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Blau, die Farbe der Schwermut, und dann "Everybody's got to learn sometime", ein vertonter mentaler Tiefpunkt. Hier wird, trotz des stimmungserhellenden Cast, offensichtlich eher schwere Kost serviert. Doch dann erstmal eine verspielte Liebelei, etwas schräg, aber charmant. Keine einfachen Charaktere, aber süß, die Beiden. Wenn Yin und Yan aufeinandertreffen, entsteht ein Kreis, bei Feuer und Wasser aber auch der Verlust eines der Elemente. Die Weichen waren also doch gestellt für einen Schlag in die emotionale Magengrube. Und der sitzt und trifft vermutlich den Hauptteil der Zuschauer. Die große Liebe, die große Liebe, die man im drögen Alltag nicht immer zu schätzen weiß, die große Liebe, die man leichtsinnig verliert, die große Liebe, die aus jenem Verlust-Frust, als das Wunderbare, was sie mal war, frevelhaft aus dem Kopf gedrängt wird. Unsere ganzen Emotionen sind technisch gesehen alle im Gehirn, nicht „Herz“, darauf basiert der surreale Hintergrund der Geschichte, der einer computerbasierten Erinnerungslöschung. Solche Manipulation war allerdings noch nie eine gute Idee und außerdem, wo ein Fünkchen lodert, da ist auch immer noch Hoffnung und darauf basiert unser Sein. Damit die Umsetzung des Buches von Charlie Kaufmann nicht zu einer von vielen wird, setzt Regisseur Michel Gondry auf kreative technische Mittel, greift den Ursprung des Kinos auf, die lebendige Projizierung einer Fantasie. Eine nicht chronologische Erzählung, praktische Effekte für die Zwischenwelt zwischen Erinnerung und Paralyse, stimmungsbezogene Licht- und Farbgebung, Handkamera, plötzliche Schnitte, schräge Toneffekte und generell ein melancholischer Soundtrack. Oft wirkt das improvisiert, versetzt uns aber nach gut umgesetzten Drehbuch-Plan wirksam in die Stimmung der Akteure.
Die großen Achtungszeichen sind die beiden Hauptdarsteller in ihren eher nicht erwartbaren Rollen. Nun gut Kate Winslet ist irgendwie doch wieder Rose, liebreizend, nur noch etwas überdrehter. Jim Carrey zeigt erneut, dass mehr in ihm steckt als der Pausenclown. Die Chemie ist wunderbar, die Liebesgeschichte berührt. Eine Seelenverwandtschaft, die nicht unrealistischen Perfektions-Kitsch bedeutet. Wo Glück wartet, weiß man auch, was Schmerz bedeutet, wo gut ist, gibt es auch schlecht. Dieser Moment, wo Joel und Clementine endlich über so etwas sprechen, ist der, wo sie vermutlich wirklich zueinander finden.

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