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Wann auch immer Charlie Kaufman den Bleistift wetzt und ansetzt ein neues Drehbuch zu verfassen, so kann man sich als geneigter Zuschauer schon einmal voller Vorfreude auf ein originelles Stakkato der Absurditäten mit einem Einschlag von Genialität genüsslich zurück lehnen und den Kino- bzw. den DVD-Start voller Neugier entgegenblicken. So war er es doch, der uns in „Being John Malkovich“ in das Gehirn des Superstars blicken ließ, und auch in „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ nimmt er uns mit auf einen irrwitzigen Ausflug in die Untiefen des menschlichen Verstandes.

Jim Carrey, seinerseits als distinguierter Blödelkomiker bekannt, bewies schon im „Mondmann“, dass er auch anders kann und ebenso im Stande ist, ernstzunehmende Charakterrollen zu bewältigen. Auch in „Vergiss mein nicht!“ spielt er so tragend und ersprießlich wie selten zuvor, sodass man sich jemand anderen in dieser Rolle nur sehr schwer vorstellen könnte. Aber auch die weiteren Rollen sind mit Kate Winslet, Elijah Wood und Mark Ruffalo mehr als ansprechend besetzt.

Regisseur Michel Gondry („Human Nature“) weigert sich in seinem Werk stets eine logisch wirkende Storyline aufzubauen. Oftmals tappt man als Zuschauer im Dunkeln – Ist das Gesehene real oder nur eine weitere greifbar demonstrierte Erinnerung Barishs (Carrey), welche gleich aus seinem Hirn entwendet werden soll? In der nächsten Szene befinden wir uns plötzlich in einem anderen Raum - einer anderen Zeit. Doch Gondry schafft es auf eine erstaunliche Art und Weise der Geschichte eine innere Logik zu verpassen. Die gezeigten Erinnerungen sind in ihrer Abfolge genau den echten zeitlichen Erfahrungen aus dem realen Leben Barishs nachempfunden, wodurch die, im Vorhinein nur durch einen sehr langen Prolog angedeutete, Liebesbeziehung zwischen den beiden Protagonisten substantiell wird, ja sogar, durch den Aspekt, dass jene Erinnerung gleich gelöscht werden wird, emotionaler als in jedem anderen Film der Marke „romantische Tragikkomödie“. Michel Gondry macht es dem (Mainstream-)Publikum wahrlich nicht leicht… Auch die Musik von Jon Brion, die fortwährend eingesetzt wird, verdeutlicht das Konglomerat aus Realität und putativer Wirklichkeit mit ihren oftmals schrägen Tönen, wobei an anderen Stellen das Schöne und Endliche ausgedrückt wird, wodurch dem Film stets etwas Melancholisches anhaftet. Selten war der Einklang zwischen Musik und Bild wirkungsvoller als hier.

Vor allem zu Beginn hat der Film oftmals den Anschein eines Dogma-Streifens: Wackelkamera, das fahle Setting und auch die burleske Stimmung lassen nicht auf eine Hochglanzproduktion schließen, die immerhin knappe 30 Mio. Dollar verschlang. Und dennoch lassen sich in jeder Szene immer wieder Details erblicken, welche das ganze Spektrum unseres Verstandes gar nicht aufzufassen vermag. Jedes erneute Ansehen des Films lässt uns auch immer wieder neue Einzelheiten der Erinnerungen Burlishs entdecken. Ein wahres Erlebnis!

Mit einem Hauch von Genialität und der unkonventionellen, wie auch originellen Erzählweise der irrwitzigen, aber schlichtweg fantastischen Story, entpuppt sich „Vergiss mein nicht!“ als wahrer Stern am Kinohimmel.
9/10

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