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Man könnte Independent-Filmer Sebastian Zeglarski vorwerfen, seit 2010 keine Fortschritte erreicht zu haben, denn vorliegender Kurzfilm weist überdeutliche Parallelen zu den Vorgängen in „ A Fucking Cruel Nightmare“ auf. Die Effekte haben sich allerdings seither verbessert und das Format eines Kurzfilms kommt dem Treiben definitiv zugute.

Es ist Vollmond: Ein Mann wacht unter einer blutverschmierten Plastikplane im Wald auf und versucht in seinem verwirrten Zustand einen Weg nach Hause zu finden. Dabei plagen ihn blutige Visionen diverser Opfer, während eine dämonische Gestalt andeutet, wohin die Reise gehen könnte…

Einmal mehr offenbart Zeglarski seine Kernkompetenz: Handgemachte, oft detailreich in Szene gesetzte Splattereffekte. Die breit gefächerte Palette reicht von durchbohrten Händen über Kehlenschnitte, Ausweidungen und Korkenzieher im Auge bis zu Schnitten in Genitalien und entnommenen Innereien an Halterungen. Die Einlagen können sich mehrheitlich sehen lassen, doch erneut scheitert er an der Darstellung von Penissen, welche zu sehr nach glänzenden Plastikimitaten aussehen. Tiefe Schnitte sehen demgegenüber recht wuchtig, zuweilen beinahe schmerzlich fühlbar aus.

Der Nachteil des Unterfangens ist die fast nicht vorhandene Geschichte. Nur fast, weil es zum Ende hin eine simple Auflösung der blutigen Visionen gibt, doch diese bilden eben das Hauptaugenmerk, wenn man mal von einer zu ausladenden Nekrophilie-Szene absieht.
Die wenigen Worte in Form des nihilistisch labernden Dämons bilden allenfalls Weisheiten eines Gothics von gestern, Empathie, Mitfiebern oder gar Spannung kommen bei alledem nicht auf, zumal auch die jeweiligen Opfer austauschbar bleiben.

Leider erscheint auch der Wald im Großraum Ennepetal weitgehend beliebig, die zahlreichen Schädelhälften am Boden und der Einsatz einer Nebelmaschine sorgen immerhin für einen angemessen morbiden Touch, was gleichermaßen für den teils schrillen Score gilt, welcher die jeweiligen Gewalteinlagen soundtechnisch sauber ankündigt.
Darstellerisch wird nur ein Mindestmaß abverlangt, wonach ein Großteil der Mimen zumindest zweckdienlich performt.

Vor den Splattereffekten hat der Filmgott eigentlich das Drehbuch erfunden, - bei Zeglarski könnte es sich andersherum verhalten. Insofern erhalten Gorehounds zwar die volle Dröhnung an blutigen Eingriffen, doch nach mehr als den vorliegenden 34 Minuten hätte sich alsbald Langeweile eingestellt, zumal alle erdenklichen Grausamkeiten irgendwann abgefrühstückt sind. Genrenerds dürften das feiern, mit dem Ansatz einer dramaturgisch entwickelten Handlung hätte es sogar gut werden können.
5 von 10


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