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„Das Wunder von Bern“ ist unterhaltsames deutsches Feel-Good-Kino, das gar keinen tieferen Ansprüche zufrieden stellen will.
Essen,1954: Der kleine Matthias Lubanski (Louis Klamroth) ist ein typisches Nachkriegskind. Sein Vater Richard (Peter Lohmeyer) ist in russischer Kriegsgefangenschaft, seine Mutter Christa (Johanna Gastdorf) verdient Geld durch eine Kneipe, in der er mit seiner Schwester Ingrid (Birthe Wolter) und seinem Bruder Bruno (Mirko Lang) ab und zu hilft. Sein Bruder ist Anhänger der KPD und spielt am liebsten mit seiner Band Jazzmusik; er versucht sich vollkommen von der deutschen Vergangenheit loszusagen und gleichzeitig gut als Mann im Haus dazustehen. „Das Wunder von Bern“ wirft einen warmherzigen Blick auf das Deutschland der damaligen Zeit, auch wenn das Ganze teilweise etwas romantisch verklärt ist.
Matthias mag am liebsten Fußball, auch wenn er beim Bolzen auf der Straße oder dem Fußballplatz meist ziemlich schlecht abschneidet und als letzter ins Team gewählt wird. Nebenbei trägt er Fußballspieler Helmut Rahn (Sascha Göpel), genannt ’Der Boss’, von Rot-Weiß Essen die Tasche, hilft ihm bei anderen Kleinigkeiten und ist sein Maskottchen, auch wenn dieser etwas schlunzig ist. Rahn bekommt seine große Chance als er mit der deutschen Nationalmannschaft zu WM in die Schweiz nach Bern fährt. Sascha Göpel präsentiert Rahn als chaotischen und faulen, aber absolut sympathischen Kerl mit Herz.

Matthias würde am liebsten mitkommen, muss aber zu Hause bleiben, während die deutsche Nationalmannschaft spielt und alle daheim mitfiebern. Gleichzeitig wird sein Vater aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und kehrt zur Familie heim. Doch er hat Schwierigkeiten sich einzugewöhnen, streitet sich mit der Familie und zerstört die Idylle...
„Das Wunder von Bern“ ist ziemlich unterhaltsames deutsches Kino, das keinen besonderen Anspruch besitzen will und keine US Vorbilder kopiert, weshalb der Film vielleicht gut gelungen ist. Die Story läuft mit eher ruhigem Tempo ab und bringt es auf ein solides Maß an Spannung. Überraschungen gibt es an sich kaum, was auch daran liegt, das man den Ausgang vieler Dinge aufgrund der Historizität der Geschichte kennt.
Trotz des Themas Fußball wird nur eine größere Spielszene gezeigt und zwar das dramatische Endspiel, was Wortman klasse, wenn auch mit sehr offensichtlicher Hilfe vom Computer inszeniert hat. Humor gibt es auch ein wenig, der meist bei dem schlunzigen Rahn, Trainer Sepp Herberger sowie dem Sportreporter mit seiner Frau zur Geltung kommt und sich vor allem auf den Plot in Bern beschränkt.

Dem gegenüber steht die Handlung in Essen, wo der Film dramatischere Töne anschlägt. Hier ist der Film leider etwas sehr verklärend geraten, denn wirklich groß scheinen die Sorgen der Nachkriegsbevölkerung dann auch wieder nicht zu sein bzw. hinter den Familienproblemen zurückzustehen. Diese sind allerdings warmherzig und recht dramatisch inszeniert worden. Vor allem der Versuch des Vaters alles richtig zu machen, der dabei genau das Gegenteil bewirkt, ist nachvollziehbar. Diese Probleme werden am Ende zwar etwas simpel aufgelöst, aber für märchenhafte Kinomagie reicht es dann doch, weshalb „Das Wunder von Bern“ eher in die Sparte Feel-Good-Kino einzuordnen ist.
Peter Lohmeyer und sein Sohn Louis Klamroth spielen ziemlich gut zusammen und erbringen überzeugende Leistungen, was man an sich von allen Darstellern behaupten kann. Sie verkörpern die verschiedenen Personen, die zu großen Teilen wirklich leben bzw. gelebt haben, wirklich treffend und keiner wirkt fehlbesetzt.

„Das Wunder von Bern“ ist ein unterhaltsamer deutscher Film mit etwas Dramatik wie Humor, ohne sich auf einen dieser beiden Aspekte sehr zu konzentrieren.

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