Den Beruf als Dirigenten stellt man sich auf den ersten Blick relativ einfach vor, denn der benötigt schließlich nur Pult und Taktstock und spielt nicht einmal ein Instrument. Er ist jedoch dafür verantwortlich, bei teils mehr als 40 Instrumenten eventuelle Schwachstellen herauszuhören, er gibt das Tempo und die Lautstärken an und verpasst dem Werk durch seine Bearbeitung eine spezielle Handschrift. Jene Leidenschaft fehlt dem Streifen des Regisseurs Bruno Chiche.
Soeben hat Dirigent Denis (Yvan Attal) einen wichtigen Musikerpreis erhalten, doch sein Vater Francois (Pierre Arditi) blieb der Verleihung fern. Als Francois einen Anruf erhält, er könne Leiter der Mailänder Scala werden, ist die Euphorie bei dem über 70jährigen groß, sich endlich seinen Lebenstraum zu erfüllen. Dumm nur, dass der Anruf seinem Sohn galt, welcher sich nun nicht traut, seinem Vater die Wahrheit zu sagen…
Das Vater/Sohn-Drama, das anbei einen Musikfilm verkörpert, ist leider recht unausgegoren geraten. Denn einerseits mangelt es bei dem Generationenkonflikt mit den Schwerpunkten Neid und Rivalität an Tiefe und einem Background, warum es zwischen den beiden knirscht. Und andererseits versäumt es der Stoff, Konflikte auszutragen, wenn bezeichnenderweise ein klärendes Gespräch nahezu ohne Worte verläuft. Hier bedarf es einiger Nebenfiguren, welche überhaupt erst dazu beitragen, einen Fortschritt zu erzielen.
Auf der anderen Seite ist wenig von der Leidenschaft während des Dirigierens zu spüren, obgleich zwischen Rachmaninow, Beethoven und Mozart genügend Raum dafür wäre. Im Gegenteil offenbaren recht viele Schnitte, dass es mit dem Rhythmusgefühl der Schauspieler womöglich nicht so gut bestellt ist, wogegen die Mitglieder des jeweiligen Orchesters in jeder Hinsicht für Authentizität sorgen. Wer Klassik mag, kommt insofern locker auf seine Kosten.
Darstellerisch stehen natürlich die beiden Titelgebenden im Mittelpunkt, welche mit recht unterschiedlichen Attitüden performen. Attal übt sich in Zurückhaltung, welche zuweilen etwas lethargisch anmutet, was allerdings die Wortkargheit seiner Figur untermauert. Arditi bringt da mehr Präsenz mit und verkörpert den strengen Dirigenten mit deutlich mehr Nuancen. In Nebenrollen kommen Schauspielerinnen wie Miou-Miou oder Pascale Arbillot deutlich zu kurz, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Dies gelingt dem musikalisch ambitionierten Werk unterm Strich leider auch nicht. Obgleich die letzten Szenen eher versöhnlich anmuten, fällt die Dramaturgie reichlich flach aus, die Konflikte bringen keine Spannung mit sich, während die Charakterentwicklungen klischeehaft und teils wenig glaubhaft ausfallen. Speziell in Hinblick aufs Thema wäre da deutlich mehr Emotionalität drin gewesen.
4,5 von 10