Biopics sind ja oft eine überlange und dröge Angelegenheit, doch Marc Forsters „Wenn Träume fliegen lernen“ bietet da eine kurz(weilig)e Ausnahme, auch wenn hier nur bedingt auf historische Authentizität gesetzt wird.
Der Film basiert auf dem Buch „Finding Neverland“ (so auch der Originaltitel), dass die Biographie des „Peter Pan“-Autors J.M. Barrie schon mal in einen Erzählfluss presst. Eine Komplettbiographie wie bei einem waschechten Biopic hat man hier nicht vor sich, stattdessen befasst sich „Wenn Träume fliegen lernen“ mit einer kurzen Zeitspanne in Barries Leben, nämlichen jenem Zeitraum, in dem er Nimmerland erschuf.
James Matthew Barrie (Johnny Depp) hat als Bühnenautor nicht den gewünschten Erfolg mit ernsthaften Stücken, trotz der Unterstützung durch den Theaterbesitzer Charles Frohman (Dustin Hoffman). Ein Erfolg muss her und eines Tages lernt der Kindskopf die Witwe Sylvia Llewelyn Davies (Kate Winslet) und ihre vier Söhne kennen. Er spielt mit den Kindern und erlangt so langsam die Ideen für „Peter Pan“. Doch gleichzeitig entfremdet er sich noch weiter von seiner Frau Mary (Radha Mitchell) und sorgt für Gerüchte verschiedenster Sorten…
„Wenn Träume fliegen lernen“ ist eine runde, unterhaltsame Sache, doch ein Meisterwerk ist Marc Forster leider nicht ganz gelungen. Grund hierfür ist die Tatsache, dass „Wenn Träume fliegen lernen“ sich stellenweise etwas oft wiederholt: Die Kindereien, die Barrie und die Söhne anstellen, sind zwar originell bebildert, zeigen den Fluss von Barries Ideen, bringen die Handlung aber oft nicht wirklich weiter. Doch interessanterweise ist gerade die „Peter Pan“-Entstehung hier mehr eine Art roter Faden und gar nicht so wichtig im Hinblick auf den Film.
Im Fokus von Forsters Film stehen viel mehr die Charaktere, allen voran natürlich Barrie. Barrie hat sich sein kindliches Gemüt bewahrt, selbst in jenen Lagen, die alles rosig sind: Barrie verliert viel und die Frage ist, inwiefern der Erfolg von „Peter Pan“ dies kompensieren kann. Auch die anderen Figuren sind nie so wirklich glücklich: Die Söhne leiden unterschiedlich unter dem Tod ihres Vaters, Sylvia ist schwer krank und Mary hingegen merkt, dass die Ehe mit James nicht das ist, was sie sich davon versprochen hat.
Doch genau diese Schicksale schildert Forster ziemlich ergreifend, vor allem in der letzten halben Stunde, in der sich viele Konflikte noch mal zuspitzen. Doch „Wenn Träume fliegen lernen“ vermeidet dennoch unnötigen Kitsch und wirkt auch in den traurigen, emotionalen Szenen immer noch warm und nicht wie ein Werk, das künstlich auf die Tränendrüse drückt. Lediglich einige Figuren werden etwas verschenkt: Charles ist bestenfalls ein Stichwortgeber und auch Sylvias Mutter Emma du Maurier (Julie Christie) darf erst gegen Ende des Films eine Charakterentwicklung durchmachen.
Dies ist auch ein wenig schade, da es die guten Schauspielerleistungen von Christie und Hoffman ein wenig schmälert. Doch auch der Rest des Ensembles spielt große Klasse und darf dann zu den Ehren kommen, die er verdient. Allen voran steht ein mal wieder genialer Johnny Depp, der wohl die Idealbesetzung für diese Rolle ist. Kate Winslet und Radha Mitchell als gegensätzliche Frauenfiguren im Leben des Autors sind fast ebenso gut und auch die Kinderdarsteller sind für ihre Verhältnisse relativ eindrucksvoll.
Aufgrund einiger Wiederholungen und kleinerer Längen in der Story ist „Wenn Träume fliegen lernen“ kein Meilenstein geworden, doch ein ehrliches, kurzweiliges Drama mit der richtigen Portion Herz ist hier trotzdem geglückt.