wenig zu sauber wirken.

„Perfect Days“ - My Second Look – 9/10 Punkte. 

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