Review

Wenn man unbedingt eine betont patriotische Szene in einem Actioner unterbringen will, entsteht folgende Szene: Belagerungssituation in einem Krankenhaus. Während ein Großaufgebot des FBI das Gebäude umstellt hat, bemüht sich die Heldin aufs Dach. Sogleich schwillt der Score an, zwei FBI-Typen wenden einen militärischen Gruß an, welchen die Heldin mit entschlossenem Blick erwidert. Der Rest des Actioners ist glücklicherweise nicht so peinlich.

Nach zwei Einsätzen in Afghanistan verschlägt es Militärärztin Michelle (Leah Gibson) nach Washington ins Mercy-Hospital. Soeben will sie mit ihrem elfjährigen Sohn das Krankenhaus verlassen, als ein Sprössling des irischen Mafiaclans Quinn mit Schussverletzungen eingeliefert wird. Kurz darauf entert der Clan um Anführer Paddy (Jon Voight) das Gebäude und nimmt fast alle Anwesenden als Geisel…

Regisseur Tony Dean Smith hatte es augenscheinlich eilig, seine simple Geschichte in arg komprimierter Form auf den Punkt zu bringen. Nach knapper Exposition und traumatischem Erlebnis für die Heldin folgt eine missglückte FBI-Aktion und schon herrscht ein Belagerungszustand mit recht vorhersehbaren Einzelmomenten. Zumal sich der Elfjährige dermaßen tumb verhält, dass ihn selbst der dümmste Gangster irgendwann aufspüren muss.

Immerhin mischen genügend Nebenfiguren mit, um die Chose abwechslungsreich zu gestalten. Ein fast schon comichaft anmutender Wachmann ist für die kurzen Auflockerungen zuständig und auch ein Neuling beim FBI ist nicht ganz ernst zu nehmen. Die kleinen Machtkämpfe innerhalb der Söhne und entsprechenden Schergen sorgen für leichte Unberechenbarkeiten, während die Heldin die bösen Wichte nach und nach ausschaltet. Und damit man die Parallelen zu „Stirb Langsam“ ja nicht übersieht, trägt Madame Einzelkämpferin natürlich ein weißes T-Shirt, welches im Verlauf leicht angesudelt wird.

Zwar wird von Anfang an ein enormes Tempo gefahren, doch in Sachen Action sollte man keine allzu dollen Schauwerte erwarten. Die Zweikämpfe sind eher rar gesät, doch immerhin passabel choreographiert, während ansonsten Schusswechsel dominieren. Das Blutvergießen hält sich in Grenzen und auch sonst wirkt die Härte eher zurückgenommen.
Der Schauplatz des Krankenhauses wird indes recht gut genutzt, indem auch Nebenräume wie Vorratskammer, Umkleide, Keller und Treppenhaus ins Spiel kommen, während sich draußen das FBI positioniert.

Der Score ist sauber abgestimmt und treibt latent gut an, ansonsten sind auf handwerklicher Ebene keine Besonderheiten zu verzeichnen. Darstellerisch kann der inzwischen 85jährige Voight allein mit seiner Präsenz überzeugen, während die Figuren generell treffend besetzt sind. Gibson verkörpert die Einzelkämpferin physisch überzeugend, mimisch hat sie allerdings herzlich wenig zu tun, da ihr Charakter recht schablonenartig bleibt.

Bei einer kurzen Laufzeit von nur 81 Minuten ergeben sich zwar keine Längen, jedoch auch keine Überraschungen seitens der Story. Ergo hält sich die Spannung in Grenzen, obgleich das Katz- und- Mausspiel hin und wieder ein gelungenes Timing aufweist.
Insgesamt also ein tauglicher Genrebeitrag, der im kleinen Rahmen passabel unterhält.
6 von 10

Details
Ähnliche Filme