Um eines mal vorwegzunehmen: Der abschließende Text im Abspann über Luthers Leben (nach der Film-Handlung) und seine Einflüsse auf die evangelische Kirche gehört zu den bewegendsten Szenen des Films!
Leider ist dies nicht das einzige Armutszeugnis: Die Wurzel allen Übels liegt bereits in der mehr als fragwürdigen Besetzung begründet; welches schwachsinnige Gehirn ist darauf gekommen, Papst Leo mit Uwe Ochsenknecht zu besetzen? Das wirkt ungefähr genauso glaubwürdig wie Britney Spears als junge Mutter Theresa! Genauso Sir Peter Ustinov. Seine verdienste um den deutschen Film in allen Ehren, seine Rolle als Friedrich der Große wirkt in vorliegendem Machwerk vielmehr als missglückte Persiflage auf mittelalterliche Würdenträger!
Schwächen von vorne bis hinten, aber vor allem sieht man dem Film an, dass dieser Abschnitt der deutschen Geschichte mithilfe von amerikanischen Dollars finanziert und damit hollywood-like aufgemöbelt wurde - ein großer Fehler, wie sich herausstellen sollte!
Trotz beeindruckender Kulissen, aufwendiger Kostüme und dem überaus namhaften Schauspieler-Ensemble kratzt der Film nur an der Oberfläche der historischen Begebenheiten: die niederschmetternden Bauernkriege werden ebenso nur am Rande erwähnt wie die Übersetzung der Bibel ins Deutsche, die mal so eben in ein paar Tagen umgesetzt wurde - zumindest kommt einem dieser Gedanke, wenn einem im Verlauf der Geschichte auffällt, dass Martin Luther vermeintlich von Tag zu Tag jünger aussieht. Seltsam!
Naja, angesichts der Tatsache, dass trotz dieser gravierender Schwächen der Film trotzdem den ein oder anderen emotional überzeugenden Höhepunkt aufweist, können wir „LUTHER“ getrost als oberflächliches Popcorn-Kino empfehlen - Dies war aber angesichts der bedeutenden Thematik sicherlich nicht im Sinne des Erfinders...