Im mittlerweile siebten Kinofilm um die Impossible Mission Force dreht sich alles um einen Schlüssel. Von dem kaum einer weiß, was er macht. Dennoch sind alle hinter dem kleinen, aus zwei Teilen bestehenden Ding her und so natürlich auch Ethan Hunt und seine Truppe, denn der Schlüssel steht mit einer künstlichen Intelligenz in Zusammenhang, deren Besitz über Gedeih und Verderb der Menschheit entscheiden könnte.
Und so ist Hunt mit seinem Team über zweieinhalb Stunden auf der Jagd nach den kleinen Objekten mit den Blinklichtern – und diese Zeit ist nicht immer spannend ausgefüllt. Irgendwann merkt man die Laufzeit dann doch, was eben am Plot liegt, der nicht so komplex ist, wie einem das Skript glauben machen will. Da ergeht es sich manchmal in bedeutungsschwangeren und pathetischen Dialogen, die man gerne hätte abkürzen dürfen. Hier zelebriert das Skript eine Cleverness, die es nicht besitzt, was den Streifen aber immer wieder in die Länge zieht. Auf dieser Ebene verkauft sich „Dead Reckoning“ größer als er ist. Und das auch, weil die ersten Minuten dem Publikum einen Wissensvorsprung geben, den die Figuren auch zum Ende des Films nicht erreicht haben.
Was er aber kann, das sind wieder die Action und Stunts. Das sieht chic aus und besitzt oft Unterhaltungswert. Wobei die Verfolgungsjagd in Rom bei aller Qualität arg geschwätzig ist, dauernd müssen Worte mehrfach wiederholt werden, was irgendwann auf den Keks gehen kann. Dennoch macht die Sequenz Laune, dazu bekommt man noch (ein sehr leeres) Venedig, Abu Dhabi oder die Alpen zu sehen (die teilweise in Norwegen liegen). Die Drehorte sind allesamt ansprechend in Szene gesetzt und kompetent gefilmt ist Hunts siebtes Leinwandabenteuer trotz des mitunter nicht immer hübsch digital ergänzten Looks auch. Der Score von Lorne Balfe dagegen dröhnt und hämmert oft uninspiriert aus den Boxen.
Der Cast wartet mit vielen bekannten Gesichtern auf. Allen voran natürlich Tom Cruise, es ist einfach seine Reihe und die Figur spielt er aus dem Effeff. Er rennt und schaut ins Nichts, wenn er bedeutungsschwangere Zeilen vorträgt. Alles wie gehabt, was auch für die Selbstausführung mancher Stunts gilt, bei denen ich mich Frage, welche Versicherung sich hier eigentlich ruinieren möchte.
Zudem gibt es ein Wiedersehen mit Simon Pegg und Ving Rhames als Hunts Mitstreiter. Sie bleiben letztlich ergänzendes Material und kommen Cruise nicht in die Quere, dennoch bleiben sie merklich ein nicht unwichtiger Bestandteil des Teams. Mit Hayley Atwell, Rebecca Ferguson oder Pom Klementieff hat man sehr kompetente Damen am Start, mit Esai Morales dafür einen blassen Gegenspieler. Wobei diese Position eigentlich der mysteriösen KI gehört. Doch bleibt alles rund um die sogenannte Entität zu nebulös, um wirklich fesseln zu können. Ein Auge auf Bildschirmen, da hat sich das Kreativteam wirklich ausgetobt. Vielleicht liefert die Fortsetzung hier noch etwas mehr. Notwendig wäre es und das zugrundeliegende Thema gäbe das auch her. Es ist letztlich verwunderlich, dass man es in über 160 Minuten nicht geschafft hat, den Plot auch mit einer spannenden Geschichte zu bestücken. Lieber dreht man sich in manchen Dialogszenen über diese Entität mit ernsten Mienen im Kreis.
Was ebenso verwundern mag, auch wenn dies wohl ein recht subjektives Meckern ist: Der Film beginnt mit einem russischen U-Boot, die Sprache ertönt entsprechend. Um dies für das lesefaule Publikum einfacher zu gestalten, schwenkt die Tonspur langsam ins Englische um, lässt die Personen dann aber mit russischem Akzent sprechen. Das ergibt inszenatorisch nun einmal gar keinen Sinn. Ebenso, dass man nach einer halben Stunde einen zappelig geschnittenen Vorspann bekommt, der allerlei Szenen aus dem folgenden Film einspielt. Kann man so machen, sollte man aber nicht.
„Dead Reckoning, jetzt nicht mehr Part One“ hat die üblichen Stärken der Filmreihe und vermag gerade in den Bereichen Stunts und Action was zu liefern, wenn er auch nicht das Highlight der Serie darstellt. Dennoch kann er hier was. Was man von der Geschichte und ihrer teils zähen und unnötig schwafeligen Inszenierung nicht behaupten kann. Der siebte Teil rechtfertigt seine Überlänge nicht, kann aber über manche Strecke ausreichend unterhalten. Vielleicht ergibt er mit seiner kommenden Fortsetzung noch ein besseres Ganzes. Bis dahin ist er eben ein okayes Abenteuer mit bekannten Figuren nach bekanntem Muster.