Den 7. Geburtstag ihrer Tochter Mia (Lily LaTorre) möchte die alleinerziehende Hebamme Sarah (Sarah Snook) so harmonisch wie möglich gestalten, doch lastet eine komplizierte Familiengeschichte auf der molligen Frau: kürzlich ist ihr Vater verstorben, zu dem sie stets ein gutes Verhältnis hatte, während die demente Mutter Joan, zu der sie stets Distanz bewahrte, in einem Sanatorium untergebracht ist. Sarah, die keinen Kontakt ihrer Tochter zur Großmutter wünscht, verbrennt sogar deren Geburtstagskarte, während sie Mia diesbezüglich eine heile (Familien-)Welt vorgaukelt.
Doch dieses Wiegenfest verändert mit einem Schlag alles: Mia äußert plötzlich den Wunsch, Joan kennenzulernen, die sie nie zuvor gesehen hatte, richtig renitent wird die bisher brave Kleine, bis Sarah schweren Herzens nachgibt und sie ins Sanatorium fahren. Dort glaubt die halluzinierende Joan, in ihrer Enkelin ihre vor langer Zeit verschwundene Tochter Alice zu erkennen und spricht sie zum Entsetzen von Sarah auch mit diesem Namen an, den die Kleine trotz sofortigem Besuchsabbruch fortan lautstark für sich reklamiert.
Die Mutter weiß sich keinen Rat, kann sich das Verhalten der Tochter nicht erklären und agiert zunehmend nervöser - die Geschichte ihrer verschwundenen Schwester Alice hatte sie, wie auch einige andere Dinge, bisher sorgsam vor Mia verborgen gehalten, doch nun bricht alles hervor und das kleine Mädchen äußert zunehmend befremdliche Sätze wie "Ich will zu meiner Mum" oder "Ich hasse dich". Sarah, die immer mehr mit ihrer Fassung ringt, besucht daraufhin das nunmehr verlassene Anwesen ihrer Eltern, wo sich Mia, die auch weiterhin mit "Alice" angesprochen werden will, sogleich wie zu Hause fühlt...
Die australische Produktion Run Rabbit Run von Regisseurin Daina Reid weiß mit einer eindrucksvollen Atmosphäre in ländlicher australischer Gegend zu punkten, deren bisweilen kakophonische Soundkulisse ein permanentes Gefühl der Bedrohung heraufbeschwört. Das unerklärliche Verhalten der kleinen Mia, die - anders als in ähnlich gelagerten Filmen - nicht von einem typischen "Geist mit dunkler Stimme" besessen erscheint, sondern ihre weder für die Mutter noch das Publikum nachvollziehbare Persönlichkeitswandlung mit bestimmter, aber ruhiger kindlicher Stimme verkündet und sich häufig hinter einer Pappmaske versteckt, sorgen dabei ebenso für Unbehagen wie der Umstand, daß Sarah, die an sich mit beiden Beinen im Leben steht, langsam aber sicher die Fassung verliert.
Leider tritt der Film ab einem bestimmten Punkt auf der Stelle, wiederholt verschiedene Handlungsweisen und der sich schlußendlich abzeichnende Plot Twist ist für den geneigten Genrefreund auch nicht unbedingt eine Überraschung. Run Rabbit Run, dessen Titel sich auf eine Art MacGuffin in Form eines aus dem Nichts auftauchenden zutraulichen weißen Hasen bezieht (der Mia am Geburtstagsabend zuläuft, sich auch von Sarah nicht vertreiben läßt und ansonsten nur ein paarmal über den Bildschirm hoppelt) verabsäumt es am Schluß, eine nachvollziehbare Lösung zu präsentieren und läßt erheblich mehr Fragen offen, als er beantwortet.
Das kostet den Streifen, der sich dem Zeitgeist entsprechend mal wieder an ein weibliches Publikum wendet (der kurz auftauchende Ex-Gatte, der Vater von Mia, ist in der ganzen Angelegenheit wahrlich keine Hilfe) am Ende dann Punkte. Dennoch ist das auf Gore-Einlagen verzichtende Mystery-Drama, das mit seiner fein abgestimmten Kameraführung/Score ein thematisch angemessen unangenehmes Seherlebnis darstellt, auf jeden Fall einen Blick wert: 6 Punkte.