Eigentlich mag man inzwischen ja gar keine Multiverse-Filme mehr sehen. Schon gar nicht von DC, die mal wieder extrem „late to the party“ sind. Während Marvel seine Paralleluniversen bereits seit Jahren in allen möglichen Kanälen betreibt, ist es bei DC nun der Job von THE FLASH, die Portale in alternative Realitäten zu eröffnen, verbunden mit ordentlichem Retro-Fanservice und vor allem natürlich niemals endenden erzählerischen Möglichkeiten (sprich: immer wieder das Gleiche mit anderen Darstellern zu erzählen). So sind Story und Figurenkonstellationen bereits ausgiebig erprobt und man findet an jeder Ecke des Films etwas SPIDER-MAN, ein bisschen ANT-MAN und ein wenig SHAZAM! Das sind zumindest mal nicht die schlechtesten Vorbilder.
Die größte Überraschung jedoch ist, dass THE FLASH überhaupt kein fader Abklatsch geworden ist, sondern der kurzweiligste und unterhaltsamste DC Film jenseits von James Gunns THE SUICIDE SQUAD.
Ezra Miller war ohnehin bereits das Beste, um nicht zu sagen „einzig Gute“ an JUSTICE LEAGUE. Und auch, wenn der Schauspieler privat aktuell nicht gerade Karmapunkte sammelt – als „Double Act“ mit seinem jüngeren Selbst ist er wirklich großartig. Der verpeilte 18-jährige Barry wirkt wie aus BILL & TED herausgefallen und entsprechend chaotisch gestaltet sich die Entdeckung und Anwendung seiner neuen Superkräfte.
Überhaupt macht dieser Film einfach Spaß, das ist man von Blockbustern und insbesondere von DC nicht gewöhnt. Sicher, manche zu lange dramatische Szene nimmt ein wenig die Leichtigkeit, immerhin geht es um tote Mütter und verurteilte Väter und ja, die Effekte sehen hier schon besonders künstlich aus, aber der Spirit des Films ist ungewohnt beschwingt und – klar – temporeich.
Allein die erste Viertelstunde ist für jeden Superheldenfan das Eintrittsgeld wert, wenn Barry in der Zeit einer Sandwichzubereitung in Slow Motion die Patienten eines einstürzenden Krankenhauses rettet (Stichwort „Baby Shower“), während Batman die Diebe eines tödlichen Virus durch die Straßen Gothams verfolgt und beide vom ersten Cameo des Films unterstützt werden. Von denen noch viele kommen werden. Sehr viele.
Denn THE FLASH macht mit seinem Multiversum die Türen in die Vergangenheit weiter auf, als Marvel das überhaupt jemals tun könnte. Und eröffnet dabei sogar niemals umgesetzte Realitäten, von denen mancher Fan bislang nur träumen konnte…