Spiel, Satz, Krieg!
Luca Guadagnino - der Name steht mittlerweile unter Filmfans für etwas. Für Style und Intimität, für Textur und Intensität, für Sinnlichkeit und Menschlichkeit. Und nun wohl auch etwas für Sport - denn sein „Challengers“ ist teils ein Tennisfilm, wobei der Ballwechselsport aber natürlich viel mehr als Metapher und Aufhänger einer jetzt schon legendären Dreiecksbeziehung herhält, die sich über (mindestens) dreizehn Jahre erstreckt und etliche fiese bis witzige Ballwechsel der Emotionen bereithält…
Aufschlag-a-Trois
„Challengers“ ist ein Monster von Film. Das kann ich nicht anders sagen. Von dem pulsierenden, meisterhaften, einen ganz allein schon durch den elektronischen Fleischwolf drehenden Reznor-Score bis zu drei famosen Schauspielern und Figuren, bei denen die Chemie Funken schlägt. Das ist überragend und in vielen Momenten pure Kinomagie, wo Zeit zugleich still steht als auch in die Unendlichkeit beschleunigt. Legendäres Match! Guadagninos Art Filme zu machen, Stimmung zu erzeugen, Menschlichkeit und Körper, Gefühle und Ängste spürbar zu machen, ist schlicht unmatched. Egal ob Ballwechsel oder Saunagänge, Dreier interruptus oder der Zucker von Churros - man klebt an der Leinwand, mal mit Entsetzen, mal mit Entzückung, mal mit Grinsen, meist mit Staunen. Zendaya hat man nie besser gesehen. Die zwei Jungs sind ebenfalls sensationell. Gestellte Tennisszenen hatten selten mehr Wumms, mehr Impact, mehr Dynamik. Von den Choreografen bis zu den Drei, die vorher angeblich nie Tennis gespielt hätten (!), machen alle super, super Arbeit. Insgesamt ein weiterer Guadagnino-Banger, vom Score über die homoerotischen Töne bis zu den eleganten und kreativen Bildkompositionen. Das ist schon ein gutes Stück des Cinephilen feuchter Traum. Bitter, pervers, verspielt. Aber nicht ohne Humor und Hoffnung. Sicher auch mit gewissem Kultfilmfaktor in manchen Kreisen. Ganz sicher einer der besten Filme des Jahres. Die Verschiebung weg von Barbenheimer war die richtige Entscheidung. Jetzt wird auf dem Center Court gespielt - und das ist verdient!
Ehrgeiz, Eifersucht & Eiersalat
Fazit: der wahrscheinlich beste „Tennisfilm“ aller Zeiten. Und selbstredend viel mehr als ein Sportfilm. Sinnlich, sexy, schwitzig & super stark. Zeitweise wie ein Kreuzung aus „The Social Network“ und „Match Point“ auf Koks. Ein weiteres Ass von Guadagnino!