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Die zufällige Entdeckung einer antiken Kirche, die im ersten Jahrhundert erbaut und anschließend offenbar absichtlich unter Erdschichten begraben wurde, versetzt das kleine englische Städtchen Ashby Wake in Aufruhr. Der von der örtlichen Diözese zu Rate gezogene Professor Simon Kirkman untersucht das Gebäude und entdeckt im Inneren eine merkwürdige Relief-Darstellung der Kreuzigung Jesu Christi, die ihr Hauptaugenmerk nicht auf den Sohn Gottes, sondern stattdessen auf das während der Hinrichtung anwesende Publikum legt. Zur gleichen Zeit fährt Simons Ehefrau Marion versehentlich die Amerikanerin Cassie Grant mit dem Wagen an. Die Backpackerin übersteht den Unfall glücklicherweise unverletzt, erleidet aufgrund des Schocks jedoch einen Gedächtnisverlust. Marion quartiert die junge Frau nach ihrem Krankenhaus-Aufenthalt als Wiedergutmachung im Gästezimmer ihres Landhauses ein. Dort erkennt Cassie auf einigen Bildern des besagten Kirchen-Reliefs prompt jene unheimlichen Gestalten wieder, die seit einiger Zeit die Gegend unsicher machen und sie zu verfolgen scheinen. Bei diesen Fremden handelt es sich tatsächlich um jene Gaffer, die vor zweitausend Jahren Augenzeugen der Kreuzigung waren und im Anschluss wegen ihrer Schaulust dazu verdammt wurden, bis in alle Ewigkeit Katastrophen, Leid und menschlichem Elend beizuwohnen. Klarer Fall, es braut sich was zusammen in Ashby Wake, und die Visionen von Mord und Totschlag, die Cassie seit ihrem Unfall immer wieder plagen, verheißen in dem Zusammenhang wohl auch nichts Gutes... Schön, dass es hin und wieder doch noch unverbrauchte Genre-Konzepte abseits der weithin ausgelatschten Teenie-Slasher-Pfade, Zombie-Gemetzel und Spukhaus-Plotten gibt. Für Brian Gilberts "The Gathering - Ich sehe das, was du nicht siehst" liefert beispielsweise die (leicht abgeänderte) christliche Legende vom "Ewigen Juden" die Idee für die Grund-Prämisse und verhilft dem Film damit zu jenem Fünkchen Originalität, das dem Gros der Konkurrenz zumeist abgeht... und das Ganze fast schon alleine sehenswert macht. So darf man sich dann auch über einen bewusst auf ein erwachsenes Publikum hin ausgelegten und unhektisch erzählten Mystery-Thriller freuen, der inhaltlich als interessante Ausnahmeerscheinung daherkommt und dessen religiöser Anstrich sich dankenswerterweise mal nicht auf die "Exorzist"-Masche mit den dämonischen Besessenheiten oder das übliche Satanisten-Gedöns beschränkt. Im Vergleich zu jenen anderen Okkult-Heulern wie "Stigmata" oder "The Calling", die um die Jahrtausendwende rum ja mächtig en vogue gewesen und allesamt ebenso übertrieben wie vordergründig geraten sind, wurde der theologische Background der Geschichte hier mit einigem Ernst angegangen und verkommt deshalb auch nicht nur zur albernen Makulatur am Rande. Das Bestreben der Macher, sich möglichst weit von den allzu bombastverliebten Hollywood-Produktionen abzuheben, ist demnach deutlich spürbar, was jetzt aber nicht bedeuten soll, dass "The Gathering - Ich sehe das, was du nicht siehst" nicht auch seine Schauwerte intus hat... er drückt sie einem halt nur nicht so plakativ ins Gesicht. Die herben britischen Locations (gedreht wurde mal wieder auf der Isle of Man, die macht landschaftlich ja immer viel her) und das stimmig eingefangene Lokal-Kolorit des kleinen Städtchens verbreiten dann aber doch eine Atmosphäre, die stärker wiegt, als jede noch so aufwendige F/X-Einlage. Dass Gilberts Film dann doch nicht zu einem eindeutigen Highlight gerät, liegt lediglich daran, dass die Handlung sich zwar mächtig vertrackt anlässt, aber leider im weiteren Verlauf mit Red Herrings und falschen Fährten knausert. Stattdessen geben mal wieder die flashigen Visions-Einsprengsel die Richtung vor, die das Ganze nehmen soll. Auch für weniger geübte Zuschauer ist die Lösung des Rätsels demnach schon früh absehbar und eigentlich genügt sogar schon ein Blick auf die obige Inhaltsangabe, um den "überraschenden" Schluss zu antizipieren. So kommt "The Gathering - Ich sehe das, was du nicht siehst" mit seinen ominösen und unheilvollen Andeutungen zwar ganz passabel über die Runden, lässt einen letztendlich aber ein wenig unbefriedigt zurück. Wie schade, denn die formale Seite der Angelegenheit wurde wie gesagt ja mit Bravour gelöst und auch die Darsteller sind echt gut aufgelegt...

6/10

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