Ein Schiff wie ein Sarg
Seemannsgarn hat Blut im Mund… „Die letzte Fahrt der Demeter“ von Genrespezi André Ovedahl erzählt von der tödlichen Überfahrt des berühmten, titelgebenden Segelfrachtschiffs, mit dem kein Geringerer als der Graf der Dunkelheit höchstpersönlich von den Karpaten in die englische Hauptstadt laut Stokers Buch übergesetzt sein soll - und sich dabei natürlich reichlich an der ahnungslosen Besatzung satt gegessen hat…
Färbt die See rot
Ein wenig will „The Last Voyage of the Demeter“ wohl Richtung „Alien“ und anderen Klassikern des Monsterfilms, wo in der ersten Hälfte erstmal relativ ruhig und stilvoll die Crew und Protagonisten vorgestellt werden. Das gelingt auch ganz gut, dann zittert man zumindest etwas mehr mit, wenn es allen an den Kragen geht. Die Darsteller sind gut drauf, die Meeresbrise zischt brutal und spürbar, die Soundkulisse ist organisch und orkanisch, das Ende unterläuft den Roman clever, ohne ihn zu verraten. Ich finde diese weitaus animalischere Version des Dracula sehr angsteinflössend und fies, selbst wenn ihm so natürlich die Charmeurseite ganz abhanden kommt. Selbst Kinder sind nicht sicher, dass weitestgehend im Studio (Babelsberg) gedreht wurde, merkt man selten, der Score ist episch und traurig zugleich. Die Härte stimmt, die Laufzeit ist vielleicht etwas gestreckt. Aber insgesamt bin ich ziemlich zufrieden. Er hat auch gewisse Monstervibes, genau zwischen hochklassig und trashig, die man heutzutage eigentlich als ausgestorben ansieht. Trotz Längen steht das Entertainment hoch im Kurs. Wer also auf splattrige Monstermovies und tosende Brandungen steht, der bekommt hier die volle Breitseite.
Fazit: audiovisuell ein waschechter Gothic-Gore&Gischt-Grusel-Gourmethappen zwischen „Master & Commander“, einer Blutwurstplatte und den Hammer Studios. Ich mag die Atmosphäre, die raue See und das Design des Monsters. Der gesamte Look des Films schaut teuer und erhaben aus. Und doch merkt man gerade in der ersten Stunde deutlich, dass hier eben doch wenige Seiten auf Spielfilmlänge aufgeblasen wurden… Dennoch: feine, geduldige und teils sehr saftige Version dieser blutigen Überfahrt, die sich bisher bei den meisten von uns wohl eher im Kopf abgespielt hat!