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Mit einem versierten Scharfschützen ist zwar kaum eine Schlacht zu gewinnen, doch taktisch lassen sich kurzfristige Vorteile erzielen, da der Schütze bestenfalls erst gar nicht zu lokalisieren ist und in der Zwischenzeit feindliche Schützen ausschalten kann. Der makabere Rekord eines Snipers durch einen tödlichen Präzisionsschuss liegt bei einer schier unvorstellbaren Distanz von 2475 Metern.

Ende 1943: Sowjetische Soldaten sind von den Nazis umlagert, sie benötigen dringend Nachschub. Dieser erfolgt durch Yegor, einem eher unerfahrenen Mann aus Jakutsien, der schon bald sein Können als Distanzschütze unter Beweis stellt. Doch dann wird er auf eine Himmelfahrtsmission geschickt…

Es ist das Debüt als Autor und Regisseur für den Russen Dmitry Koltsov, der mit dem sichtlich geringen Budget gut umzugehen weiß. Recht früh zeichnet sich ein Luftangriff auf eine Kolonne ab, was mit ordentlich Wumms in Szene gesetzt ist. Auch gegen Finale kann die Action weitgehend überzeugen, obgleich selbige deutlich zu kurz kommt.

Leider wird die Zeit kaum genutzt, den Figuren um Yegor brauchbare Figurenzeichnungen zu verpassen. Viel Zeit wird in Schützengräben verbracht, hin und wieder kommt es zu Auflockerungen, die von einem merkwürdigen Humor umgeben sind, während die Synchro den Vogel abschießt. Nahezu jede Stimme klingt unnatürlich gepresst und phasenweise fühlt man sich wie in einer albernen Klamotte der Achtziger, weil kein Mensch so spricht. Auch vor 80 Jahren nicht.

Hinzu kommt die teils unglückliche Besetzung, da die Nazis ebenfalls von russischen Mimen verkörpert werden, was einigen deutlich anzusehen ist. Im Originalton dürfte dies noch deutlicher zutage treten. Gelungen ist hingegen die Ausstattung und die Wahl der leicht verschneiten Schauplätze und auch der Score weiß ordentlich anzutreiben, wobei er gegen Ende zu plakativ in heroische Gefilde abdriftet.

Das größte Manko bleibt die dünne Story, welche phasenweise recht episodenhaft anmutet und bis auf den Showdown zu wenig Drive entwickelt. Folgerichtig mangelt es über weite Teile an Spannung und ein Mitfiebern ist aufgrund mangelnder Figurentiefe überdies kaum gegeben. Eine ungewöhnliche Konversation per Funk sticht noch positiv hervor, der Rest bleibt austauschbar und liefert in Sachen Action zu wenige Schauwerte, um über vergessenswerten Durchschnitt hinaus zu kommen.
5 von 10

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