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Der verheiratete Unternehmer Sam (Jonathan Rhys Meyers) wacht plötzlich in einem Krankenhausbett auf. Benommen blickt er sich um, kann aber außer einem greisen Patienten ein paar Meter entfernt niemanden erkennen oder hören. Da auf sein Klingeln auch niemand reagiert, zieht er sich die zahlreichen Schläuche und Kanülen ab. Als er sich nochmals umblickt, ist der andere Patient plötzlich verschwunden - sein Bett ist leer. Da springt ihn jener Alte plötzlich von hinten an und versucht ihn zu erwürgen. Sam kann sich gerade noch befreien, doch der Greis ist wie von Sinnen - der Kampf setzt sich bis in den Gang fort, wo der Mittvierziger schließlich ein OP-Messer zu fassen bekommt und seinen irren Gegner erstechen kann. Auf seine Hilferufe reagiert niemand, überhaupt scheint diese Station völlig verlassen zu sein. Als Sam sich nochmals umdreht, ist die Leiche des Alten verschwunden.
Oder doch nicht, denn als er zurück in sein Zimmer geht, liegt ebenjener Angreifer friedlich schlafend in seinem Bett. Sam zieht sich schnell an und stellt fest, daß sein Handy keinerlei Empfang hat. Plötzlich steht eine riesige Krankenschwester in der Tür. Sam erzählt ihr, daß er angegriffen wurde, doch als er auf den Greis deutet, ist dessen Bett erneut leer und unbenutzt - und die Krankenschwester ist auch plötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Völlig verwirrt geht Sam einen langen Gang entlang zum Aufzug. Als er sich umdreht, steht am anderen Gangende plötzlich wieder der Alte und sprintet auf ihn los. Gerade noch rechtzeitig kann Sam in den Lift fliehen. Doch der Greis sitzt auf der Liftkabine und reißt deren Decke auf. Als sich die Türen öffnen, kann sich Jack mit einem Sprung in ein anderes Stockwerk retten. Aber auch hier gehen die Merkwürdigkeiten weiter...

Ein verlassenes Krankenhaus, aus dem es keinen Ausweg gibt, bildet eine einfache, aber wirkungsvolle Kulisse, in der Hauptdarsteller Jonathan Rhys Meyers der einzig normale Mensch vor Ort zu sein scheint, der sich mit allerlei Mystery- und Spukerscheinungen herumschlagen muß, von denen einige direkt lebensbedrohlich sind. Mit dem oben geschilderten fulminanten Einstieg, der etwa die ersten 10 Minuten des als Horrorfilm vermarkteten Streifens Disquiet abdeckt, weckt Regisseur und Drehbuchautor Michael Winnick dann auch eine gewisse Erwartungshaltung, kann diese in der Folge jedoch nicht erfüllen - denn sein Protagonist, dessen Perspektive das Publikum von Anfang an einnimmt, erlebt dieselben Situationen mit plötzlich auftauchenden und ebensoschnell wieder verschwindenden Personen immer wieder, während die Geschichte selbst nicht wirklich vom Fleck kommt.

Somit macht sich dann ab Filmmitte schon langsam dezente Langeweile breit, wenn der eine oder andere plötzlich von unsichtbarer Hand gepackt plötzlich davon fliegt, nur um ein paar Minuten später wieder wohlbehalten um die Ecke zu spazieren. Mittels eingeschobener Rückblende erfährt man schon früh, daß Sam einen Autounfall hatte, infolgedessen er hier eingeliefert wurde - in ein Spital, das keine Eingangstüren besitzt, aus dessen Fenstern man nur in die undurchdringliche Schwärze der Nacht schauen kann, dessen Dachgeschoß jedoch hellsten Sonnenschein verspricht, während es in der Tiefgarage zu brennen scheint. Der einzige freundliche Mensch mit nützlichen Anmerkungen ist ein Rollstuhlfahrer (Garry Chalk) namens Virgil, und ab dessen Auftauchen (nach etwa 25 Minuten Laufzeit) muß Filmcharakter Sam auch gar nicht Dante heißen, um zielsicher darauf schließen zu können, worauf der Film eigentlich hinausläuft.

Einige wenige Effekte (wie Deckenkrabbeln), eher schlecht aufgetragenes Blut-Make-up (die 3 OP-Furien), CGI-Flammen und ein paar bunte Farbfilter kennzeichnen Disquiet, der mangels blutiger Szenen (außer jener zu Beginn) eher in die Schublade Mystery gehört, mit sehr geringem Budget produziert wurde und wohl nur dank Netflix dem Schicksal diverser anderer unterdurchschnittlicher direct-to-DVD-Produkionen entkommen konnte.

Repetitive Szenen, deren Abspiel-Reihenfolge man beliebig durcheinandermischen könnte, ohne am Plot etwas zu ändern, ziehen sich dann bis zum äußerst matten, unspektakulären Finale. Sofern man nicht bereits vorher die Nase voll hat von den ständigen Verwirrspielchen um auftauchende und verschwindende Personen könnte man den Sinn einiger "Entscheidungen" (z.B. was bedeutet Treppe hinauf oder Treppe hinunter etc.) durchaus hinterfragen, aber da nicht einmal sicher ist, daß darauf drehbuchseitig überhaupt Antworten vorgesehen sind, vergißt man solche Überlegungen lieber wieder.
Fazit: nach gutem Beginn läßt Disquiet sehr stark nach und verwirrt den Zuseher nur noch, um am Ende in Belanglosigkeit zu versanden. Gerade noch 4 Punkte.


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