Daß Jim Carrey nicht immer den grimassenziehenden Komiker rauszuhängen lassen braucht, beweist Michel Gondry mit "Vergiss mein nicht!" auf eindrucksvolle Art und Weise. Er erzählt die bewegende, traurige und zugleich schöne Geschichte zweier Liebender, die einander vergessen wollen, den jeweils anderen aller Hightech zum Trotz jedoch nicht vollkommen aus ihren Herzen und Erinnerungen tilgen können. Wieder einmal gilt es: Wahre Liebe lässt sich nicht einfach auslöschen. Sie findet immer ihren Weg, selbst wenn damit zahlreiche Probleme einhergehen.
Eine solch beeindruckende Performance, wie sie Jim Carrey hier abliefert, hätte ich ihm bisher schlicht nicht zugetraut und wohl alle, die selbiges getan hätten, postwendend für verrückt erklärt. Seinem introvertierten Charakter Joel verleiht er ein äußerst glaubhaftes Profil, mit dem sich der Zuschauer schnell identifizieren kann - Wahrscheinlich aus dem naheliegenden Grund, daß keine in ihrem Kern übermäßig konstruierte Geschichte erzählt wird, sondern ein Schwenk aus dem Leben eines an sich unbedeutenden Menschen, der mit Problemen zu kämpfen, die ein jeder von uns kennt.
Es gibt hier keinen Helden, keine ultimative Lösung: Liebe lässt sich nicht erzwingen oder gewaltsam verneinen, denn ihr Weg ist vorgezeichnet und wir haben keinen rechten Einfluss darauf.
Neben Jim Carrey glänzt hier vor allem Kate Winslet als Clementine, die sich in einer sehr ähnlichen Situation wie Joel befindet, wenn gleich ihr Charakter doch ein ganz anderer ist. Extrovertiert, das Leben in vollen Zügen geniessend ist auch ihr Charakter letztlich Opfer der Einsamkeit.
In weiteren Rollen finden sich u.a. "Frodo" Elijah Wood und Kirsten Dunst, die ebenfalls auf ihre Weise mit der Liebe und ihren Tücken zu kämpfen haben. Ein toller Cast, bei dem einzig "Frodos" etwas eigenartiger Kurzhaar-Eierkopf nach Jahren des Ringkrieges ein wenig aus dem Rahmen fällt.
Ok, ein klein wenig Comedy konnte sich Jim Carrey während der Flucht in seine Kindheitserinnerungen schließlich doch nicht verkneifen aber dem sehr ernsten Grundtenor des Filmes tut dies keinerlei Abbruch. Mit einer Komödie haben wir es hier keinesfalls zu tun! Vielmehr dürfte der Film bei entsprechender Depri-Gefühlslage zunächst einen genau gegenteiligen Effekt auslösen, bei dem man nur hoffen kann, daß sich betreffende Menschen schnell der eigentlichen positiven Botschaft des Filmes bewusst werden.
Viel zur Authentizität des Filmes trägt seine tolle Inszenierung bei. In nüchternen, oft sogar trostlosen Bildern wird der Zuschauer durch die Gefühlswelt unserer Protagonisten getragen. Wenn Joel und Clementine schließlich im symbolschwangeren Schneetreiben verschwinden und der musikalisch absolut erstklassig unterlegte Abspann beginnt, ist es beinahe, als würde man aus einem Traum erwachen.
"Vergiss mein nicht!" ist ein extrem stimmungsvoller und einvernehmender, kitschfreier Gefühlstrip. Ein nahezu perfektes Filmerlebnis, frei von lauten Effekten und abseits altbekannter Filmkonventionen.