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Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein in The Glen, einem schwarzen Viertel irgendwo in den USA, wo der Drogendealer Fontaine (John Boyega) seinem täglichen Business nachgeht: Gewichte stemmen, ein Los kaufen (wie immer eine Niete), sich die Sprüche eines obdachlosen Rollstuhlfahrers anhören und natürlich die Kohle für den Stoff eintreiben. Am heutigen Abend ist Slick Charles (Jamie Foxx) dran, ein Klein-Lude, der den Dealer wortreich vertröstet und beschimpft, was Fontaine allerdings nicht aus der Ruhe bringt, während er dessen Bude durchsucht. Auch die anwesende Prostituierte Yo-Yo (Teyonah Parris) kümmert sich wenig um den ungebetenen Gast, der bald wieder zur Tür raus ist. Draußen jedoch wird Fontaine bereits von jemandem erwartet, die ihm einige Kugeln verpasst.
Umso größer ist die Überraschung bei Slick, als Fontaine am nächsten Abend schon wieder bei ihm auftaucht und abkassieren will: er sei doch gestern abend erschossen worden. Fontaine will gar nicht weiter auf den Redeschwall des Zuhälters eingehen, als dieser jedoch Yo-Yo als Zeugin benennt, läßt er es drauf ankommen und bekommt auch von ihr die tödlichen Schüsse bestätigt. Irgendwas scheint hier nicht zu stimmen, denkt sich auch der abgebrühte Dealer und so ziehen sie zu dritt los, um der Sache auf den Grund zu gehen. Schließlich erreichen sie ein verdächtiges Haus, vor dem der Wagen des Attentäters parkt, doch dieses ist augenscheinlich leer. Durch Zufall entdecken sie dort einen geheimen Lift, der sie in ein modernes Labor im Keller bringt. Dort scheinen Drogen hergestellt zu werden, wie sie von einem Mitarbeiter erfahren, doch nachdem sie glücklich wieder nach oben gekommen und später mit Verstärkung zurückkehren, müssen sie feststellen, daß der Lift und das Labor verschwunden sind...

Einen bunten Genre-Mix aus Blaxploitation, Sci-Fi-Thriller und Gesellschaftskritik mit reichlich komödiantischen Einlagen hat Regisseur und Drehbuch-Co-Autor Juel Taylor mit They Cloned Tyrone auf die Beine gestellt, in welchem er sein ungleiches Trio auf Spurensuche schickt. Begleitet von einem stark funk-lastigen Score kommen die drei Hauptdarsteller im Lauf des Films einem gewaltigen Komplott der Regierung auf die Spur, in dem ein weißer Beamter (Kiefer Sutherland) mit dem bezeichnenden Namen Nixon die Fäden zieht. Doch er hat die Rechnung ohne das schrille Trio gemacht, das der seltsamen Verschwörung mit unkonventionellen Mitteln auf die Schliche kommt und sich gegen die Fremdbestimmung zur Wehr setzen will. 

Getragen wird der sich zahlreicher Versatzstücke aus diversen Filmen (Matrix, Groundhog Day etc.) bedienende Streifen vor allem durch das höchst unterhaltsame Auftreten seiner drei Proponenten, die mehr oder weniger unablässig quasseln und sich dabei immer wieder und immer weiter der Lächerlichkeit preisgeben, obwohl sie stets todernst und entschlossen dreinblicken und vollkommen von sich selbst überzeugt sind. Zusammen mit einer teilweise körnigen Optik (einer der wenigen Kritikpunkte: einige überflüssigerweise unterbelichtete Szenen, in denen kaum etwas zu erkennen ist) diversen Accessoires aus dem 1970ern (Klamotten, Frisuren, Autos) bei gleichzeitiger Erwähnung wesentlich jünger zu datierender Ereignisse wie Obama oder Kryptowährungen ist They Cloned Tyrone in der ersten Hälfte eine unterhaltsam schräge Komödie, bis der gesellschaftspolitische Zündstoff, den Nixon süffisant vor großem Publikum verkündet, dem Streifen eine etwas andere Wendung zu geben scheint.

Doch selbst der Weg zum erwartbaren Finale, in welchem (natürlich) die alarmierten Ghettobewohner den weißen Laborfieslingen ordentlich den Arsch versohlen, verläuft immer noch mit jenem eigentümlichen, oft ins Alberne abgleitenden Humor (Stichworte: Fried chicken, Haargel), der diese Komödie von Anfang an begleitet. Dabei darf man sich zwischendurch dann auch durchaus ernst gemeinte Fragen stellen wie jene, wie es sich als Klon mit eingepflanzten Erinnerungen so lebt.

Fazit: eine nicht nur hinsichtlich des Scores betont cool inszenierte Sci-Fi-Story mit dezenter Gesellschaftkritik, deren Hauptaugenmerk auf der (Selbst-)Darstellung seiner skurrilen Filmcharaktäre liegt. 6 Punkte.

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