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Die stereotypische Barbie lebt zusammen mit den anderen Barbies im Barbieland ihr bestes Leben, wird jedoch neuerdings zu ihrem eigenen Entsetzen plötzlich von Todesgedanken, Plattfüßen und Cellulite geplagt. Die weirde Außenseiter-Barbie auf dem Hügel weiß Rat: Ganz offensichtlich macht ihre Besitzerin gerade 'ne existenzielle Krise durch, was so nach und nach auch auf Barbie abfärbt, weswegen sie nun mit Ken im Schlepptau einen Trip in die reale Welt unternehmen muss, um ihr helfend beizustehen. Nach ihrer Ankunft im wahren L.A. erregt sie jedoch schnell die Aufmerksamkeit des CEOs von Mattel, der mit allen Mitteln zu verhindern sucht, dass die Öffentlichkeit davon Wind bekommt, dass gelegentlich mal die Personifizierungen kleiner Spielzeug-Puppen zwischen den Realitäten hin und her wechseln. Ken lernt derweil die Vorzüge einer reinweg von Männern dominierten Gesellschaft kennen und macht sich prompt daran, auch in Barbieland ein Patriarchat einzuführen... Der - mit weitem Abstand - erfolgreichste Film des Jahres 2023 macht es einem nicht immer leicht, gerecht über ihn zu urteilen, denn hier liegen Licht und Schatten mal echt ganz dicht nebeneinander: Als Streifen, der auf einem populären Spielzeug basiert (womit mal wieder bewiesen wäre, dass man wirklich über alles 'nen Film drehen kann) drängen sich hier zunächst Vergleiche zum 2014er "The LEGO Movie" geradezu auf... und das nicht nur, weil Will Ferrelll hier wie dort mitspielt. Der Beginn in Barbieland begeistert dann auch spontan mit seinem irren Production-Design mitsamt farbsatten pinken Plastik-Kulissen sowie der Erkenntnis, dass sowohl Margot Robbie (übrigens auch Produzentin) als auch Ryan Gosling mal wirklich die Ideal-Besetzungen für Ken und Barbie sind. Recht hakelig gerät die Chose allerdings schnell im Anschluss, wenn da der Versuch unternommen wird, doch noch sowas wie eine richtige Geschichte zu erzählen, was hier mal echt nicht besser gelingt als etwa bei - um mal beim Sujet der Spielzeug-Verfilmungen zu bleiben - "Transformers" oder "Battleship". Eventuell vorhandenes, subversiv-satirisches Potenzial lässt man dabei ziemlich nonchalant ungenutzt links liegen, was ziemlich schade ist, denn gerade da hätte doch der Reiz der Angelegenheit gelegen. Dass nicht nur Barbieland eine überzeichnete Fake-Phantasie-Welt ist, sondern auch sämtliche Szenen, die im Mattel-Headquarter spielen, fast schon so wirken, als würden sie aus einem Film von Terry Gilliam stammen ("Brazil" lässt grüßen) und darum beim besten Willen nicht ernst zu nehmen sind, erweist sich dabei aber nicht mal als der schwerwiegendste Fehler. In seinen besten Momenten ist "Barbie" dann auch nur ein leidlich amüsantes Komödchen, in einigen wenigen schlimmen mal kurz ein hart-wokes Manifest der Misandrie und im letzten Akt dann 'ne öde Wischiwaschi-Nichtigkeit ohne klare Kante... schwierig! Einigen der dabei ganz offen getätigten Aussagen kann man sich zwar durchaus guten Gewissens anschließen (beispielsweise dem Zerschlagen der Babypuppen als emanzipatorischer Akt von der aufoktroyierten Mutter-Rolle im an "2001: Odyssee im Weltraum" angelehnten Intro), aber das bedeutet auf der anderen Seite nicht, dass man mit dem hier präsentierten, ziemlich simplistischen Geschlechter-Bild d'accord gehen muss, denn so reinweg vom Feeling her schießt sich der Film, was das anbelangt, öfter mal selbst ins Bein. Clevere Einfälle und plumpe Propaganda halten sich da die Waage, wobei man sich allerdings (ganz im Gegensatz zu der Marketing-Abteilung, die den Trailer zusammengebastelt hat), nicht mal ein klein wenig Mühe gibt, die verbreiteten Messages ein wenig zu verschleiern. Unterm Strich lässt sich das Ganze dann halt thematisch doch wieder auf den immergleichen, alten Geschlechter-Krieg runterbrechen, wie fade. Immerhin: Der eher mal versöhnliche Schluss inklusive dem ziemlich offensichtlichen Lösungs-Ansatz einer Gesellschaft mit der Gleichstellung von Männern und Frauen verpackt das Ganze nochmal zusätzlich in Watte und schwingt nicht völlig rücksichtslos die feministische Kriegskeule, langweilt auf seine unnötig in die Länge gezogene Art aber ganz schön. Ein ziemlich unfokussiertes Drehbuch, dem ein oder zwei weitere Überarbeitungen gut getan hätten, zieht die Angelegenheit da leider unnötig runter. Nun ja. Dass Greta Gerwig, nachdem man ihr damals in "House of the Devil" noch in den Kopf geschossen hat, nun als Regisseurin dem Patriarchat vermeintlich 'ne satte Kelle vors Fressbrett knallen möchte, ist da wohl nur fair, aber vielleicht hätte sie sich dafür doch ein anderes Projekt als so einen aufgeblasenen Spielzeug-Werbespot aussuchen sollen. So beschleicht einen dann permanent das ungute Gefühl, dass die Macher sich und ihren Film wichtiger genommen haben, als es angebracht gewesen wäre... und vermutlich auch tatsächlich der Meinung sind, hier einen validen Kommentar zu irgendwelchen gesellschaftlichen Problemen und Issues (oder das, was sie dafür halten) abgegeben zu haben. Die Zuschauer, die hinter so manches poppebunte Bild blicken und tatsächlich noch für sich selbst denken können - und zwar Männlein wie Weiblein! - dürften das aber vermutlich anders sehen...

5/10

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