Review

"If only" I wär' bloß nicht in the Sneak gegangen!!!

Die Amerikanerin Samantha (Jennifer Love Hewitt) und der Engländer Ian (Paul Nicholls) leben in London in einer vermeintlich glücklichen Beziehung. Ian ist Verkäufer im Bereich der Gentechnologie und muss am heutigen Tag eine wichtige Präsentation halten. Samantha ist Grundschullehrerin für Musik, studiert aber eigentlich am Konservatorium und hat am Abend desselben Tages ihr Abschlusskonzert.

In "If only" geht es nur um diesen einen Tag, der einen ach so schicksalhaften Verlauf nehmen wird. Schon früh geht recht viel schief: Ians Uhr geht kaputt, Samantha schüttet sich Cola über die Bluse. Und als Samantha zuhause feststellt, dass Ian die Mappe für seine Präsentation vergessen hat, platzt sie mitten in das Meeting, um dann festzustellen, dass Ian eine andere Mappe hat. Statt aber schnell das weite zu suchen, plappert sie einfach drauflos und vermasselt an so das Geschäft.
Spätestens hier hätte man fluchtartig den Kinosaal verlassen sollen, denn was eigentlich witzig wirken soll, ist einfach nur blöd und unrealistisch.

In der Schule von Samantha begegnet Ian dann noch ein kleiner Junge, der in deren Abwesenheit Samantha mit den Worten lobt: "Ach, wäre ich doch bloß ein paar Jahre älter!" Ach je!

Am Ende des Tages stellt Samantha recht unmotiviert fest, dass Ian nur an sich denkt und nicht gelernt hat, wie man liebt und macht mit dem völlig verdutzen Ian Schluss (das ganze natürlich im Regen!!!).

Ach ja, und dann ist da noch der Taxifahrer, gespielt von Tom Wilkinson, dem Ian im Verlauf des Tages mehrfach begegnet und der ihm ungefragt den Rat gegeben hat: "Lieben Sie sie einfach!" Und genau in dieses Taxi steigt Samantha ein, nachdem sie mit Ian Schluss gemacht hat. Das Taxi hat kurz darauf einen Unfall und Samantha stirbt! Ohhhhhh, wie traurig!

Der bis dahin unentschlossene Film hätte hier ein recht frühes aber für den Zuschauer noch erträgliches Ende nehmen können. Aber weit gefehlt!

Denn jetzt ist es plötzlich wieder Morgen, Ian wacht auf und kriegt einen riesigen Schreck, als er Samantha, die er am Vorabend noch so herzzerreißend beweint hat, plötzlich – leider wieder lebendig - neben ihm liegt.
Im Zuschauer dennoch keimt Hoffnung auf: Vielleicht handelt es sich bei "If only" ja um eine umständliche Variante von "Und täglich grüßt das Murmeltier" und der belanglose Film nimmt jetzt endlich Fahrt auf.
Vieles deutet darauf hin: Die Uhr geht wieder kaputt, die Cola wird wieder verschüttet und Ian trifft einen alten Mann, der seine Freundin mit den Worten lobt: "Ach, wäre ich doch nur ein paar Jahre jünger!".
Aber viel zu spät wird in einem Gespräch mit dem Taxifahrer klar, den Ian auch an diesem Tag mehrfach trifft, dass gestern auch gestern war. Waren die Erlebnisse des vergangen Tages also nur ein Traum? Das wird wohl ein Geheimnis der Macher von "If only" bleiben.

Ian versucht natürlich angesichts der Wiederholungen vom letzten Tag zu vermeiden, dass Samantha abends in das Taxi steigt und fährt mit ihr nach dem jetzt komischerweise erfolgreichen Meeting weg. Und beide erleben einen ab jetzt völlig anderen, aber leider immer noch völlig blöden, klischeehaften und schnulzigen Tag.
Und nach vielen Gesprächen und dem obligatorischen Sex (auf einer einsamen Hütte vor dem Kamin!!!) kehren beide wegen des Konzerts von Samantha dann plötzlich doch wieder nach London zurück???

Ian hatte im Laufe des Tages davon erfahren, dass Samantha einen Song für ihn geschrieben hat, interessiert sich jetzt natürlich nicht mehr für seine Karriere, sondern findet den Song so toll, dass er flugs die Noten kopiert, mal eben dem Orchester die Noten vor dem Konzert zukommen lässt und nach dem Konzert springt er beherzt auf die Bühne, zerrt die völlig überraschte Samantha zu sich und die singt dann nach anfänglicher (und schlecht gespielter) Zurückhaltung voller Inbrunst ihren Song. Dabei wird sie natürlich von dem Orchester begleitet, das den Song natürlich ohne viel Übung perfekt runterspielt.

Wie wird der Tag zu Ende gehen? Wird Samantha in ihr Taxi steigen? Wird sie sterben? Wird Ian ein drittes Mal den gleichen Tag erleben?
Fragen, deren Beantwortung eigentlich niemanden interessieren.
Aber wer nach meiner bewusst detaillierten Inhaltsschilderung immer noch nicht den Spaß an „If only“ verloren hat und sich den Film trotzdem noch antun will, dem möchte ich wenigstens das wirklich überraschende, aber leider auch sehr seltsame Ende des Films vorenthalten.

Man hätte eigentlich schon beim Vorspann von „If only“ misstrauisch werden sollen, denn da stand doch tatsächlich auch als Produzentin Jennifer Love Hewitt. Und in „If only“ zeigt uns die junge Dame auf schmerzliche Weise, was sie sich unter Romantik vorstellt.
Bitter! Ganz bitter!
Aber Love Hewitt singt ja auch in dem Film, und zwar gleich zwei Songs, die sie auch noch selbst geschrieben hat. Da hätte sie sich das Geld für den Film lieber sparen, die Songs im Studio aufnehmen und auf diese Weise versuchen sollen, mit dem Quark ein paar Kröten zu verdienen.

Aber auch schauspielerisch bewegt sich Love-Hewitt am unteren Limit. Entweder sie grinst wie ein Honigkuchenpferd (Das grinsen kann sie offenbar einschalten, wann immer sie es braucht.), oder sie flennt oder sie zeigt uns ihre bei dem so liebesunfähigen Ian um Verständnis bettenden großen Augen, die aufgrund ihrer Bulimie im Endstadium noch besser zur Geltung kommen, oder wie sie in Unterwäsche aussieht. Wen’s interessiert …???
Der arme Paul Nicholls, der in dem Film hauptsächlich gut aussehen soll und ansonsten eher als Stichwortgeber fungiert, dürfte sich mit diesem Film wohl seine Karriere verschissen haben.
Und was Tom Wilkinson geritten hat, die Rolle des mysteriösen Taxifahrers anzunehmen, weiß nur sein Agent.
Der Regisseur Gil Junger war in der Vergangenheit meist für’s Fernsehen tätig und sollte in Zukunft auch wieder dort arbeiten. Der Episode einer TV-Serie dürfte er eher gewachsen sein, als einem abendfüllenden Spielfilm.

„If only“ funktioniert weder als schmissige Beziehungskomödie (Im gesamten Film ist nur ein einziger echter Lacher, den ich den ganz harten Romantikern zu Liebe hier nicht verraten werde.), noch als berührendes Beziehungsdrama (Dazu sind die Wendungen der Story zu seltsam und die Schauspieler zu schlecht .).
Jedes noch so abgegriffene Klischee wird verwurstet, jede verfügbare Tränendrüse gedrückt. Doch statt Anteilnahme am Schicksal der Protagonisten macht sich beim Zuschauer nur Langeweile, Unverständnis und Belustigung breit.
Aber vielleicht hat der Verleih ein Einsehen und bringt den wohl schon 2003 entstandenen Film erst gar nicht in die Kinos.
3/10

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