Das Thema "Jagen" ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Schon in der Steinzeit sind die Höhlenmenschen losgezogen, um Mammuts o.ä. zu erlegen. Die beiden italienischen Filmemacher Antonio Climati und Mario Morra haben sich diesem Thema angenommen und präsentieren in "Savage Man... Savage Beast" (OT) eine Verfolgung nach der anderen: Mensch jagt Tier, Tier jagt Tier, Tier jagt Mensch, Mensch jagt Mensch.
Gezeigt werden unter anderem Löwen, die Antilopen erlegen; Aboriginies, die Fledermäuse per Bumerang vom Himmel holen; afrikanische Eingeborene bei der Treibjagd auf Elefanten; englische Adelige bei der Fuchsjagd; Hippies in Woodstock und sogar einige bizarre Stammesrituale wie Bambusrohre als "Masturbations-Hilfen" usw.
Zugegebenermaßen sind 90 Prozent des Materials nichts, was man nicht schon in seriösen Tierfilmen oder Dokumentationen gesehen hätte. Leider gibt es doch immer wieder Szene, die mit absoluter Präzision über die Geschmacksgrenzen hinausschießen. In wie weit gewisses Filmmaterial dem reinen Unterhaltungszweck dienen soll, ist also mehr als zweifelhaft. Auch kommt immer wieder der Verdacht auf, das Climati und Morra neben den echten Szenen ihrem "Glück" durch Manipulation ein wenig auf die Sprünge geholfen haben - zugunsten des Unterhaltswertes, versteht sich. Als Beispiel sei die Sequenz genannt, in dem ein Löwenrudel einen Urlauber anfällt. Bei genaueren Hinschauen entpuppt sich gerade diese berüchtigte Einstellung als absoluter Fake.
In seinen guten Momenten vermag "Savage Man... Savage Beast" jedoch sehr nachdenklich zu stimmen. So kommt zum Beispiel unweigerlich die Frage auf, wieviel Mut und Stärke es bedarf, einen ausgewachsenen Bären oder Elefanten vom Helikopter aus mit einem Zielfernrohr zu erlegen..? Oder warum der Mensch Grausamkeiten an den Tieren verübt bzw. welches Verhältnis Zweibeiner zu Vierbeinern überhaupt haben..?
Leider bewegen sich Mondofilme immer auf dem schmalen Grad zwischen echter Aufklärung und sensationsgeiler Ausbeute, so dass die Frage "Wer ist grausamer: der Mensch oder das Tier?" gerne als Alibi herhalten muss. Trotzdem wirken Streifen wie eben "Savage Man... Savage Beast" eine eigenartige morbide Faszination auf manche aus - der Schreiber dieser Zeilen nimmt sich da nicht aus. Nichtsdestotrotz bleibt ein bitterer Nachgeschmack erhalten, wenn man nicht tunlichst den nötigen Abstand zu diesem Werk einhält.
6 von 10 Punkten.