Als Cjamango McDonald aus der Stadt zurück auf die Familien-Ranch kommt, findet er Vater, Bruder und Schwester ermordet vor. Der Mexikaner Barrica hat das Massaker beobachtet und bietet Cjamango Informationen über die Täter an. Und Cjamango nimmt den blutigen Rachefeldzug auf, während Barrica eigene Interessen verfolgt.
Wie bei vielen Italo-Western der 1960er Jahre wurde auch hier das Marketing zum Charakter gemacht. Die Hauptfigur wurde kurzerhand in „Django“ umbenannt, egal ob das die Geschichte hergab. Dies führte zu einer Reihe von Filmen, für die der Name nur genutzt wurde, um vom Erfolg des Originals zu profitieren. So konnte man mehr Aufmerksamkeit generieren, als die meisten dieser Filme inhaltlich rechtfertigten. Clever? Ja, aus Sicht der Produzenten. Zumindest damals. Heute allerdings schiebt man diese Wannabe-Djangos eher mal angewidert beiseite. Taugen ja wahrscheinlich eh nichts. Doch Pustekuchen. Auch unter diesen finden sich womöglich kleine Genre-Perlen.
Die Handlung folgt gängigen Rache-Motiven des Genres, ist simpel, geradeaus und rasant. Der einsame Revolverheld, getrieben von persönlichen Tragödien, kämpft sich gnadenlos durch Horden von Gegnern. Dabei ist die Story nicht komplex genug, um durch Storytwists zu überraschen. Auf tiefere Charakterisierungen der Figuren wird verzichtet. So erfährt man über Cjamangos Beziehung zu Virginia Stuart und die Feindschaft der beiden Väter nur das Allernötigste. Aber die Rachemotivation ist klar, die Konflikte sind direkt und werden in hohem Tempo abgearbeitet. Auch Subplots gibt es nur einen um den gewieften Barrica, der hier gar die markanteren Akzente zu setzen weiß und den Film aus dem Story-Einerlei der typischen Rache-Western hervorhebt.
Der Hauptdarsteller bringt seine Rolle solide rüber, wirkt dabei aber vergleichsweise farblos. Charisma und Präsenz, die ein typischer Westernheld benötigt, fehlen größtenteils. Zumindest im Vergleich zu Leuten wie Franco Nero, Gianni Garko, Anthony Steffen oder anderen Genre-Größen. Barrica sorgt für Abwechslung und Humor. Die weiteren Nebenfiguren bleiben aber überwiegend im Hintergrund oder dienen als Kanonenfutter.
Regisseur Vincenzo Musolino inszeniert gekonnt. Er vermittelt ein stimmiges Western-Feeling, unterstützt von einem guten, aber unaufdringlichen Score. Kameraführung, Ausstattung und Kulissen entsprechen dem Standard des Genres. Action bestimmt die Szenerie. Der Bodycount ist enorm. Was vor allem am finalen Massaker liegt, bei dem sogar eine Waffe zum Einsatz kommt, die an die legendäre Maschinengewehr-Szene aus Corbuccis Django erinnert. Alles ist professionell, alles sitzt. Nur ein charismatischer Held und etwas sichtbare (blutige) Härte zu den Leichenbergen fehlen.
May God Forgive You… But I Won’t ist ein unterhaltsamer Rachewestern. Kein Meisterwerk, aber solide und flott inszeniert, ohne jedoch neue Maßstäbe zu setzen. Ein Muss für Genre-Fans ist er sicher nicht, aber wer auf Rachegeschichten mit direkter Action steht, ist hier gut aufgehoben. Ein Rachefilm ohne Schnörkel und definitiv einer der besseren Vertreter aus den hinteren Reihen.