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Für den deutschen Filmbereich ist es gewiss positiv, mal wieder mit einer internationalen Produktion an den Start zu gehen. Doch „The Dive“ ist lediglich das Remake des erst 2020 erschienenen, norwegischen Unterwasser-Thrillers „Breaking Surface“.

Die ungleichen und entfremdeten Schwestern May (Louisa Krause) und Drew (Sophie Lowe) treffen sich einmal jährlich zum gemeinsamen Tauchgang am Mittelmeer. Doch während eines Felssturzes wird May eingeklemmt und ihr Sauerstoffvorrat geht zur Neige. Für Drew beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit…

Der Stoff fühlt sich an wie eine Mischung aus „127 Hours“ und „Open Water“. In der Nähe des komplett abgelegenen und felsig anmutenden Strandes (Malta) sind keine Touristen unterwegs, kein Haus befindet sich in der Nähe. Sie sind mit einem alten Leihwagen angekommen, Mobiltelefone und Autoschlüssel sind außerhalb von Felsen begraben. Die Situation könnte also kaum prekärer sein.

Und doch will das Mitfiebern nicht so recht zünden, da die Charakterisierung der einzig relevanten Figuren viel zu dünn ausfällt, da man sie nur während der kurzen Einstellungen ihrer Fahrt kennen lernt. Etwaige Flashbacks zur Kindheit bereichern die Figurenzeichnungen nicht, sie lenken eher von der eigentlich klaustrophobischen Stimmung ab und nehmen somit Spannung heraus.

Auf der Habenseite steht demgegenüber das versierte Handwerk. Die Unterwasseraufnahmen gestalten sich nie zu dunkel, man behält die Übersicht und einige Momente des Auftauchens von Drew sind regelrecht kunstvoll eingefangen. Auch akustisch kann sich die Chose hören lassen, denn nicht nur die Unterwassersounds sind gut abgestimmt, auch der Score liefert überwiegend passende Klänge zwischen Verträumtheit und Tempo.

Bezeichnenderweise gestalten sich eher jene Szenen packender, wenn Drew außerhalb des Wassers die wenigen Möglichkeiten unter Zeitdruck auszuschöpfen versucht. Immer mit Blick auf die Uhr versucht sie an den Kofferrauminhalt zu gelangen, eventuell taucht mal ein Boot am Horizont auf, bevor schnell die nächste Sauerstoffflasche 28 Meter tief transportiert werden muss. Beim Timing unter Wasser hakt es hingegen mehrfach, vor allem im finalen Akt.

Den beiden Hauptdarstellerinnen ist bei alledem nichts vorzuwerfen, die performen recht solide und auch das Szenario unter Wasser, welches akribisch in einem deutschen Bad konstruiert wurde, vermag zu überzeugen. Dennoch mangelt es über weite Teile an Dringlichkeit und der Tatsache, dass beide Figuren zu austauschbar bleiben, um ein intensives Mitfiebern zu entwickeln.
5,5 von 10

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