"Peter Pan" ist wohl das beeindruckendste Märchen, was im Grunde gar keins ist. Denn "Peter Pan" wurde nicht etwa für ein Märchenbuch geschrieben, sondern basiert auf einem Theaterstück, welches der Autor Sir James Matthew Barrie, im Jahre 1903, zu Papier brachte. Verfilmungen gab es daraufhin viele, wobei allerdings die Disney-Zeichentrickversion von 1953, bis heute, alle anderen (guten- und schlechten-) Verfilmungen aussticht. Nun wurde es allerdings einmal Zeit, auf die interessante Entstehungsgeschichte, dieses wunderbaren Theaterstück zurück zu blicken. Und zu erzählen, wie Barrie, überhaupt für seine Idee inspiriert wurde. Herausgekommen ist dabei ein wunderbar schöner Film, der allerdings ein leichtes Kitsch-Problem hat.
Kommen wir aber erst einmal zu den guten Dingen, denn die überwiegen doch reichlich. Los geht es dabei schon mit der wunderbaren Story, die auf dem Buch für das Theaterstück "The Man Who Was Peter Pan" von Allan Knee basiert. Die Geschichte des Mannes, der nie erwachsen werden wollte und sich dabei von vier Jungen und ihrer Mutter zu "Peter Pan" inspirieren ließ, ist fein ausgedacht und stimmt eigentlich an allen Ecken. Logiklücken gibt es keine zu entdecken, Längen eben so wenig. So schön rund kann man mit Story und Drehbuch vollends zufrieden sein.
Die Zeichnung der Figuren ist dabei ebenfalls optimal gelungen. Alle wichtigen Charaktere werden einem ausreichend vorgestellt, so das mit ihnen mitfühlen kann und ihr tun und handeln komplett nachvollziehen kann. Allen voran die vier Jungs sind brillant charakterisiert worden. Jeder der eine aufregende Kindheit gehabt hat, dürfte sich, des öfteren, mit ihnen identifizieren können. Mal lustig, mal traurig, mal verspielt, mal besorgt, so wie es wohl eigentlich jeder Junge in ihrem Alter sein dürfte. Und verständlicherweise auch die ideale Inspiration für einen Mann, der innerlich nie erwachsen wurde.
Und hier kommt die wunderbare Verkörperung von Barrie durch Johnny Depp ins Spiel. Er schafft es, in seiner wunderbar wandlungsfähigen Art, das kindliche Gemüt von Barrie auf die Leinwand zu adoptieren. Egal ob er nun mit den Jungs herumalbert oder sich, in seinen Gedanken, die Story um Peter Pan zusammenspinnt, durchgehend bleibt Depp absolut glaubwürdig und ungemein sympathisch. Und manchmal wird man vielleicht sogar etwas wehmütig, wenn man sich klar macht, was man eigentlich alles mit seiner Kindheit abgelegt hat. Warum kann man nicht auch einmal einfach so herumalbern? Warum müssen wir spießigen Erwachsenen eigentlich immer so streng mit alle dem sein, was kindisch aber spaßig ist? Wäre es nicht vielleicht besser, wenn wir wenigstens einen Teil unserer Kindheit beibehalten hätten? Oder haben wir das sogar? Fragen über Fragen, die wohl spätestens jetzt ein jeder für sich selbst beantworten sollte!
Aber auch die Dramatik neben der Inspirationsgeschichte, wird nicht außer acht gelassen. So erfährt der Zuschauer auch einige Dinge aus dem privaten Leben von Barrie. Vor allem von der Beziehung zu seiner Frau, die so gar nicht mit dem kindlichen Gemüt ihres Mannes mithalten kann. Für sie ist ihr Mann zu sehr von der Realität abgehoben und lässt sich zudem noch mit finanziell armen Menschen ein, was zu damaligen Zeiten ja besonders schwierig zu verstehen war, für die mondäne Gesellschaft. Zwar sind diese Szenen aus dem Privatleben der Hauptfigur eher gering verstreut worden, doch unterm Strich passen sie exzellent zum Geschehen und viel mehr hätte es davon auch nicht gebraucht.
Neben der wunderbaren Story wurde aber auch großer Wert auf eine passende Inszenierung gelegt und das spürt man ebenfalls zu jeder Sekunde. Die Atmosphäre, einer Welt am Anfang des 19. Jahrhunderts, wurde mit großen Können auf die Leinwand gezaubert. Allen vor die wunderbaren Kostüme und die mehr als passenden Kulissen, die es schaffen, den Zuschauer mitten in das Geschehen zu ziehen.
Dazu die wunderbar ausgestatteten Fantasieszenen, vor allem was die Schlussfantasie von Sylvia Davies angeht. Alles wurde mit einem immensen Aufwand von Zeit und Kreativität so umgesetzt, dass man die wunderbaren Fantasien fast schon greifen kann. Dazu dann noch eine grandiose Sounduntermahlung, inkl. Musik, die alles noch einmal perfekt zu untermalen versteht. In nahezu jedem Punkt ist die Inszenierung bares Gold wert.
Doch damit kommen wir dann auch zu den (kleineren) Kritikpunkten, die den Film leider dann doch um den "Perfekt-Status" bringen. Denn so wunderbar diese Fantasieszenen auch aussehen mögen, so kitschig wirken sie (zumindest auf mich). Vor allem die oben angesprochene Schlussfantasie von S. Davies, wirkt in ihrer Länge doch etwas zu verkrampft und so manches Detail, wie z. Bsp. diese merkwürdigen Meerjungfrauen, lassen den Kitsch ungehindert aufkommen. Und das ist dann doch etwas schade. Wie schon erwähnt, Ausstattungstechnisch sind diese Szenen eine Wucht, aber vielleicht hätte weniger Firlefanz, doch dem Gesamtbild etwas besser getan.
Und auch das, auf die Tränendrüsen drückende, Ende, hätte nicht sein müssen. Vor allem in der letzten Szene, mit Barrie und Peter Davies auf der Bank, rollen gar mächtig die Tränen. Und wenn es auf der Leinwand tropft, dann tropft es auch bei dem Zuschauer. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Das ist zwar unterm Strich nicht unbedingt etwas schlimmes, doch hier wirkt es dann einfach nur aufgesetzt und ist zudem extrem berechenbar. Auch diesem Punkt hätte man vielleicht noch etwas anders lösen können. Aber nun gut.
Dafür stellen die Schauspieler wieder einmal vollkommen zufrieden. Johnny Depp ist, wie schon erwähnt, absolut brillant in seiner Rolle und haucht dem Schriftsteller wirklich auf dem besten Wege Leben ein. Aber auch Kate Winslet gehört Lob gezollt, denn auch sie beweist einmal mehr, was für eine großartige Darstellerin aus ihr, seit "Titanic", geworden ist. Wäre sie nicht schon für "Vergiss mein nicht" nominiert, so hätte es spätestens hier klick gemacht. Dazu dann noch Dustin Hoffman als gutgläubiger Theater-Produzent und die wunderbaren Darsteller der vier Brüder, allen voran Freddie Highmore als Peter. Im Grunde kann man über absolut niemanden des Essembles, irgend etwas Negatives berichten. Alle machen ihre Sache verdammt gut!
Fazit: Ein wunderbarer Film über eine wunderbare Idee zu einer wunderbaren Geschichte. "Wenn Träume Fliegen lernen" ist dank seiner guten Story, der exzellenten Inszenierung und der bravourösen Darsteller, ein wunderbarer Appell an Kindheit und Fantasie und ein Zeichen dafür, dass man selbst als Erwachsener noch seinen kindlichen Spaß am Leben haben kann, wenn man sich nur genug davon beibehalten hat. Auch wenn es an einigen Ecken etwas zu kitschig wird und das Ende unnütz auf die Tränendrüse drückt, so bleibt unterm Strich trotzdem ein Film, der schöner kaum sein könnte. Vielleicht nicht unbedingt Oscarreif, aber man kann gut damit leben!
Wertung: 8/10 Punkte