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Aus dem Hintergrund müsste Hoffnung schießen

Ein größeres Fussballwunder als den WM-Gewinn 1954 hat Deutschland noch nicht erlebt - und wird es als sportliche Macht wohl auch kaum mehr. Sönke Wortmanns "Das Wunder von Bern" erzählt aus dieser Zeit - vom überraschenden Turnierverlauf, verbunden und quergeschnitten mit einer Familiengeschichte aus dem Ruhrpott rund um einen emotional verkümmerten und psychisch angeschlagenen Spätheimkehrer, dessen Sohn keinen mehr anhimmelt als Helmut Rahn...

"Das Wunder von Bern" setzt dem ersten WM-Titel der deutschen Fussballnationalmannschaft ein filmisches Denkmal und verbindet diesen einzigartigen Sportmoment mit dem viel benötigten Aufschwung, der (u.a.) dadurch im kriegsgebeutelten Deutschland entstand. Eine Verbindung, die nicht weit hergeholt ist und die man durchaus ziehen kann. Dieser Aussenseitersieg beim größten Sportevent der Welt liess das ganze Land aufatmen und neue Hoffnung, neues Selbstbewusstsein tanken. Ein erstes Anzeichen, dass man wieder stolz auf (s)ein Land sein durfte. Ein Land, dass in den zwei Jahrzenten zuvor für so viel Trauer, Leid und Schrecken gesorgt hatte und noch immer in einer tiefen Identitätskrise steckte. Sönke Wortmanns Fussballdrama hat also durchaus Sinn und fängt einen Moment ein, der es wert ist, zelebriert und aufgearbeitet zu werden.

Die Fussballsequenzen sind authentisch, ebenso die ganze Atmosphäre des Nachkriegsdeutschland zwischen Wiederaufbauboom und nachhallender Verstörung. Es gibt etliche Gänsehautmomente, nicht nur das entscheidende Rahn-Tor und die Produktion hat auf jeden Fall internationales Format, sieht klasse aus und ist mit versierten Darstellern gespickt. Selbst wenn manches etwas steif und sicher runtergespielt wird. Sowohl das WM-Turnier als auch die Hauptgeschichte werden etwas oberflächlich und glatt darsgestellt, von einigen unnötigen Nebenhandlungssträngen ganz zu schweigen, doch auch ohne subtil zu sein, kann man große Gefühle auslösen. Es müssen ja nicht immer die Fingerspitzen sein. Wenn man schon keinen ganz großen Film auf die Beine stellt, kann man immerhin mitreissen und klotzen. Ein Crowdpleaser, wie er im Buche steht. Ein Kinomegahit mit Ansage, zu einer Zeit erschienen, in der sowohl Fussballdeutschland als auch die deutsche Wirtschaft seit langem mal wieder ziemlich auf dem Hosenboden gelandet waren. Da geht solch eine goldene Momentaufnahme, kompetent und rund inszeniert, natürlich runter wie Öl.

Fazit: deutsche Nachkriegsgeschichte, deutsche Erfolgsgeschichte, deutsche Familiengeschichte, deutsche Sportgeschichte - "Das Wunder von Bern" (mittlerweile sogar "vermusicalt"!) ist sicher etwas klischeebeladen und phasenweise kitschig, trifft bei mir jedoch im Endeffekt viele richtige Töne, sieht klasse aus und fusioniert (wenn auch etwas plump) Sport mit Geschichte zu einem essenziellen Aufschwungaugenblick unseres Landes voller gesundem Nationalstolz. Tut gut. Fussball hat mehr Kraft als man meint. Und vereint. Nicht nur Vater und Sohn.

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