Geoghegan goes again!
Mit „We Are Still Here“ und „Mohawk“ hat sich Ted Geoghegan fest auf meinen Horrorradar eingraviert. Den Kerl lasse ich nicht mehr aus den Augen, da kann der Nachname noch so schwer zu schreiben sein. Zwei absolut tolle, stilvolle und gleichzeitig durchaus saftige Genreexzesse aus den 2010ern hat er da vollbracht, die jeder Fan von Indiehorror schnellstens nachholen und kennenlernen sollte. Nun legt er mit dem etwas humorvollen und doch ziemlich gruseligen Retro-Geister-Kammerspiel (!) „Brooklyn 45“ seine dritte Regiearbeit nach - und zwar wieder mit Schmackes! Ich würde sogar behaupten: den wohl besten „Geisterfilm“ seit Jahren, von Peter Jackson („The Frighteners“) bis zu den Ghostbusters können den alle feiern… Kurz nach Kriegsende treffen sich ein paar alte Freunde, „Nazijäger“ und Militärveteranen aus verschiedeneren Winkeln des amerikanischen Staatsapparats in einer gemütlichen Wohnung in Brooklyn, quatschen über alte Zeiten, trinken Whiskey - und landen schnell am Ouijabrett…
Die Geister, die ich erschiess
„Brooklyn 45“ ist ein exquisites Kammerspiel. Zwischen Geistern der Vergangenheit und dem Horror, das dir Freunde den Rücken kehren oder dich sogar hintergehen könnten. Gegen Nazis und für das eigene Gewissen. Schade, dass der 40s-Retrolook aus Intro und Credits nicht den ganzen Film durchgezogen wird. Aber auch so verströmt „Brooklyn 45“ genug Charme und Kreativität um aus der grauen Genremasse herauszustechen. Alternde B-Movie-Legenden wie Fassenden bekommen mal wieder Zeit zu strahlen. Die wenigen Effekte sehen unfassbar gut aus, egal ob Gore oder Geister. Lassen sich jedoch auch an einer Hand abzählen. Und die Spannung wird konstant hoch gehalten. Wenn man gut zuhört, entsteht enorm viel Kopfkino. Klasse geschrieben, voller Monologe der Traumata und Trauer. Auch von Paranoia und den Wunden des zweiten Weltkrieges, die die Staaten noch lange beschäftigten. „Brooklyn 45“ kann Witze reißen aber auch brutal zubeißen. Er bleibt nicht länger als er muss. Und hat mir richtig, richtig gut gefallen. Selbst wenn ich mir vielleicht noch ein oder drei Höhepunkte - heißt: Geister, Monster, auf die Tischplatte knallende Schädel - mehr gewünscht hätte. Trotzdem ein herausragendes Kleinod genau nach meinem Gusto. Könnte auch eine moderne „Twilight Zone“-Episode sein. Sollte nicht in Vergessenheit geraten. Kurzweilig und scharfkantig.
Fazit: ein beinahe geniales Geistergenrekammerspiel mit Retrosensibilitäten, glaubhaften Figuren, Schocks, Lachern, Überraschungen und starken B-Darstellern. Ein WWII-Spuk, dem ich ziemlich verfallen bin. Ich konnte und wollte nicht weggucken, weggehen, weghören. „Brooklyn 45“ ist spitze!