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Charlie Kaufmann ist ein merkwürdiger Autor, seine Werke sind sehr grotesk und exzentrisch auf der einen Seite, aber immer wieder erfrischend anders und intelligent auf der anderen Seite. Als Drehbuchautor ist er genau das, was das kränkelnde Hollywood im Moment gebrauchen kann.
Seine Massentauglichkeit ist zwar öfter nicht wirklich gewährleistet, aber wer sich auf seine Geschichten einläßt, den erwartet zumeist eine irr- und hintersinnige Achterbahnfarce der böseren (aber gut bösen) Sorte.
Vergiß mein Nicht bildet da keine Ausnahme, auch dies ist im positiven Sinne gemeint.

Wir erleben einen am Boden zerstörten Jim Carrey, den seine Freundin Kate Winslet verlassen hat, und sich per Eingriff sämtliche Erinnerungen an ihn hat entfernen, nur um keinen Trennungsschmerz zu verspüren, so daß sie ihn gar nicht mal mehr auf der Straße erkennen würde.
Aus demselben Grund entschließt sich Jim Carrey zu selbem Schritt. Langsam wird bei ihm dieser Eingriff durchgeführt, und alles geht eigentlich ganz gut.
Bis sich sein Unterbewußtsein zu Wort meldet und plötzlich mit allerlei Tricks und Kniffen versucht, Kate Winslet doch noch im Bewußtsein zu speichern.
In Jim Carreys Kopf entbrennt ein irrwitziger und herzzerreißender Kampf um seine große Liebe, wird sein Unterbewußtsein den Sieg davon tragen oder die Programmierung?

Was sich wie ein Science-Fiction-Film anhört, ist eine bittersüße Romantik-Parabell, die besagt, dass sogar Liebeskummer dazu gehört.
In rührenden Episoden wird dem Zuschauer in einfachen aber sehr wirksamen Einstellungen vor Augen geführt, was für ein schönes Gefühl und was für wichtige Erlebnisse im leben eines Menschen einfach so ausgelöscht werden. Ohne diese Erinnerungen sind wir vielleicht sogar dazu gezwungen, dieselben Fehler immer und immer wieder zu wiederholen.
Der Film ist eine einzige Verbeugung vor dem ganz großen Gefühl und all seiner Konsequenzen, ob gut oder schlecht.

Insofern ist er der vielleicht intellektuellste Liebesfilm (zumindest der letzten Jahre), was ihn aber nicht unbedingt schlechter macht.
Im Gegenteil, die verschachtelte Erzählstruktur, die recht nüchtern gehaltene Athmosphäre, welche nicht ungefähr ein bißchen an Being John Malkovich erinnert (übrigens auch ein Charlie Kaufmann-Gespinst), der spärliche Einsatz von Musik macht das Filmerlebnis fast schon zu einer Tortur, wie sie Jim Carreys Unterbewußtsein erlebt, nur ist es in diesem Falle eine schöne Tortur.
Der Film und seine Message sind einfach wunderschön, auf eine schäbige Art und Weise, vielleicht auch eher für Männer zugänglich als für Frauen, aber sehr romantisch.

Und Jim Carrey beweist hier wieder einmal, dass er in der Tat ein begnadeter Schauspieler ist und völlig zu unrecht nur in der Schublade des ewigen Witzboldes gefangen ist. Jeder seiner schauspielerisch äußerst ansprechenden Leistungen ist finanziell zum Scheitern verurteilt, was wirklich sehr schade ist, da er das Zeug zu einem grandiosen und stillen Charakterdarsteller hat, nicht unähnlich Tom Hanks.
Es tut einem in der Seele weh, wenn er sich nicht wehren kann, als Kate Winslet immer weiter ausgelöscht wird aus seinem Bewußtsein. Und es tut einem in der Seele weh, als er wegen ihr weint.
Kate Winslet hingegen liefert wieder einmal eine solide Leistung ab, aber sie war schon mal besser drauf, wirkt als hätte sie den Autopliot eingeschaltet.
Doch die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt auf jeden Fall.
So ist es auch bei allen anderen Akteuren, der gesamte Film, so einfach seine Athmosphäre gehalten ist, vereint wirksam und effizient alle Talente zu einem kleinen Meisterwerk.

Alles in allem ist Vergiß mein Nicht ein schönes Erlebnis, das man so schnell nicht vergessen sollte, insofern paßt der deutsche Filmtitel schon ganz schön,obwohl er den surrealen Charakter nicht ganz zu erfassen vermag wie der englische Originaltitel.

9 Punkte

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