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In Verschwörungskreisen ist es längst zur Maxime geworden: Du kannst niemandem vertrauen. Nicht deinem nächsten und erst recht nicht deinem Nachbarn. Dies portraitiert Autorin und Regisseurin Asli Özge anhand eines kammerspielartigen Dramas, welches ein paar Figuren und Themen zuviel unter einen Hut zu bringen versucht.

Ein Berliner Altbaukomplex: Gerade hat der neue Verwalter Horn (Felix Kramer) sich sein Büro in Form eines Glaskastens in den Innenhof hieven lassen, sperrt ein Großaufgebot der Polizei das gesamte Gelände ab. Ohne weitere Erklärung darf keiner mehr raus oder rein. Nicht nur bei der arbeitslosen Mutter Henrike (Luise Heyer) macht sich Misstrauen breit…

Die Prämisse erinnert in der Ausgangssituation stark an den Thriller „Quarantäne“, doch anstatt die Ursache der plötzlich radikal veränderten Situation zu erforschen, versucht Özge einen Blick auf die Bewohner zu werfen. Da gibt es den Lehrer und Querulanten (Christian Berkel), Bewohner mit Migrationshintergrund, deren Herkunftsland bereits falsch in Umlauf gebracht wird und natürlich einige Mitläufer und Opportunisten. Die vermeintliche Solidarität bröckelt zusehends, wobei sich niemand als eindeutiger Sympathieträger hervortun kann.

Denn die Sicht auf die Dinge ist konsequent pessimistisch angelegt und trotz der treffsicheren Figurenzeichnungen wabert die Geschichte etwas zu ziellos umher, da sie nur selten Themen konkretisiert und vor allem vertieft. Da ist noch von der Pandemie die Rede, von umfassenden Sanierungsvorhaben und der Angst, die Wohnung räumen zu müssen. Dann wird von Terror und politischen Protesten gesprochen, während in unregelmäßigen Abständen Helikopter im Tiefflug zu vernehmen sind.

Würde man da nicht vehementer die Hintergründe der beharrlichen Absperrung erfahren wollen, anstatt mit einer schriftlichen Petition umherzuwandern und gäbe es nicht Gründe, die Situation möglichst rasch zu beenden, anstatt frische Gerüchte über eventuelle Bauvorhaben zu streuen? Vage Versuche von Zynismus schimmern zwar ab und an durch und einige Beobachtungsperspektiven der überaus versierten Kamera sind absolut gelungen, doch bei alledem herrscht auch viel Schweigen und nicht selten schleichen sich merkliche Längen ein.

Immerhin wird die angespannte Grundstimmung aufgrund der soliden Ausstattung und der durchweg überzeugend performenden Mimen gut gehalten, doch gegen Ende bröckelt die Dramaturgie zusehends, was der Ausgang innerhalb des vermeintlichen Finales nur allzu deutlich unterstreicht: Der Stoff will einfach nicht konkret werden. Das ist hinsichtlich der guten Ansätze schade, da in Sachen Spannung und klar definierten Ängsten viel Potenzial liegen gelassen wird.
5,5 von 10

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