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"Das Herz kann einem nicht gebrochen werden, wenn man nicht zulässt, dass die Welt einen berührt."

Der 16-jährige Leland Fitzgerald (Ryan Gosling) tötet ohne ersichtlichen Grund den geistigbehinderten Ryan Pollard (Michael Welch). Da Leland als introvertiert und umgänglich gilt haben weder Familie noch Nachbarn eine Antwort, weswegen er diese Tat beging. In der Jugendstrafanstalt wird der Gefängnislehrer Pearl Madison (Don Cheadle) auf ihn aufmerksam. Dieser wittert eine gute Story und die Möglichkeit als Schriftsteller endlich den Durchbruch zu schaffen, allerdings öffnet sich Leland ihm gegenüber nur sehr langsam und erzählt vorrangig über die Traurigkeit die er in den Menschen sieht. Ein komplexer Fall der sich erst annähernd erschließt, als Pearl Madison den egozentrischen Vater des Jungen Albert Fitzgerald (Kevin Spacey) und die drogenabhängige Becky Pollard (Jena Malone) kennen lernt.

"State of Mind" ist ein eindringlicher Film über Probleme. Thematisiert werden Untreue, soziale Armut, Drogenabhängigkeit und die Zerstörung von Gefühlswelten die dabei entsteht. Regisseur Matthew Ryan Hoge hat hierbei die Hilfe von Kevin Spacey als Produzenten genießen können.
Der Film kommt völligst ohne Effekthascherei aus und zentriert seine Charaktere und deren Leben in der Mittelschicht. Diese werden glaubhaft beschrieben sowie verkörpert, agieren durchaus menschlich und sind an keinerlei Schwarz / Weiß Zeichnung gebunden. Jeder versucht mit den Umständen in denen er lebt auf seine Weise klar zu kommen, verfällt aber seiner persönlichen Traurigkeit und kompensiert diese durch eine individuelle Verhaltensweise. Die Figur des Leland Fitzgerald spielt hierbei die Rolle des erhobenen Zeigefingers und ermahnt die Figuren, und im Grunde uns selbst. Interessanterweise sind die Mahnungen aber nur sehr still gehalten, vielleicht auch durch den Umstand, dass es der Figur des Leland selbst nicht gelungen ist es besser zu machen, oder eben jeder für sich selbst erkennen muss, was in seinem Leben falsch läuft und wie er daran arbeiten kann etwas zu verbessern, ohne dass jemand Druck auf ihn ausübt. Kläglicherweise scheitert dieses Verfahren, da wir Menschen in den seltensten Fällen auf eine einfache Ermahnung oder einen gut gemeinten Fingerzeig reagieren. Erst wenn es laut wird reagieren wir, dies vermag auch "State of Mind" am Beispiel einer Figur am Ende zu zeigen.

Dies ist aber nur ein Eindruck den der Film nebenbei vermittelt. Im Vordergrund stehen die Figuren Leland Fitzgerald und Pearl Madison, einerseits unabhängig voneinander, andererseits deren Gespräche miteinander.
Die depressive, traurige Grundstimmung zieht sich durch die gesamte Laufzeit, getragen von einem leisen, sich im Hintergrund haltenden Soundtrack, und ist technisch sowie handwerklich gelungen erzählt.

Das sehr ruhige Drama vermag leider trotz seiner sympathischen Charaktere kaum Spannung aufzubauen. Zu unspektakulär und seicht entfaltet sich der im Grunde interessante Plot. Die Tragik wird nicht emotional und wirkungsvoll genug übermittelt, zumeist plätschert die Handlung nur vor sich hin.
In einigen Fällen scheint "State of Mind" hoffnungslos überladen. Manche Themen werden nur angerissen, einige Charaktere werden erst dann ausgespielt wenn es nötig ist. Das Zusammenspiel unter den Figuren ist durch die vielen kleinen Nebenhandlungen nur bruchstückhaft vorhanden.

Eine Reihe großer Namen hat sich zusammen gefunden, die wunderlicherweise nicht im Kopf hängen bleiben. Die einzige Randfigur an die man sich erinnern wird ist die von Kevin Spacey. Die Möglichkeit die Rollen von Chris Klein und Jena Malone etwas in den Vordergrund zu bringen wurde nicht wahr genommen. Daher verpufft deren Schauspiel völligst. Zumindest den zentralen Mittelpunkt um Ryan Gosling und Don Cheadle konnte man erhalten. Genau genommen sind diese beiden die einzigen, an denen die Gewichtung der Story hängt und welche ihre Rollen artgerecht vermitteln.

Zwar sehr einfühlsam und sensibel erzählt, will in dieser Independent Produktion nicht viel hängen bleiben. Einerseits wirkt die Laufzeit zu kurz für die vielen Themen und Charaktere die teils nur kurz angerissen werden, andererseits wünscht man sich mehr Dramatik und Spannung, möglicherweise gar eine eindeutige Interpretation von Gut und Böse. Die Darstellung der Probleme und die Überlegungen die zum nachdenken anregen, ohne dass eine Lösung präsentiert wird, können "State of Mind" in das Mittelfeld retten.

5 / 10

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