Spoilerwarnung!
In einem zugigen Jungeninternat geschehen - wie die schiefen Kameraeinstellungen erraten lasen - üble Dinge: ein finsterer Glatzkopf mit schwarzem Mantel und rotglühenden Augen reißt dort bevorzugt Herzen heraus und läßt sie anschließend in Flammen aufgehen.
Neuzugang Elias kommt dann auch mittels einiger Flashbacks schon bald hinter des Rätsels Lösung. Sein Onkel war ein übler Satanist, seine Eltern starben bei einem sinistren Ritual und seine verschollene Schwester gibt sich als Tochter der Internatsleiterin aus, trägt den titelgebenden TALISMAN (durch den sie den Glatzendämon befehligt) und sinnt darauf, mit Elias Inzest zu begehen, was diversen Morallehren zufolge das Ende der Welt und die Herrschaft des Bösen zur Folge hat.
TALISMAN bewegt sich somit auf klassischem Gothic-Novel-Territorium, in dem Atmosphäre und die psychischen Defekte der Figuren wichtiger sind als vordergründige Ekeleffekte. Der Protagonist muss nach und nach die Geheimnise seiner Herkunft erforschen, wird mit seinem inneren Triebleben konfrontiert und triumphiert dann entweder darüber oder geht daran zugrunde. Folgerichtig werden dann bevorzugt jenen Jungs ihre Organe entnommen, die sich nicht im Griff haben und der Femme Fatale hinterherhecheln. Entsprechend bedeutsam ist für derartige Szenarien um sexuelle Schuldkomplexe das Haunted House und vor allem der Keller desselben. Und in der Tat ist die Location ein großer Pluspunkt des Films - ein eindrucksvoller kalter und düsterer Bau, zumeist in ein leicht grau- und blaustichiges Bild getaucht.
Weniger überzeugend hingegen ist die Figuenpsychologie, hier beschränkte man sich auf die sattsam bekannten Internatsklischees von der homoerotisch angehauchten Faschistenclique bis zur sadistisch veranlagten Direktorin. Der Sidekick des Helden mit einigen lockeren Sprüchen fehlt ebensowenig wie der ohnmächtige männliche Lehrer, der als Theologe mit ein wenig Faktenwissen aufwarten kann, schlußendlich aber die Augen eingedrückt bekommt (Blendung als symbolische Kastration).
Aus Budget- und Übersichtlichkeitsgründen spielt der Film in den Winterferien, weshalb sich nur 10 Leute (und ein Dämon) im Internat herumtreiben, außerdem hatte man so gleich noch die Möglichkeit, die etwas antiquierte Gruselmär mit ein wenig Milleniumsparanoia zu aktualisieren, denn die Öffnung der Höllentore soll natürlich an Silvester stattfinden.
Wirklich spannend ist TALISMAN dabei natürlich nicht, denn der Dämon ist mit seinen schlecht getricksten rotglühenden Augen wenig bedrohlich und der ganze Plot insgesamt zu angestaubt, als daß es die wenigen Splatterszenen noch herausreißen könnten (lustigerweise kann man diese auf der DVD separat anwählen). Insgesamt aber kein Totalausfall sondern einfach ein altmodischer kleiner Grusler aus Charles Bands Fließbandproduktion, der simultan mit FRANKENSTEIN REBORN abgedreht wurde - vermutlich hat Schnellfilmer David DeCoteau, der 1998 TALISMAN eingerechntet insgesamt sechs Filme aus der Hüfte schoß, darum auch das Pseudonym Victoria Sloan gewählt.
TALISMAN wurde übrigens 2004 zusammen mit den Paramount-Kooperationen DARK ANGEL: THE ASCENT und LURKING FEAR in der Anthologie TOMB OF TERROR nochmals aufgewärmt - als halbstündiges wirres Filmfragment, das man sich nicht antun sollte.