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Die Talk Show „Night Owls“ mit Moderator Jack Delroy läuft nicht mehr so gut, die Quoten waren schon einmal besser. An Halloween 1977 geht er daher mit einem Special auf Sendung, welches sich mit okkulten Themen beschäftigt. Neben dem Medium Christou hat er noch den skeptischen Carmichael Haig und die Parapsychologin June zu Gast. Letztere kommt in Begleitung von Lilly, die als Einzige das Treiben einer satanischen Sekte überlebt hat – und angibt, von einer fremden Macht besessen zu sein.

Stilistisch auffällig ist der von Colin und Cameron Cairnes inszenierte Genrebeitrag geraten, sieht er sich doch wie eine Aufzeichnung einer Talkshow aus dem genannten Jahr an. Design, Format, Stil. Das verleiht dem Szenario, das augenscheinlich in Echtzeit abläuft, eine dichte Atmosphäre, auch wenn das Ganze immer noch eine Spur zu sauber aussieht. Dennoch hat man das Retrogefühl gut eingefangen, welches nach der dokumentarisch gehaltenen Einleitung einsetzt. Diese bringt einem Delroy näher, man erfährt etwas über seine Vergangenheit und es ist offensichtlich, dass dies nicht ohne Grund geschieht und später noch eine Rolle spielt. Dennoch bietet „Late Night with the Devil“ genug Mysterium und Unaufgeklärtes, um mit der hier als Found-Footage-Material präsentierten Sendung Spannung zu erzeugen. Auch über das gelungene Ende hinaus.
Das liegt auch an der Studioatmosphäre, die mit ihrer Unperfektion glänzt, den mal versetzten Scheinwerfern, den Schnitten auf das Publikum, dem direkten Blick in die Kamera und der Interaktion mit Delroys Sidekick oder den Leuten hinter der Bühne. Hier bricht allerdings ab und an die Illusion, denn wird auch darauf hingewiesen, dass ebenfalls aufgefundene Backstageaufnahmen zum Einsatz kommen, sind diese mit ihren Umschnitten und dem Formatwechsel spürbar zu aufwendig. Auch die später eingesetzten visual effects wirken stilfremd. Dies sind aber nur kleine Kritikpunkte, wirklichen Schaden richtet das alles nicht an und immerhin verzichtet man auf billige Jumpscares.

Neben der retro-Ausstattung ist David Dastmalchian als Jack Delroy der Star und diesen gibt er durchgehend charismatisch und (im Rahmen des Geschehens) angenehm realistisch. Dastmalchian zeigt sich nuanciert, der Rest vom Cast ist letztlich nur bei ihm zu Gast, leistet sich aber keine Ausfälle.
Und grundsätzlich gilt das für den gesamten Film, der in seiner Art trotz der nicht gerade neuen Thematik und mancher Anspielung auf andere bekannte Werke einen sehenswerten Genrebeitrag darstellt. Nicht übermäßig gruselig, aber mit einer durchgängig dichten Atmosphäre ausgestattet, eingebettet in die interessante Umgebung eines TV-Studios im Design der 1970er Jahre und immer den Willen nährend, auch die nächste Werbepause noch abzuwarten.

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