Da haben Warner Bros. und Mattel einen echten Coup gelandet: Mit der feministischen Indie-Regisseurin Greta Gerwig und der spielfreudigen Starbesetzung Robbie & Gosling war der Vorab-Hype so groß, dass der Film einfach ein Erfolg werden musste. Dass er dann auch noch Teil des „Barbenheimer“-Phänomens wurde, machte ihn nun sogar zum unwahrscheinlichsten Rekord-Blockbuster des Jahres. Immerhin innerhalb eines Kinojahres, das neben Nolan auch noch Indy 5, M:I 7, FAST X und diverse Superhelden zu bieten hatte.
Doch wie es nun mal so ist mit den großen Erfolgsfilmen: Was so vielen gefällt, ist oft viel zu gefällig.
BARBIE versucht, seinen Kuchen zu essen und ihn gleichzeitig zu behalten, wie das schöne amerikanische Sprichwort sagt. Es ist eine feministische Kapitalismuskritik, die aus einem patriarchisch geprägten Kommerzsystem heraus entstanden ist und dieses auch erfolgreich bedient. Sonst wäre der Film wohl auch kaum durchgewunken worden.
Dabei nimmt man den meisten Beteiligten ihre wohlmeinende Absicht durchaus ab – es nützt nur wenig. Selbst die amüsante Selbstironie, wenn beispielsweise Erzählerin Dame Helen Mirren (!) anmerkt, dass Margot Robbie wohl nicht die richtige Besetzung sei, um Selbstzweifel an ihrem Äußeren zu haben, erscheint zu kalkuliert, zu clever und hat so immer einen leichten Beigeschmack. Die Szenen im Mattel-Konzern mit CEO Will Ferrell sind dann so albern, dass dass sie glatt als verharmlosend bezeichnet werden müssen.
Was nicht heißt, dass man sich bei und mit BARBIE nicht amüsieren könnte. Nimmt man die teilweise etwas zu platten Botschaften als typisch amerikanisches Messaging hin und ignoriert hin und wieder den Meta-Kommentator im eigenen Kopf, dann darf man auch über ein paar gelungene Gags ablachen, die traumhaft künstlichen Kulissen bewundern, die Liebe zum (Produkt-)Detail bewundern und bei den schmissigen Musicalnummern mitwippen.
BARBIE hat durchaus das Zeug zu einem Kultfilm à la ROCKY HORROR PICTURE SHOW – für eine Generation, die sich mit den Mechanismen der Unterhaltungsindustrie schon längst abgefunden hat. In diesem Sinne: „Give yourself over to absolute pleasure!“