Review

Stocky Carboa

Die „Gran Turismo“-Spiele sind seit „PlayStation-Kinder“ wie ich denken können ein Blockbuster in ihrem Genre, ihrer Kunstform. Eine legendäre Ode an Autos, Racer, Motoren, Rennstrecken. Wahrscheinlich die hochwertigste Rennspielserie, die je entwickelt wurde. Schon lange kein wirklicher „Driving Simulator“ mehr, aber immer noch Videospielhochadel. Aber als Film? Puh, da fallen einem doch locker fünf Handvoll an Franchises der Sony Konsole ein, die da mehr Sinn ergeben würden oder krachender umsetzbar wären. Auch ich war nach den ersten Gerüchten und Bildern sehr skeptisch - und spiele die Games seit 1998. Dazu dann auch noch Neil Blomkamp, dessen Karriere sich alles andere als im Aufschwung befindet. Fertig war eigentlich ein vorprogrammierter Flop, monetär wie qualitativ. Ganz egal, wie inspirierend und cool die „wahre“ Geschichte dahinter ist, dass es vor ein paar Jahren wirklich erste Zocker von der Couch hinter die Lenkräder von fetten Wagen in berühmten Rennserien geschafft haben. Mindestens eine Augenbraue blieb hochgezogen und ich fragte mich innerlich, ob da „Killzone“, „Infamous“, „Returnal“, „God of War“ oder „Horizon“ nicht passender gewesen wären, in die momentan boomenden Fußstapfen von „Uncharted“ oder indirekt auch „Sonic the Hedgehog“ oder „Super Mario Bros.“ zu treten. Aber wie durch ein kleines Asphaltwunder belehrt mich „Gran Turismo“ eines Besseren: das Ding hat Klischees, ist zu lang und flunkert bei Orten, Zeitspannen und Dramaturgien - aber es ist dennoch eine wirksam-emotionale Underdogstory in der Tradition von „Rocky“ und „Rudy“, wie sie heutzutage viel zu selten derart naiv und unschuldig durchgezogen werden. Und die Rennmomente sind Adrenalin pur. Mit sensationellen Drohnenflügen. Das ergibt in der Gesamtzeit mehr als ich befürchtet hatte. Zum Teil sogar viel mehr. 

Die Playsi als Karrierekick

„Gran Turismo“ schafft meiner Meinung gleich mehrere Dinge. Er wendet (hoffentlich) das Blatt in Blomkamps strauchelnder Karriere wieder zum Guten. Selbst wenn er weit weg vom genialen „District 9“ ist. Er führt die Siegessträhne und positive Entwicklung von Videospielverfilmungen weiter. Selbst wenn er weit weg von dem Niveau etwa einer „The Last of Us“-Serie ist. Er macht aus keiner Geschichte bei den Games eine zumindest akzeptable und funktionale Sportgeschichte. Er hat eine tolle Ziehvater-Sohn-Beziehung. Er fängt die Faszination von Autos und den Traum vom Rennsport solide ein. Ist da ganz im Geiste Yamauchis. Er hat eine klare und sympathische Identifikationsfigur. Der junge Archie Madekwe macht das ordentlich. Und als PlayStation-Fan seit Stunde eins stossen einem selbst die penetranten Produktplatzierungen wenig übel auf. Oder man nimmt sie zumindest mit einem Schmunzeln hin. Dazu noch ein pushender, HipHop-lastiger Soundtrack und dynamische, in den Sitz pressende Rennsequenzen. Fertig ist ein guter Film im Glanz einer natürlich noch viel besseren Spieleserie. Warum „Gran Turismo“ (2023) nicht in derselben Liga wie diese spielt? Klischees. Kitsch. Kein Recht 2,5 (!) Stunden zu gehen. Mehr als nur Freiheiten, eher klare Fehler und Lügen bei Orten, Zeiten, Ereignissen und vor allem seiner realen Story. Das geht von Diskrepanzen bei den eingeblendeten Kursnamen und Bildern bis zu Verdrehungen, Verschweigen, etwas dreister Frisierung der Tatsachen. Orlando Bloom zeigt mal wieder, dass er damals in den „Pirates“-Hits nur durch sein Aussehen überzeugen konnte. Ein auffällig schlechter Schauspieler. Wie gesagt, „Gran Turismo“ kann man wegen all diesen eklatanten und zum Teil aus der Zeit gefallenen Mängeln disqualifizieren. Er wiederholt sich auch stark was Foto Finishs und Dramaturgie betrifft, wirkt teilweise eher wie der Stoff für eine Mini-Serie. Man kann ihn aber auch einfach fühlen und im gewissen Maße, gerade als PS-Fanboy (was hier gleichwohl für PlayStation wie für Pferdestärken steht), feiern. Für mich weiter entfernt von einem Motorschaden als von der Pole Position. 

Fazit: allen Klischees, deutlicher Längen und dramaturgisch-dummen Abweichungen zur wahren Geschichte zum Trotz - „Gran Turismo“ ist der effektivste Film Blomkamps seit „District 9“, ein jugendlich-naiver Außenseiter-Sportfilm mit starkem Racing und durchaus funktionierender Emotionalität. Das hätte weitaus schlimmer werden können! 

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