Horrorkomödie mit schwarzer Seele
Wenn jemand von mir hören will, wann und wie eine gute Horrorkomödie funktioniert, dann betone ich meist, dass man sich am ehesten deutlich für eine der beiden Seiten entscheiden soll. Im Kern also Horror - oder Komödie. Also entweder „Evil Dead“ oder „Scary Movie“. Selten funktioniert dabei nahezu 50/50. Nur bei einigen Meilensteinen und Glücksfällen. „American Werwolf In London“, „Tucker & Dale vs. Evil“, „Cabin In The Woods“, „Housebound“ fallen mir da als recht ausgeglichene Ausnahmen spontan ein. „The Blackening“ schließt sich da nun an - indem er eine schwarze Collegeclique in einer abgelegen Hütte nach Jahren nochmal zusammentreffen und feiern lässt. Obwohl sich ein paar der Leute eh weit voneinander entfernt und auseinandergelebt haben. Doch ein mysteriöser Killer und ein fieses, rassistisches Brettspiel vermiesen den einstigen Freunden das feuchtfröhliche Wochenende schnell mit Fragen zur afroamerikanischen Kultur, einer Armbrust und perfiden Plänen…
Ist man heutzutage gnädiger mit Horrorkomödien? Oder sogar strenger? Weil die eine Generation den Humor der anderen nie ganz versteht und fühlt? Wer weiß. Humor ist zudem eh immer extrem subjektiv. Deswegen habe ich wohl zu (Horror-)Komödien mit die kontroversesten Debatten geführt. Was der eine als lustig und clever empfindet, ist für den anderen oft genug zum Kopfschütteln und dumm. Deswegen ist gerade hier Vorsicht und Taktgefühl angesagt. Aber ich kann’s nicht anders sagen: „The Blackening“ hat mich sowohl als Horrorfilm als auch als Horrorkomödie gut unterhalten. Und diese Ausgewogenheit ist eine echte Seltenheit. Heute mehr denn je. Solide Horrorkomödien sind wie gesagt ein rares Gut. Selbst wenn „The Blackening“ durchaus das Potenzial hat zu polarisieren. Egal welche Hautfarbe man hat. Für mich ist dieses augenzwinkernde Collegeklassentreffen nach „Black Slasher Art“ ein willkommenes Fressen. Im positiven Sinne. Die Clique wirkt authentisch und eingespielt, die Sprache wirkt natürlich und ungekünstelt, das Drehbuch wirkt dennoch stellenweise messerscharf und intelligent. Die Chemie in der Gruppe stimmt, Klischees werden oft genug unterwandert, manchmal aber auch bestätigt, gewagte Fragen werden gestellt auf mehreren Ebenen, Finger werden in wunde Punkte gedrückt, gesellschaftlich sowie genretechnisch. Ein Fest von Film, wie gemacht dafür die Leinwand anzubrüllen und mit ihr zu kommunizieren. Zu gerne hätte ich den Film in einem vollgepackten US-Vorortkino etwa in Harlem oder Compton gesehen. Samt aller extremer Reaktionen. Jubelnd wie buhend. Der Bodycount ist enttäuschend, aber auch Teil der Theorie. Die Kills, Waffen, Angriffe sind nicht allzu kreativ. Und manchmal kann der Film auch etwas drüber und „too cool for school“ wirken. Doch im Grunde kommt er erstaunlich gut zum Punkt, hält fein die Balance und vor allem solche Themen/Fragen wie „Wann bin ich schwarz genug?“ bürgen Gesprächsstoff und Explosionsgefahr, gerade für Dunkelhäutige.
Fazit: hält wunderbar die Balance aus Horror und Humor, Satire und Schocks, Hommagen und Hauruckgags, Klischees und Überraschungen - für mich einer der frischesten Genrefilme des Jahres und ein flotter Spaß für Slasherfans (aller Couleur)!