"Eternal Sunshine of a spotless mind" heißt dieser großartige Film im Original und deutet bereits mit dem Titel an, dass es sich hierbei um ein ungewöhnliches Werk handelt:
Der introvertierte Joel (Jim Carrey) wacht eines Morgens auf, doch anstatt normal zur Arbeit zu gehen, treibt ihn irgendetwas per Bahn in den kleinen Ort Montauk, wo er am Bahnsteig bzw. auf der Rückfahrt die impulsive, leicht durchgeknallte Clementine (Kate Winslet) kennen lernt, in die er sich auf Anhieb verliebt.
Als Clementine Joel anschließend vorschlägt, bei ihm zu übernachten, und sich bloß die Zahnbürste holen will, beginnt der Film erst mit dem Vorspann quasi von neuem.
Nun erfahren wir, dass Clementine und Joel ein Paar waren, doch Clementine hat sich mit Hilfe eines genialen Wissenschaftlers (Tom Wilkinson), sämtliche Erinnerungen an Joel aus ihrem Gedächtnis löschen lassen.
Joel, bitter enttäuscht, will nun dieselbe Prozedur durchmachen, und wendet sich an die gleiche Firma...
Diese Gedankenmanipulation findet nun in seinem eigenen Schlafzimmer statt, damit er am nächsten Morgen ohne Verdacht und Erinnerungen an Clementine aufwacht.
Und jetzt beginnt der Film so richtig, denn die Techniker, die diesen Vorgang durchführen( u.a. Elijah Wood), sind eher am Alkohol, Joints und ihren Freundinnen (u. a. Kirsten Dunst) interessiert als an der Überwachung des hochkomplizierten Verfahrens und die Dinge beginnen, aus dem Ruder zu laufen...
Obwohl im Anschluss noch so Vieles passiert, soll an dieser Stelle nicht mehr zum Inhalt verraten werden, sonst würde der Spaß deutlich darunter leiden!
Kommen wir also zur Kritik:
Das Drehbuch dieses Films hat Charlie Kaufman verfasst, der bereits die Vorlagen zu solch unkonventionellen Meisterwerken wie "Being John Malkovich" und "Adaptation" geschrieben hat.
Hier hat er in Regisseur Michel Gondry, der sich in der Musikvideobranche mit besonders ausgefallenen Clips einen Namen gemacht hat, einen kongenialen Partner gefunden.
Der Grossteil des Films spielt sich nämlich in Joels Gedächtnis ab.
Während die Techniker versuchen, die Erinnerungen an Clementine zu löschen, nimmt uns Gondry auf eine einzigartige Reise durch die Erinnerungen, Assoziationen und Gedanken von Joels Gehirn und das wurde visuell so überragend eingesetzt, dass man aus dem Staunen und Grinsen nicht mehr herauskommt.
Joel und Clementine "laufen" durch die verschiedenen Stationen in Joels Leben; das klingt so absurd und wurde doch perfekt umgesetzt; die unzähligen Special-Effects und Regie-Spielereien Gondrys wirken unglaublich echt und "verschmelzen" geradezu mit dem Rest des Bildes.
Vor allem die Szenen, die in Joels Kindheit spielen, sprühen geradezu vor Ideenreichtum und der Freude an unkonventionellen Regiespielereien
(z.B. wenn der "erwachsene" Joel in Kindesgröße mit Clementine im Spülbecken sitzt; Häuser in seinem Gedächtnis einstürzen; einzelne Gedanken miteinander verknüpft werden, usw...).
Doch "Eternal Sunshine..." ist viel mehr als nur ein lustiger Augenschmaus und visueller Overkill;
er ist philosophisch/kritisch( was hat es für Konsequenzen, wenn wir versuchen, jemanden aus unserem Gedächtnis zu löschen?) und er ist vor allem einer der schönsten Liebesfilme, die ich kenne;
auf eine herrlich unkitschige, vollkommen absurd-durchgeknallte Art; nachdenklich, traurig und trotz allem extrem positiv und lebens- bzw. liebesbejahend.
Getragen wird er zusätzlich durch seine fantastischen Hauptdarsteller:
Jim Carrey knüpft nahtlos an seine anspruchsvollen Rollen aus "Truman Show" und vor allem "Der Mondmann" an und spielt den melancholisch-sympathischen Joel wunderbar "lebensecht".
Kate Winslet spielt die verrückte Clementine mit einer solchen Lebenslust und Impulsivität, dass man sich ihrem Charme kaum entziehen kann.
Die beiden sind wirklich top-besetzt und geben dem Film genau die Menschlichkeit, die ihn in Verbindung mit der verschachtelten Erzählung und den furios-witzigen Bilderstürmen zu einem der besten und innovativsten Werke des neuen Jahrtausends macht.
10/10 Punkte:
die Höchstnote für einen der absurdesten Liebesfilme, der darüber hinaus noch so viel mehr zu bieten hat.