Review

Ein Gefühl vergangener Dekaden zu vermitteln und gleichzeitig eine weitgehend moderne Geschichte zu erzählen, ist ein Balanceakt, der beileibe nicht jedem Regisseur glückt. Dem eher unerfahrenen Juel Taylor gelingt dieses Kunststück zumindest auf audio-visueller Ebene, doch seine Erzählung knickt nach rund einer Stunde merklich ein.

Fontaine (John Boyega) geht in seinem Ghetto den Routinen eines Drogendealers nach, bis er von einem Konkurrenten erschossen wird. Als er am nächsten Tag unerwartet beim Zuhälter Slick (Jamie Foxx) aufkreuzt, der den Mord an Fonatine mit bekam, folgen sie den Beobachtungen der Prostituierten Yo-Yo (Teyonah Parris). Schon bald kommt das Trio einer großen Verschwörung auf die Spur…

Taylor und sein Co-Autor Tony Rettenmaier setzen immer mal wieder kleine satirische Spitzen und machen in vielerlei Hinsicht deutlich, sich nicht über Gebühr ernst zu nehmen.
Während die grobkörnige Optik, manche Fahrzeuge und vor allem die Aufmachung von Zuhälter Slick an die Blaxploitationfilme der 70er erinnern, wozu die unterlegten Songs auf angenehme Weise das Lebensgefühl dieses Jahrzehnts widerspiegeln, ist das Geschehen mehr oder minder im Hier und Jetzt angesiedelt, zumal Mobiltelefone verwendet werden und es Querverweise zu bekannten Verschwörungstheorien gibt, bei denen auch 9/11 erwähnt wird.

Erzählerisch grüßt zunächst das Murmeltier, als Fontaine in morgendlicher Routine ein Rubbellos mit Niete erwirbt, um kurz darauf einem Obdachlosen einen Schluck aus seiner Flasche einzuschenken. Obgleich es der Titel mehr als nahe legt: Gibt es Fontaine mehrfach oder ist er von den Toten auferstanden? Die ersten Nachforschungen durch das ungleiche, manchmal etwas zu mitteilungsbedürftige Trio machen zunächst mächtig Laune, als Räumlichkeiten aufgetan werden, die am nächsten Tag verschwunden sind oder man Zeuge einer auffallend ausgeladenen Feier in einer Kirche wird.

Doch nachdem die Katze endgültig aus dem Sack ist, verschwinden das mysteriöse Element und die auflockernden Intermezzi beinahe schlagartig. Gleichermaßen ist die Spannung raus, da bereits nahezu alle Geheimnisse aufgedeckt sind und nur noch die Frage im Raum steht, wie die Helden damit umzugehen gedenken. Zwar gibt es zum Finale noch ein Minimum an Action und die Ausstattung rund um die Verschwörung fällt einigermaßen ansprechend aus, doch die Luft ist spürbar raus.

Daran können die drei Mimen im Fokus nur bedingt etwas ändern. Foxx zieht hier problemlos die Aufmerksamkeit auf sich und ist für auflockernde Kommentare zuständig, während Parris auf den ersten Blick die selbstbewusste Prostituierte abgibt, speziell im letzten Drittel jedoch einige tiefer gehende Momente beisteuert. Etwas schlichter fällt die Verkörperung von Boyega aus, da seiner Figur nur sehr wenige emotionale Momente eingeräumt werden. Als Bösewicht fungiert indes Kiefer Sutherland, welcher allerdings kaum Raum erhält, seinen Fiesling angemessen auszuspielen.

Die Ansätze dieser skurrilen Genremixtur sind durchaus ansprechend und die erste Hälfte bereitet entsprechend Freude, doch nach der Enthüllung des Mysteriums geht die Dynamik ein wenig flöten. Darüber hinaus ist das Werk mit knapp 124 Minuten deutlich zu lang geraten, weshalb sich in der zweiten Hälfte kleine Durchhänger einschleichen. Die sympathischen Figuren und die ansprechende Optik können dem halbgaren Drehbuch insgesamt nur bedingt entgegen wirken.
6 von 10



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