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Nun, da der Brexit seine Auswirkungen nach und nach preisgibt, würden ihn viele Briten lieber rückgängig machen. Ein paar Jahrzehnte zuvor ging es mit dem Nordirlandkonflikt in Sachen Unabhängigkeit allerdings weitaus blutiger zu. Im diesem Kontext spielt das Thriller-Drama der Autoren und Regisseure Charles und Thomas Guard.

1975: Als der IRA-Kämpfer Michael (Colin Morgan) mit seiner hochschwangeren Freundin die Flucht antritt, wird sie von britischen Streitkräften erschossen, während er verletzt entkommen kann. Der Schütze Tempest (Aml Ameen) wurde derweil nach London zu einer geheimen Spezialeinheit versetzt, um einer Haftstrafe zu entgehen. Doch Michael pflegt auch hier Kontakte zur IRA und kann die Spur von Tempest aufnehmen…

Die Macher legen kontinuierlich großen Wert auf eine stimmige Atmosphäre, was letztlich einer gelungenen Zeitreise gleichkommt. Zunächst im verschlafenen Irland, kurz darauf in London, wobei an einigen Plätzen in Glasgow gedreht wurde. An Fahrzeugen, Kleidung, Requisiten und Interieur wurde nicht gespart und auch der Score, der sehr bewusst auf frühe Synthiesounds zurückgreift, trägt nicht unwesentlich zur Stimmung bei.

Etwas schwieriger gestaltet sich die Suche nach einer Identifikationsfigur, da beide Kontrahenten wenigstens eine Leiche im Keller haben. Die Anschläge der IRA sprechen eine deutliche Sprache, das Vorgehen des Schützen Tempest fällt allerdings ebenso aus dem Rahmen, so dass sich kein Sympathieträger herauskristallisiert. Vielmehr werden im Verlauf einige Parallelen der vermeintlich ungleichen Männer hervorgebracht, denn im Grunde sind beide lediglich Handlanger der jeweiligen Befehlskette und somit auch Leidtragende des Konflikts.

Nun sollte man sich die Erzählung nicht wie eine Hatz quer durch London vorstellen, denn an Action wird eher gespart, zumal zwischenzeitlich viel taktiert und geplant wird. Entsprechend kommt es zu kleineren Schießereien, während ein Bombenanschlag lediglich angedeutet wird.
Das Finale fällt ein wenig erwartungsgemäß aus, allerdings wurde hierfür ein abermals stimmungsvoller Hintergrund gewählt.

Die beiden Hauptdarsteller spielen zwar grundsolide gegen ihre weitgehend eindimensionalen  Figurenzeichnungen an und auch die übrigen Darsteller erledigen einen passablen Job, doch bei alledem will zu selten Spannung aufkommen. Als geschichtliche Momentaufnahme durchaus atmosphärisch, als reiner Rachefilm hingegen eher enttäuschend, denn das mitreißende Element fehlt komplett.
5,5 von 10





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