May you rage gracefully
Die Philippina Joy hat eigentlich eine medizinische Ausbildung, muss sich in London jedoch als Putzkraft durchschlagen. Ohne gültiges Visum steht ihr Aufenthalt zudem täglich auf der Kippe. Eine lukrative Stelle als Haushälterin scheint der ersehnte Ausweg.
Doch da ist ja noch Grace. Um den Job nicht aufs Spiel zu setzen, schmuggelt Joy ihre kleine Tochter heimlich ins Herrschaftshaus. Ob es ihr gelingen wird, die quirrlige Kleine verborgen zu halten? Das ist bald Joys geringeres Problem. Denn in diesem Haus stimmt etwas nicht. Joy wird von ihrer neuen Arbeitgeberin freundlich behandelt – freundlich, herablassend und rassistisch. Bitte keine exotische Küche, sondern einen Käsesandwich. Bitte keine Glücksbringer, man ist ja auf der Arbeit und nicht zu Hause. „You people“. Und der todkranke alte Mann wird von seiner Nichte nicht gerade pfleglich behandelt.
Die bedrückende reale Atmosphäre ist die größte Stärke des Films. Kein Wunder, basiert sie doch auf der eigenen Erfahrung von Autor und Regisseur Paris Zarcilla, dessen Mutter, eine Lehrerin, in England nur Putzstellen bekam. Es mag einem dennoch manches etwas dick aufgetragen vorkommen, vielleicht wäre es paradoxerweise bisweilen besser gewesen, die realen Erlebnisse doch etwas abzuschwächen. Dennoch gelingt es RAGING GRACE – ähnlich wie vor geraumer Zeit GET OUT – hervorragend, diese unangenehme Situation der Protagonisten auf den Zuschauer zu übertragen.
Nur mit seiner wendungsreichen Handlung vergaloppiert sich der Film in der zweiten Hälfte etwas, was leider auf Kosten der Stringenz und Glaubwürdigkeit geht. Die allerletzte Szene, die sitzt dafür wieder. Ein insgesamt sehr gelungenes Debut.