Die Bretter, die die Welt für diese Kids bedeuten
„Theater Camp“ ist ein echter Indietipp des Jahres, der hierzulande direkt auf Disney+ gelandet ist. Erzählt wird von einem Sommercamp des Theaternachwuchses in einer charmanten und wirklich gefühlsechten Mischung aus „The Office“, „Moonrise Kingdom“ und einer genialen Schulaufführung der Theater-AG…
Theater, Theater, der Vorhang geht auf
Man muss keine Bühnensau sein, um „Theater Camp“ in sein Herz zu schließen. Man muss kein Außenseiter sein., um „Theater Camp“ zu verstehen. Man muss kein Schauspieler sein, um viele Eigenarten wiederzuerkennen. Es hilft vielleicht, aber es ist kein Muss. Es wird reichen, wenn man in einer ungewöhnlichen Gruppe mal eine Heimat gefunden hat, wenn man sich in der „normalen“ Welt mal ausgegrenzt gefühlt hat, wenn man nicht immer zu den cool kids gehört hat oder einem von vielen skeptisch betrachteten Hobby leidenschaftlich nachgeht. Und wer hat schon nichts von all dem erlebt? „Theater Camp“ hat einen sehr offbeat Humor, sollte unbedingt im O-Ton geguckt werden und ist sicher für manche nicht immer nachvollziehbar. Fremdscham hat hier Methode. Aber selbst für diejenigen, die hier eher die Stirn runzeln, sollte das Herz am rechten Fleck und die enorme Passion für etwas rüberkommen. Und ich persönlich habe mich obendrauf noch oft genug kaputtgelacht, finde die Liebesgeschichte der beiden Trainer sehr süß und hatte besonderen Spaß an den äußerst kreativen Musicaleinlagen und weirden Ohrwürmern. Ich habe auch eine weiche Stelle für Sommercamps aller Arten, von blutigsten Slashern bis zu sowas Kindlich-Tollem. All das hievt „Theater Camp“ für mich in unvergessliche Regionen. Sicher nicht perfekt - und genau deswegen so herzlich, authentisch und liebenswert.
Wet Hot American Broadway
Fazit: sehr süß, sehr weird, sehr ehrlich und echt - „Theater Camp“ wirkt oft improvisiert, frech, frei und ungeniert in seinem Element. Überhaupt nicht berechnend. Und hat wohl das größte Herz für Außenseiter seit „Little Miss Sunshine“. Das macht ihn in meinem Buch empfehlenswert. Aufgrund seiner Art dennoch höchst polarisierend, denke ich. Bei manchen wird er einfach nicht landen. Und das muss er auch nicht.