Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (25)
SUPER VOLCANO
(SUPER VOLCANO)
Jared Cohn, USA 2022
Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!
Super Volcano ... zumindest als fleißiger Katastrophentrashkonsument könnte man meinen, dass man einen Film dieses Titels bereits irgendwann einmal gesehen hat. Mir war er jedoch, obwohl ich mit dem Subgenre durchaus vertraut bin, noch nicht bekannt – man lernt nie aus. Da es sich bei ihm um eine Arbeit aus David Michael Latts Ramschbude „The Asylum“ handelt, standen die Chancen, hier etwas Nennenswertes hinzuzulernen, freilich sehr schlecht ... aber man soll Filme wie Super Volcano nicht schon verurteilen, bevor die erste CGI-Lava geflossen ist.
Unsere Heldin ist eine Frau im reiferen Alter, die man offenbar aus dem Big-Brother-Container oder dem Dschungelcamp heraus rekrutiert hat – zumindest deuten ihr botoxgeschwängerter Mund und ihre gesamte C-Promi-Ausstrahlung recht deutlich darauf hin. Aber nein: Wir haben hier mitnichten eine Gruselgestalt aus dem Privatfernsehen vor uns, sondern die renommierte Wissenschaftlerin und engagierte Umweltaktivistin Dr. Molly Martin, die gerade zum drölfzigsten Mal den „Arkstar“-Konzern wegen diverser Umweltsünden verklagt und im Gerichtssaal ein beträchtliches Theater veranstaltet. In der zur Beruhigung der Gemüter angeordneten Verhandlungspause trifft sie auf ihren alten Freund und scheinbar auch fachlichen Vertrauten Jimmy, der ihr mitteilt, dass irgendwelche Fördergelder genehmigt wurden. Dass auch Jimmy nicht wie ein Wissenschaftler aussieht, sondern eher wie ein (allerdings sehr netter) Schrotthändler, nehmen wir einmal hin.
Molly ist außer sich vor Freude, lässt die Verhandlung Verhandlung sein, begibt sich nach Hause und beginnt mit den Reisevorbereitungen, um so schnell wie möglich nach Hawaii aufbrechen zu können. Dort nämlich befindet sich ihre oder eine von ihr erschaffene „KI-gesteuerte Geo-Plattform“, sprich eine moderne Forschungsstation, die vermutlich mit den Fördergeldern in Verbindung steht. Ärgerlicherweise haben Mollys schon fast erwachsene Kinder, die superschlaue und hibbelige Chrissy und der noch superschlauere, aber ruhige Clay, gerade nichts Vernünftiges vor und überreden ihre Mutter, sie mit auf die Reise zu nehmen, damit sie uns von Hawaii aus auf den Zeiger gehen können.
In ebenjenem Hawaii wird nach dem Eintreffen Mollys und ihres Nachwuchses erst einmal unerfreulich lange herumgeschwafelt, während uns der superschlaue Clay (übrigens ein adoptiertes afrikanisches Kind) zeigen darf, was in ihm steckt: Mit einer selbst entwickelten Software analysiert er mal eben in Sekundenschnelle das System der „KI-gesteuerten Geo-Plattform“ und findet auch tatsächlich noch „ein paar Schwachstellen“. Von wegen superschlau also ... Clay ist mindestens ein Genie.
Nach allerlei weiterem Geschwafel erbarmt sich schließlich der Mauna Kea und erlöst uns mit einem heftigen Ausbruch – eine Katastrophe droht! Aber wir haben ja unsere Wissenschaftlerin vom Dienst, und die weiß sofort, was zu tun ist: Man muss nur die austretende Lava durch ein paar künstlich angelegte Gräben ins Meer ableiten. Dazu sind allerdings „32 Sprengungen“ nötig, und dumm daran ist, dass erstens kaum drei Stunden Zeit für die Aktion zur Verfügung stehen und sich zweitens die verantwortlichen Behörden eine solche Herumsprengerei mit Nachdruck verbitten. Egal – Molly und Jimmy (es wird die einzige Gelegenheit bleiben, ihn nicht nur herumstehen zu sehen) gehen die Sache dennoch an und installieren in gefühlt fünfzehn Minuten in einem „2000 Quadratmeilen“ großen Gebiet (!) die erforderlichen 32 Sprengladungen. Kurz darauf erfolgt die Sprengung und alles ist gut.
Nein, es ist nicht alles gut – es gibt einen neuen Ausbruch, und in dessen Folge geraten Molly und ihre superschlaue Tochter mit ihrem Jeep mitten hinein in die überall austretenden Lavaströme. Man möchte als Zuschauer schon frohlocken, weil man die beiden auf diese Art eigentlich prima loswerden sollte ... aber natürlich sind ihre Figuren geschützt und müssen gerettet werden. Bis dahin stehen sie allerdings noch eine halbe Ewigkeit lang mitten in der Lava herum und warten, bis schon der halbe Jeep geschmolzen ist, während Molly gebetsmühlenartig „Geht’s dir gut? Alles wird gut!“ zu ihrer Tochter sagt. Die Rettung übernimmt dann Mollys Ehemann (oder Noch-Ehemann, denn die Scheidungspapiere sind natürlich schon ausgefüllt – solche Klischees gibt’s hier umsonst), der völlig überraschend mit einem Hubschrauber aufkreuzt.
Nachdem man leidlich gesund in die Räumlichkeiten der „KI-gesteuerten Geo-Plattform“ zurückgekehrt ist, muss die Lage neu bewertet werden. Zum Glück ist der superschlaue Clay an Bord, der mit seinem Tablet eine Blitzanalyse durchführt und Beunruhigendes verkündet: Es werden in Kürze „129 Vulkane“ gleichzeitig ausbrechen, da sie irgendwie unterirdisch vernetzt sind. Oder so ähnlich. Sekunden später wird die Prognose des superschlauen Clays jedoch noch einmal nach oben korrigiert – nunmehr heißt es, dass alle Vulkane innerhalb einer „4000-Meilen-Kette“ im Bereich der nördlichen Hemisphäre ausbrechen werden. In dieser bedrohlichen Situation muss Molly zum Schlimmsten greifen ... und die Hilfe des Arkstar-Bosses Griffin annehmen, der durch illegale Bohrungen eine Mitschuld am Desaster trägt und nun Reue zeigt. Er will dafür sorgen, dass die Lava mithilfe von „87 Eisbohrern“ durch Äthylenglykol „eingefroren“ wird ... oder so ähnlich. Kurz darauf turnen Dr. Molly und ihr Ehemann Eric durch die Prärie und versuchen einen Schlauch zu reparieren, durch den der Inhalt eines Äthylenglykolsilos in den Boden geleitet werden soll. Und nun darf man einmal raten, ob das ausreicht, um den 4000 Meilen weiten Vulkan-Sammelausbruch zu verhindern ...
OmG. Ich muss sagen, dass mich dieser Film ziemlich erschöpft hat – ein ungewohntes Gefühl, zumindest nach dem Genuss eines kleinen Trash-Heulers. Die Zeit mit Super Volcano habe ich allerdings nicht als Genuss wahrgenommen, sondern eher als Kampf. Die Hauptschuld daran trägt das Personal, mit dem man hier konfrontiert wird, sowohl mit Blick auf die Figurenzeichnung als auch auf die Darsteller. Das Elend beginnt schon bei Botox-Mollys Darstellerin McKenzie Westmore, der man wie schon angedeutet in tausend Jahren keine Wissenschaftlerin abnimmt – ehrlich gesagt hätte ich schon Mühe gehabt, ihr eine abgeschlossene Hauptschulausbildung abzukaufen. Darüber hinaus nerven aber auch Mollys superschlaue Kinder entsetzlich – im Fall von Chrissy vor allem dank ihrer unerträglichen Darstellerin Tori Griffith und im Fall von Clay schlichtweg durch die unerträgliche Klugheit, die ihm das Skript von Marc Gottlieb andichtet. Es müssen also nicht immer strunzdumme Bikiniträgerinnen sein, die einem in der Trash-Abteilung die Laune verderben (über den scheinbar unvermeidlichen Familienzusammenführungsschwurbel, der hier noch uninspiriert im Hintergrund herumgeistert, will ich erst gar nicht reden).
Fest steht, dass im vorliegenden Fall auch der schönste Schwachsinn nicht mehr weiterhilft – und den gibt es eigentlich im Übermaß, denn allein was uns Super Volcano über 32 Sprengungen, 129 gleichzeitige Vulkanausbrüche oder 87 Eisbohrer erzählt (die Zahlen sind echt!!), ist schlichtweg wunderbar haarsträubend. Auch sonst steckt im Inhalt nicht ein Hauch von Vernunft, und zudem darf man wieder ein wenig rechnergestützte, sprich grausig getrickste Feuerball- und Eruptions-Action bewundern. Den absoluten Höhepunkt des Unfugs stellt dabei die schon genannte Sequenz dar, in der Molly und ihre Tochter mit dem Jeep in der Lava stecken bleiben und dort minutenlang nichts anderes tun, als festzustellen, dass es „warm“ ist. Es gibt hier also durchaus den einen oder anderen Leckerbissen für den Trash-Enthusiasten, aber wenn das, was eigentlich schön blöd sein könnte, von unangenehmen Leuten getragen wird, dann ist es eben nicht mehr schön, sondern nur noch unangenehm blöd. Und es wird anstrengend, zumal dann, wenn man wie ich heute Nacht „live“ am TV-Gerät dabei ist und sich nicht mit der Vorspultaste wehren kann – was ich ansonsten wohl an zwei, drei Stellen getan hätte. Ich sollte in Zukunft darauf achten, dass es halbwegs „zuverlässige“ Sachen sind, die ich gleich während der Ausstrahlung mit ansehe.
Optisch macht Super Volcano schon grundsätzlich keinen guten Eindruck – der Streifen präsentiert sich stolz im Breitwandformat, aber wirklich schöne Bilder bekommt man nur in einigen kurzen Glücksfällen zu sehen. Ohnehin schwankt die Bildqualität bedenklich, da gefühlt alles, was hier an effektfreien Außenaufnahmen gezeigt wird, Stock Footage verschiedensten Ursprungs ist (dementsprechend bunt gemischt sehen die „Schauplätze“ auch aus). Tricktechnisch macht man im Hause Asylum derweil fleißig dort weiter, wo man in der Steinzeit aufgehört hat. Eruptionen und Explosionen, Lavaströme, aufreißende Straßen oder Feuerbälle sehen so mies aus wie eh und je (die Feuerbälle ruhen sicher schon seit Jahrzehnten unverändert auf den Asylum’schen Festplatten und werden nur noch per Mausklick in den Katastrophenheuler der Woche eingefügt), und auch ein paar CGI-Helikopter sind bewährt jämmerlich geraten. Ganz großes Effektkino liefern jedoch einige Szenen, in denen man von oben einen CGI-Jeep durch eine von der CGI-Lava heimgesuchte CGI-Landschaft „fahren“ sieht – vor allem in den Kurven sieht das einfach zum Schreien lächerlich aus.
Zum Schreien sind auch die Darsteller, allerdings nicht ganz im gleichen Sinn. Obenan, ich musste sie bereits erwähnen, steht Gesichtschirurgieopfer McKenzie Westmore als „Dr.“ (!) Molly Martin, die man, sorry, beim besten Willen nicht für die Rolle einer Wissenschaftlerin casten kann – ich bin nicht sicher, ob ich wissen möchte, wie ihre Besetzung zustande kam. Dabei spielt sie keineswegs verheerend schlecht, aber allein ihre Ausstrahlung empfiehlt sie bestenfalls ... nun, eben fürs Dschungelcamp oder Niveauverwandtes. Noch schlimmer kommt’s mit der ebenfalls bereits erwähnten Tori Griffith, die als Chrissy ein grässliches Chargieren praktiziert. Ich hatte vor wenigen Tagen schon großspurig Annette Bening für ihren (warum auch immer bis hin zur Oscar-Nominierung gefeierten) Grimasseusen-Auftritt in American Beauty meine inoffizielle Goldene Himbeere des Jahres zugesprochen, aber Tori Griffith, sorry, kommt ihr gefährlich nahe: Sie kann kein Wort sprechen, ohne dabei meterweit das Gesicht zu verziehen und wirkt, als wolle sie dazu am liebsten auch noch aufgeregt herumhüpfen. Lustig ist das leider nicht – ich für meinen Teil hätte sie schon nach zwei Minuten am liebsten, ähm ... nicht mehr gesehen.
Jessie B. Evans macht seine Sache als Mollys Sohn Clay deutlich besser (sprich vor allem ruhiger) und ist zudem recht sympathisch, wird aber aufgrund seiner bekloppten Superbegabtenrolle ebenfalls schnell zum Ärgernis. Der Einzige, dem man hier halbwegs gern zusehen kann, ist William Guirola als Mollys Kollege Jimmy – dumm ist in dieser Sache allerdings, dass er nahezu nichts tut und man ihm eigentlich nur dabei zusehen kann, wie er anderen bei irgendetwas zusieht. Das wird schnell langweilig. Noch langweiliger ist schließlich Tyler Christopher, der als Arkstar-CEO Griffin quasi den Gegenpol zu Chrissy bildet und bei jeder Bewegung und bei jedem Wort einzuschlafen droht – mitunter wirkt er auf fast schon bizarre Weise abwesend oder gar hypnotisiert. Der Score stammt zu guter Letzt von Mikel Shane Prather und tut, was man von ihm erwartet: In der Regel dudelt er im Hintergrund herum. Es gibt jedoch auch ein paar ruhige und „bildlichere“ Passagen, und wenn ich mich nicht irre, auch ein, zwei Minuten Stille. Alles in allem liegt das leicht über dem Asylum-Durchschnitt.
Der Film als Ganzes liegt leider deutlich unter dem Asylum-Durchschnitt, und das sollten selbst ausgewiesene Schund-Enthusiasten als alarmierend empfinden. Dabei ist Super Volcano grundsätzlich der von ihnen erwünschte, sowohl in inhaltlichen als auch in technischen Fragen ohne jedes Schamgefühl zusammengeschusterte Minimum-Budget-Katastrophenschwachsinn, scheitert aber daran, dass er die Intelligenz des Publikums selbst über das im Trash-Sektor tolerierbare Maß hinaus beleidigt und keine einzige maßgebliche Figur mitbringt, mit der man gern fünfundachtzig Minuten Lebenszeit verbringen möchte. Kurz: Der Film nervt – da können auch die schönsten Ausflüge im CGI-Jeep das Ruder nicht herumreißen. So bleibt aus meiner Sicht festzustellen, dass sich David Michael Latts Truppe mit Super Volcano ein paar fette Minuspunkte eingesammelt hat – wenn’s so weitergeht, könnte ich tatsächlich eines Tages mein Vorhaben, auch die nächsten hundert verfügbaren Asylum-Filme anzusehen, kritisch hinterfragen.
Aber gut – vierundneunzig Chancen will ich den Leuten noch geben ...
(11/23)
Sehr knappe 3 von 10 Punkten.